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Scott Galloway auf der South by Southwest

SXSW: Meta wird am Metaverse scheitern

Scott Galloway

Scott Galloway äußerte bei der SXSW seinen Unmut über das schlechte Management bei Meta (Archivbild) – Foto: Imago / All Over Press Finland

Mit Spannung schaut die Marketingbranche nach Texas zur South by Southwest (SXSW). Erstmals seit zwei Jahren findet ein Online-Marketing-Event wieder ganz real vor Ort statt. Die Top-Themen sind das Metaverse, Datenschutz, die Übermacht der GAMA und hochaktuell das Thema Cybersicherheit.

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Scott Galloway ist bekannt für seine markigen Worte und er ist bekannt dafür, dass ihm das Geschäftsmodell von Apple besser gefällt, als das von Facebook. Beides donnerte er am Freitag in Austin von der Bühne des Ballroom D im Convention Center der SXSW. „Ich glaube, dass Meta an der eigenen Vision eines umfassenden Metaverse scheitern wird“, so der streitbare US-Professor. Die vergangenen beiden Jahre hätten gezeigt, dass es Marc Zuckerberg nicht gelingt, die Einkommensströme zu diversifizieren und Meta umzubauen, selbst wenn der Druck von den Regulierern und Märkten sehr hoch ist. Im fehle das Vertrauen in die Führungskraft Zuckerbergs, meint Galloway.

Was Galloway suspekt ist

Allerdings scheint dem frisch gebackenen Host von CNN+ – der Start des neuen Streaming-Dienstes ist für den 29. März terminiert – die Idee des Metaverse generell etwas suspekt zu sein. Die VR-Brillen von Oculus bezeichnete er in seiner Keynote als den technischen Flop des Jahrzehnts. Das deckt sich nur so ungefähr mit der Meinung der Endkunden, die im vergangenen Jahr mehr VR-Brillen von Meta gekauft haben als Spielekonsolen von Microsoft. Tendenz steigend.

Apple sei wesentlich besser positioniert, um vom Metaverse zu profitieren, meint Galloway. Die Key-Assets dafür seien das iPhone, der universelle App-Store sowie ausgerechnet die Airpods-Kopfhörer, die problemlosen Zugang zu einem „auditiven Metaverse“ vermitteln sollen. Dass die Idee des Metaverse darauf ausgerichtet ist, eine offene Landschaft ohne Walled Gardens zu etablieren und die Blockchain als „basisdemokratisches“ Rückgrat des Systems zu etablieren, ficht Galloway bei seiner Einschätzung nicht an.

Stattdessen sieht Galloway schon den nächsten Platzhirschen entstehen. Der Marktwert von OpenSea, der wichtigsten Plattform für NFT-Veröffentlichungen, werde sich verdoppeln, sagt der Professor. Auch hier stellt er sich gegen den aktuellen Trend. Zahlreiche US-Medien berichten in diesen Tagen von deutlich abnehmendem Interesse an NFT-Drops, vor allem bei OpenSea.

Krypto-Währung von Chanel?

Die Aussage Galloways, bei der die meisten im Publikum mitgehen konnten, war die nicht allzu steile These, dass NFTs für die Luxusbranchen noch weiter an Bedeutung gewinnen werden. Er sieht eine Marke wie Chanel sogar in der Position, eine eigene Krypto-Währung zu entwickeln. „Die Verknappung digitaler Güter ist wie gemacht für die Luxusbranche“, sagt Galloway. Aber auch Sportvereine und Medienmarken können davon profitieren.

Jenseits des einen großen Technologie-Hypes namens Metaverse samt seiner diversen Unterformen, hat es in Austin Tradition, dass sich die Konferenz intensiv mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt. War 2019 noch das Thema Klimaschutz in aller Munde, geht es diese Woche vor allem um Cybersicherheit. Rund um das Event veröffentlichten Tech-Giganten wie Google oder Microsoft, welche Pläne sie haben und welche Akquisitionen im Raum stehen, um sich gegen feindliche Angriffe besser wehren zu können.

Und dann war da ja auch noch die EU. Die Kommission gab eine eigene Pressemeldung heraus, unter dem Titel: „Die EU kehrt zur SXSW zurück“. Für drei Tage besetzte man das hippe Hostel und Café Native in Downtown Austin. Dem Team des Native war die Anwesenheit der EU-Kommissare übrigens keine News wert.    

Massive Wirkung entfaltete Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager unterdessen auf der Bühne. Wenige Tage zuvor hatte die Kommission bekanntgegeben, den Jedi-Blue-Deal zwischen Facebook und Google kritisch unter die Lupe nehmen zu wollen. Vestager machte den versammelten Zuhörern in freundlichen, aber bestimmten Worten klar, dass man in Europa erwartet, dass auch die großen Tech-Firmen sich an die Regeln der DSGVO halten. Eine deutliche Kritik an der unzulänglichen Nachbesserung von Google Analytics nach dem Schrems2-Urteil. Auch die Regulierung der Blockchain und Krypto-Währungen stehen auf der Agenda der Europäer.

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