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Trotz Ukraine-Krieg

Bertelsmann bleibt mit Logistik und Druckerei weiter in Russland aktiv

Thomas Rabe, seit 2012 CEO von Bertelsmann – Foto: Imago

Immer mehr Firmen schließen sich den internationalen Sanktionen gegen Russland an. Sie stellen ihre Geschäfte ein und ziehen sich komplett zurück. Der Medienkonzern Bertelsmann bleibt hingegen mit seiner Dienstleistungstochter Arvato und einer Druckerei weiter in Russland aktiv.

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Viele deutsche Wirtschaftsriesen haben nach dem Angriff gegen die Ukraine ihr Geschäft mit Russland sowie ihre lokale Fertigung eingestellt. Auch der Volkswagen-Konzern gehört dazu. Der Autokonzern hat die Produktion an den Standorten Kaluga und Nischni Nowgorod bis auf Weiteres eingestellt. Fertig produzierte Fahrzeuge, die bereits in Russland sind, sollen nicht mehr an dortige Händler ausgeliefert, heißt es.

Auch der zu Bertelsmann gehörende Luxemburger TV-Konzern RTL hat nach dem Einmarsch sein Geschäft in Russland eingestellt. Dies erklärte RTL Group-Chef Thomas Rabe noch vergangene Woche auf der Bilanzpressekonferenz des Luxemburger Fernsehriesen. In Russland, so Rabe, habe RTL zuletzt sechs Millionen Euro umgesetzt. 

Doch zeigt Bertelsmann mit seiner Dienstleistungstochter Arvato und einer Druckerei in Russland Flagge. Vor allem im Druckgeschäft produzieren rund 200 russische Mitarbeiter für russische Auftraggeber unverändert diverse Druckerzeugnisse, erfuhr MEEDIA aus Bertelsmann-Kreisen. Ein Arvato-Sprecher wollte sich zum Druckgeschäft in Russland nicht äußern. Er erklärte auf MEEDIA-Anfrage lediglich: „Arvato Supply Chain Solutions erbringt von Standort im russischen Jaroslawl aus Distributions-Dienstleistungen für internationale Auftraggeber, u.a. aus der Fashion- und Healthcare-Branche. Dort erfüllen wir weiterhin unsere vertraglichen Verpflichtungen, natürlich unter strenger Beachtung der aktuellen Sanktionsbedingungen. Für die Kunden, die ihr E-Commerce-Geschäft in Russland ruhen lassen, stellen wir nur noch die Lagerhaltung vor Ort sicher“. Und weiter: „Über die Zukunft der Geschäftsaktivitäten in Russland werden wir zu gegebener Zeit und in enger Abstimmung mit unseren Kunden entscheiden.“ 

In Russland hatte sich Bertelsmann mit seiner Verlagsgesellschaft Gruner + Jahr, die RTL Anfang des Jahres übernahm, bereits vor Jahren aus den Mediengeschäften zurückgezogen, „weil wir sie nicht nach dem für uns wichtigen Grundsatz des freien Journalismus führen konnten“, betonte Rabe vor wenigen Tagen gegenüber der „FAZ“. In der Ukraine ist Bertelsmann nicht tätig.

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