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Unüberhörbar

Warum wir dem Radio Vertrauen schenken

Grit Leithäuser – Illustration: Bertil Brahm

Grit Leithäuser ist Geschäftsführerin der Radiozentrale und unsere neue Gastkolumnistin rund um die Themen Radio und Audio. In ihrer ersten Kolumne macht sie sich Gedanken zum Thema Vertrauen.

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Ich habe letztens mit einem alten Schulfreund telefoniert. Wir kennen uns schon seit den Kindertagen. Er lebt jetzt in Frankfurt und ich in Berlin, aber der Kontakt zu ihm ist nie abgerissen. Bei unserem letzten Telefonat haben wir uns dann die Frage gestellt, warum gerade wir es geschafft haben, diese enge Verbindung aufrecht zu erhalten, trotz verschiedener Lebensphasen, Lebenswege und der örtlichen Trennung. 

Für mich war schnell klar: weil ich ihm vertraue. Wir haben immer eine Wellenlänge und ein Gespür füreinander, auch wenn wir oft anders Denken und viel diskutieren. Und natürlich haben uns in Kindertagen von Anfang an die gleichen Erlebnisse, Gedanken und unser Geburtsort geprägt. Wichtig ist auch, dass ich weiß, dass ich ihn jederzeit anrufen kann, wenn es brennt und er kommt – egal was ist. Und beeindruckt hat mich auch, dass er immer authentisch ist. Er hat mir nie etwas vorgespielt oder vorgemacht. Wenn es ihm schlecht geht, dann sagt er es auch und wenn er glücklich ist, ebenso.

Vertrauen und Authentizität sind beim Radio in gleicher Weise prägend. Laut der aktuellen EBU-Studie vertrauen in Deutschland 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dem Medium. Mit 60 Prozent folgt als erstes Medium dann Fernsehen. Dieses Vertrauen spiegelt sich aber nicht nur in Deutschland wider. Auf europäischer Ebene zeichnet sich das gleiche Bild ab. Radio ist auch das vertrauenswürdigste Medium in Europa und erreicht in 24 von 37 Ländern mit 65 Prozent den höchsten Wert.

Was dies bedeutet, lässt sich vielleicht noch besser erläutern, wenn man nicht nur auf die Zahlen im intermedialen Vergleich schaut, sondern sich die Vertrauenswerte im Vergleich zu anderen Institutionen anschaut. Auch wieder auf Basis des europäischen Blickwinkels lässt sich konstatieren, dass die EU-Bürgerinnen und Bürger nur dem Militär und der Polizei mehr Vertrauen entgegenbringen als dem Radio.

„Die Beziehung der Menschen zu Radio scheint ganz ähnlich durch Vertrauen geprägt zu sein, wie das Verhältnis zu meinem ältesten Freund.“

Dieses Vertrauen in das Medium lässt sich zudem auch durch einen Umkehrschluss herleiten. Denn laut der Studie „Media Feeling – Media Reach“ ist für 52 Prozent der Deutschen das Medium unverzichtbar in ihrem Alltag. Und bei der Nutzung von Radio und Audio-Medien fühlen sich die Menschen rundum wohl. Denn in der Studie wurde auch die emotionale Stimmungslage für eine bestimmte Nutzungssituation eines Mediums ermittelt.  Radio und Audio werden dabei überproportional die Begriffe Lebensfreude, Harmonie und Wohlfühlen zugeschrieben, die mit anderen Medien nicht assoziiert werden.Und was das Thema Authentizität betrifft, da sprechen die Beliebtheitsgrade der Moderatorinnen und Moderatoren für sich. Sie sind tatsächlich Begleiter durch den Tag, die in gleicher Weise als diese vertrauten Personen wahrgenommen werden. Und ganz ehrlich: wen man vor dem Aufstehen, vor dem ersten Kaffee, oder im Bad via Radio in sein Leben lässt, der hat schon eine besondere Stellung im Leben jedes Einzelnen eingenommen.

Die Beziehung der Menschen zu Radio scheint also ganz ähnlich durch Verbundenheit und Vertrauen geprägt zu sein, wie es auch das Verhältnis zu meinem ältesten Freund beschreibt. Beim letzten Telefonat, als wir dann ganz dezidiert darüber gesprochen haben, warum wir diese enge Verbindung haben, ist mir auch klar geworden, dass ich diesen Umstand nie wirklich hinterfragt habe. Wie wertvoll diese Freundschaft mit ihm ist und wie selbstverständlich ich das immer vorausgesetzt habe, ist mir erst da aufgegangen. Aber es ist mitnichten eine Selbstverständlichkeit, sondern etwas Besonderes.


Grit Leithäuser ist seit 2019 Geschäftsführerin bei der Radiozentrale in Berlin. Sie war u.a. maßgeblich beteiligt an der Imagekampagne „Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf“ und engagiert sich für gemeinsame Marketing- und Programmaktionen der deutschen Radiosender.

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