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Bilanzpressekonferenz

RTL-Chef Thomas Rabe: Bayerns Mediengesetz kein Hemmnis für Investor

Thomas Rabe, CEO der RTL Group – Foto: RTL Group (Montage: MEEDIA)

Bayern hat ein neues Mediengesetz verabschiedet, dass eine Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den ausländischen Gesellschafter Investor Silvio Berlusconi verhindern soll. RTL Group-Chef Thomas Rabe sieht in der Regulierung kein Hemmnis, falls sich RTL für eine Fusion mit P7S1 entschließen sollte.

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Die US-Techriesen machen europäischen Medienriesen wie RTL immer mehr zu schaffen. Als einen möglichen Ausweg liebäugelt RTL-Group-Chef Thomas Rabe seit Längerem mit der Option, den zu Bertelsmann zählenden Luxemburger TV-Konzern RTL mit dem Konkurrenten ProSiebenSat.1 zu verschmelzen. Nun hatte Bayern vor wenigen Tagen seine Mediengesetze verschärft, um die Übernahme eines ausländischen Investors bei der Unterföhringer Sendegruppe zu verhindern. Rabe sieht aber in dem neuen Gesetz offenbar keine Hürde, die einen ausländischen Investor wie die RTL Group abschreckt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Hemmnis wäre, wenn wir irgendwann in der Zukunft zu dem Schluss kämen, dass das Zusammengehen von RTL und ProSiebenSat.1 Sinn macht“, sagte Rabe bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz. Aktuell stehe aber eine Verschmelzung der beiden Sendergruppen bei RTL nicht zur Diskussion.  

Die Äußerungen von Rabe dürften vor allem den italienischen Medienzaren Silvio Berlusconi aufhorchen lassen. Der hatte vor wenigen Tagen seine Beteiligung an der Sendegruppe auf mehr als 25 Prozent aufgestockt. Dadurch ist die Aufsichtsbehörde BLM gezwungen, ein Prüfverfahren einzuleiten. Berlusconi ist mit seiner Holding Media for Europe daran interessiert, die Macht bei P7S1 zu übernehmen. Der umtriebige Geschäftsmann will offenbar einen paneuropäischen TV-Konzern schaffen, der dann auch RTL Konkurrenz machen könnte. Branchenbeobachter schließen deshalb nicht aus, dass Berlusconi den P7S1-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet. Dies ist bei Überschreiten der 30 Prozent-Schwelle notwendig. P7S1-Vorstandschef Rainer Beaujean hingegen sieht hingegen in einer Übernahme durch Media for Europe keinen Mehrwert für die Gesellschaft und die Aktionäre der Sendekette.

Das sind die Pläne von CEO Rabe für 2022 und darüber hinaus

Unterdessen hat sich Rabe für das laufende Geschäftsjahr bei RTL viel vorgenommen. Der gebürtige Luxemburger will den Konzernumsatz 2022 voraussichtlich auf 7,4 (Vorjahr 6,63) Milliarden Euro steigern. Trotz der Prognose kann er allerdings die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und die wachsende Inflation nicht genau abschätzen, sieht hierfür aber bislang keine signifikanten Veränderungen im Wachstum. „Die Erholung der Wirtschaft wird sich getrieben durch den privaten Konsum fortsetzen“, meint Rabe. Das Adjusted EBITA solle bei RTL allerdings 2022 in etwa auf Vorjahreshöhe stagnieren. 

Strategisch hat sich Rabe für dieses Jahr mehrere Ziele gesetzt. Er will die Integration von RTL mit den Aktivitäten des Anfang des Jahres übernommenen Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner+Jahr („Stern“, „Geo“, „Brigitte“) weiter vorantrieben. Dadurch wolle er bis Ende 2026 jährlich Synergieffekte von 120 Millionen Euro heben. Dies soll durch Wachstum, aber auch durch Einsparungen erfolgen. Man beschäftige 7.500 Mitarbeiter bei RTL und G+J, davon 1500 Journalisten. „RTL und G+J stellen in vielen Bereichen Mitarbeiter ein, unter anderem bei News, aber auch für neue Formate wie ‚Stern TV‘ am Sonntag“, so Rabe.

Geplant sei auch die Inhalte von G+J und RTL auf der Bezahlplattform RTL+ zu bündeln, um den Nutzern ein Angebot aus einer Hand zu bieten. Hierfür wolle RTL demnächst die Preisstruktur festlegen. Was die Nutzer hierfür zahlen sollen, wollte Rabe aber noch nicht verraten. Nur so viel, sie müssten hierfür „erheblich“ weniger zahlen, als wenn sie die Angebote einzeln abonnierten.   

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