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"Cicero"-Interview

Christian Drosten geht juristisch gegen „Cicero“ und Wissenschaftler vor

Christian Drosten – Foto: Imago/IPON

Der Virologe Christian Drosten geht wegen Äußerungen des Hamburger Professors Roland Wiesendanger im „Cicero“ juristisch gegen ihn und das Magazin vor. Dies berichten „SZ“, NRD und WDR. Es geht um die Unterstellung, Drosten habe sich mit anderen Wissenschaftlern verschworen, um eine mögliche Laborherkunft des derzeit grassierenden Coronavirus zu vertuschen.

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Drosten war im Februar 2020 von Jeremy Farrar, Professor für Tropenmedizin und Direktor des „Wellcome-Trust“, einer renommierten Gesundheitsstiftung, informiert worden, dass ein dänisch-amerikanisches Forschungsteam Hintergründe auf eine Laborherkunft des Virus gefunden hätte. In einer eilig einberufenen Telefonkonferenz mit internationalen Wissenschaftlern habe man derartige Theorien aber wissenschaftlich begründet für „unwahrscheinlich“ befunden. Kristian Andersen, der die Hinweise entdeckt hatte, habe sich davon überzeugen lassen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Drosten gehörte danach zu den Unterzeichnern eines Papiers, in dem es unter anderem heißt: „Wir verurteilen gemeinsam auf das Schärfste Verschwörungstheorien, wonach Covid-19 keinen natürlichen Ursprung habe.“

Wiesendanger warf Drosten „Irreführung“ vor

Der Hamburger Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger hatte sich schon mehrfach gegen diese Aussage positioniert. Im Cicero-Interview (€) vom 2. Februar dieses Jahres lederte er direkt gegen Drosten. Dieser sei Teil einer gezielten „Verschwörung“, die eine Debatte über die Herkunft des Virus verhindern wolle. Es fiel der Satz: „Für mich hat Herr Drosten jede Glaubwürdigkeit als Wissenschaftler verloren.“ Drosten habe „Politik und Medien in die Irre geführt“.

Drostens Anwälte fordern sowohl vom „Cicero“ als auch von Wiesendanger Unterlassungserklärungen in sieben Punkten. „Diese Verleumdungen haben eine ansteigende Kurve. Das muss und werde ich mir nicht gefallen lassen“, begründet Drosten den Schritt. Über das juristische Vorgehen berichteten zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ (€), NDR und WDR. Cicero-Verleger Alexander Marguier kündigte laut „SZ“ eine juristische Prüfung des Anwaltschreibens an, Wiesendanger habe laut eigener Aussage keine Kenntnis von etwaigen juristischen Auseinandersetzungen.

Es ist die erste juristische Auseinandersetzung mit der Wissenschaftler-Runde von Februar 2020, die weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Drosten hat seine Schilderungen der Abläufe eidesstattlich versichert.

th

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