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Interview mit Johannes Fritz Groebler

Herr Groebler, warum soll ein Hotel in die Blockchain?

Johannes Groebler Unycu

"Ich mag es nicht, aber es wird kommen", sagt Johannes Groebler zum Thema virtuelles Reisen – Foto: Unycu Group

Ausgerechnet ein Hotelier kommt auf die Idee, ein Crypto-Hotel zu „eröffnen“. Dabei sollte man annehmen, dass die Virtualisierung des Lebens im Metaverse der natürliche Feind des realen Tourismus ist. Johannes Fritz Groebler meint, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

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Das Crypto-Hotel ist eine deutsche Erfindung. Das ist in diesen dynamischen Tagen erstaunlich genug. Die meisten Meldungen über Aktivitäten im Metaverse oder auf der Blockchain kommen von Weltmarken und hier vorzugsweise aus den USA oder Großbritannien.

Vor fünf Jahren rief Johannes Fritz Groebler eine Initiative ins Leben, über die verschiedene kleinere Hotels gemeinsam Marketing machen. Inzwischen gehören 24 Häuser der Kooperation Unycu an.

Die Corona-Krise zwang Hotels dazu, den Zugang zu Kunden neu zu denken. Man will vor allem im Gespräch bleiben, auch wenn Reisen nicht erlaubt sind, um dann in der Post-Corona-Ära als potentielle Destination in Frage zu kommen. Und man will die Verhaltensänderungen der Menschen abbilden. Manche Hotels vermieten ihre Zimmer stundenweise als Home-Office-Alternative, wie der Berggasthof Sonne im Allgäu. Andere, wie das Hamburger Tortue stellen Podcastern ein Tonstudio zur Verfügung. Und wieder andere richten komplette Fernsehstudios ein, wie das Scandic am Potsdamer Platz, die Marken zum Aufzeichnen von Videos oder zur Veranstaltung hybrider Events gereichen sollen.

crypto
Der NFT-Boom ist auch in der Hotellerie angekommen – Foto: Unycu Group

Herr Groebler, wie kamen Sie auf die Idee mit dem Crypto-Hotel?

Johannes Fritz Groebler: Da muss ich etwas ausholen. Wir haben fünf Jahre lang eine recht erfolgreiche Marketing-Kooperation verschiedener Hotels betrieben. Wir haben uns die Kosten für Messestände geteilt, wir haben Tasting-Events gemacht, wir haben gemeinsam Werbematerialien erstellt. Zeitweise waren über 25 Hotels dabei.

Im November 2019 haben wir uns in Mannheim getroffen. Und wir hatten drei Themen auf der Agenda: Soziale Kommunikation, China und die Blockchain. Wir hatten alle den Bitcoin-Hype miterlebt. Zwei Monate später stand alles still. Es kam Corona. Unsere größte Sorge war, wie wir die Mitarbeiter weiter beschäftigen. Wir haben zum Beispiel diverse Maskenshops gestartet, um zumindest einen Teil der Mitarbeiter beschäftigen zu können.

Ich habe die Lockdown-Zeit auch genutzt um die neue Edition „The Smallest Hotel Book of the World“ zu produzieren und zu veröffentlichen. Das Buch war ein überraschend großer Erfolg. Es ist heute noch mit Abstand der wichtigste Content auf unserer Seite. Die Wirkung geht weit über die Community unserer Gäste oder Partner hinaus. Und aus dieser Idee des Content-Marketings ist auch das Crypto-Hotel entstanden. Wir wollten lernen, wir wollten das Thema erkunden und wir waren uns sicher, dass wir damit auch eine Außen- und Marketingwirkung erzielen.

Hat es funktioniert?

Ja. Wir haben einen riesigen Zulauf bekommen. Das Thema Crypto-Hotel schlägt alles, was wir bisher hatten. Das Interesse ist riesig, die Zugriffszahlen auf unseren Seiten sind enorm. Ich bin überrascht, dass die großen Corporates wie ein Hyatt, Accor oder ein Marriott das Thema nicht viel früher aufgegriffen haben. Eigentlich führen die bei Innovationen oft unseren Markt an. Die haben Budget ohne Ende.

Marriott hat eine NFT-Kollektion auf den Markt gebracht.

Aber erst letzten Dezember. Viel zu spät. Bitcoin wurde 2009 erweckt und der Blockchain- und Crypto-Hype gibt es schon seit Jahren. Wir sind mit dem Crypto-Hotel im Frühjahr 2020 gestartet und haben es im Mai 2021 veröffentlicht. Da haben wir unsere Nische und Chance gesehen.

Wir haben mit dem Thema enorm viel Resonanz auch in der Presse ausgelöst. Gerade Anfang 2021 stand zum Beispiel Elon Musk mit seinen Statements zu Bitcoin in jeder Zeitung. Das hat uns inspiriert. 

Ist die Idee hinter demCrypto-Hotel größer als Marketing und PR?

Das weiß ich nicht. Wir haben fünf Segmente des Crypto-Hotels definiert und die als NFTs herausgebracht. Der Markt findet sich ja gerade erst noch. Auch technologisch. Bitcoin kann nicht viel, ist aber enorm populär. Ethereum kann unheimlich viel, ist aber furchtbar langsam und die Gas-Gebühren sind sehr hoch. Wir haben noch einige Blockchain- und Crypto-Projekte in der Pipeline. Perspektivisch ist aber zum Beispiel spannend, dass man in einer Marketing-Kooperation wie unserer bei einem Hotel ein NFT kauft, dass man dann auch in einem anderen Hotel verwenden kann. Eine Art übergreifendes Loyalty-System.

Gibt es konkrete Ideen für den Umgang mit diesen Käufern?

Wir arbeiten an diversen weiteren Crypto-Projekten und testen gerade, wie ein NFT einen Nutzen und Mehrwert im Hotel bieten könnte. Es gibt viele Ideen. Aber die Projekte wurden noch nicht veröffentlicht. Ein Problem ist zum Beispiel, wie man den Käufer eines NFTs dazu bringt, sich zu erkennen zu geben.

Marriott Bonvoy
Die Marriott-Gruppe verbindet den Erwerb der NFTs mit dem Kundenbindungsprogramm Bonvoy – Foto: Marriott / Screenshot

Da ist die Idee von Marriott ja gar nicht schlecht. Die verknüpfen die NFTs mit dem Kundenbindungsprogramm Bonvoy. 

Das ist vor allem deshalb spannend, weil Marriott so an die Kundendaten kommt. Das, was die Menschen an der Blockchain fasziniert, ist ja die Anonymität. Für Marketing ist das ungünstig. Aber die Idee mit dem Loyalty-Programm ist auch nur eine von vielen. Aktuell ist da draußen WildWest. Alles ist möglich.

Aber sind Virtualisierung und Metaverse nicht der natürliche Feind der Hotellerie?

Leider ja. Die Menschen werden auf Dauer mehr Erlebnisse zuhause haben, als im Hotel an der Bar oder im Restaurant. Das befürchten wir schon. Aber genau deshalb ist es wichtig, dass wir darüber diskutieren. Traditionell ist die Hotellerie nicht als besonders innovative Branche bekannt. Wir wollen mit dem Crypto-Hotel zeigen, dass wir zwar Hoteliers sind, aber eben auch die Blockchain verstehen und wir wollen dabei sein.

Denken Sie zurück an Social Media. Es hat fast zehn Jahre gedauert, bis die Hotels verstanden haben, welche Rolle Social Media für die Reisekunden und Hotelgäste hat.

Was kann NFT für die Hotellerie?

Die Frage ist noch nicht beantwortet und wir arbeiten derzeit an diversen Modellen und testen in unseren eigenen Betrieben. Wichtig ist, dass wir wissen, wer hinter einem NFT steckt. Wohin schicke ich die Flasche Wein, die der User mit dem NFT gekauft hat? NFT ist eine Art Rechtesystem. Ich kann daran alles knüpfen, was ich möchte. Zum Beispiel auch Event-Tickets. Wir sind erst ganz am Anfang.

„Es ist doch bei jedem Hype so: Es entstehen ganz viele Projekte, davon crashen viele, aber ein paar setzen die Wegweiser.“

Johannes Fritz Groebler

Was ist das nächste Projekt der Unycu-Hotels?

Wir wollen mit möglichst vielen Hotels in den Austausch gehen, das Thema weiterentwickeln und auch beratend tätig sein. Im Blockchain Segment haben wir inzwischen ein innovatives Netzwerk. Hinzu kommen viele eigene Ideen, die derzeit entwickelt werden. Zum Beispiel arbeiten wir gerade an einer Kampagne mit Drinks unter den Namen CryptoSpritz, Cryptorinha und Cryptogroni. Hier wollen wir Hospitality, also unsere Hotel- und Gastronomiebranche mit Blockchain verbinden. Allerdings haben die meisten Hotels jetzt auch wieder geöffnet. Wir müssen uns jetzt auch wieder auf das operative Tagesgeschäft konzentrieren – und darauf freuen wir uns alle sehr.

Glauben Sie wirklich, dass die Blockchain vieles verändert?

Auf jeden Fall. Das, was wir jetzt sehen ist ja nur ein kleiner Anfang. Ob ich es mag? Eigentlich nicht. Man kann das Leben nicht digitalisieren. Was ein Hotel ausmacht, ist das physische Erleben, die Freundlichkeit des Service, ein cooler Bartender. Aber dennoch bin ich sicher: Die Blockchain wird uns überrollen. Blockchain wird vieles vereinfachen und auch dauerhaft verändern! Aber es gibt eine Zweiteilung zwischen alter und neuer Welt. Leider hält die Hotellerie sehr stark an der alten Welt fest, aber die wird verschwinden.

Glaubt Johannes Groebler an die Idee des virtuellen Reisens?

Ich bin kein Freund davon, aber das wird es geben. Denken wir an Themen wie Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Engpässe bei der Energieversorgung. Vielleicht gibt es Energie-Lockdowns. In Südamerika gibt es Städte, da darfst Du nur an bestimmten Tagen mit dem Auto reinfahren, je nachdem, ob Dein Autokennzeichen eine gerade oder ungerade Zahl am Ende hat.  

Kann man dann überhaupt reisen? Ich glaube schon, dass Virtual Reality hier neue Türen öffnen wird. Es geht vermutlich nicht darum, mit seiner VR-Brille am Strand zu liegen. Es geht um Erlebnisse. Ja, ich glaube an die Idee des Metaverse.

Aber die Blockchain ist alles andere als ökologisch.

Das muss man differenziert anschauen. Ja, die Blockchain braucht sehr viel Energie, aber das brauchen ja auch Bankensysteme mit vielen Drittparteien zwischen dem Bezahlenden und dem Empfangenden, dann kann die Blockchain sogar Ressourcen sparen.

Reisen und digitale Kunst sind für die Gesellschaft weniger wichtig, als eine Währung.

Das ist richtig, aber ich denke, dass der Wettbewerb unter den Blockchains auch hier dafür sorgen wird, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Vielleicht akzeptieren Kunden oder bestimmte Unternehmen nur NFT-Lösungen, die mit erneuerbaren Energien erzeugt wurden. Das wird sich entwickeln. Solana funktioniert ja jetzt schön deutlich effizienter als Ethereum. Es ist doch bei jedem Hype so: Es entstehen ganz viele Projekte und Ideen, davon crashen viele, aber es bleiben ein paar übrig und die setzen die neuen Wegweiser. 

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