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Fragebogen

Work-Life-Balance war nie ein Problem

Jentschke Feierabend

Mirjam Jentschke – Foto: Mirjam Jentschke

Was tun Branchenpersönlichkeiten eigentlich nach Feierabend? Wofür geben sie gerne Geld aus und sind sie für Netflix oder doch für Fitness? Wir haben bei Mirjam Jentschke nachgefragt, der Gründerin der Brand-Agentur FautLeFaire.

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Wie lange brauchen Sie vom Büro nach Hause?

Mittlerweile brauche ich nur noch schlanke 15 Minuten nach Hause, physisch. Das gedankliche „Runterfahren“ dauert manchmal länger als der Heimweg.

Was tun Sie auf dem Heimweg?

Auf dem Heimweg denke ich nach. Ich fahre immer an einem Verbandsgebäude vorbei, in dessen Garten in Leuchtschrift der Sinnspruch „Kein Leben, das sich lohnt, ist leicht.“ angebracht ist. Ich denke dann immer wieder darüber nach, wieviel Wahrheit in dem Spruch steckt. Wie auch immer, wenn der Tag nicht leicht war, beruhigt mich der Spruch enorm.

Zur Person

2003 hatte Mirjam Jentschke schon einmal eine Markenagentur gegründet. Dann ereilte Sie der Ruf von Bosch Siemens Hausgeräte und dem Unternehmen blieb sie als Brand Managerin 16 Jahre treu.

Seit 2021 startet sie den zweiten Anlauf mit eigener Agentur. FautLeFaire nennt sich „Agile Markenagentur“.

Was ist für Ihre Work-Life-Balance unersetzlich?

Für mich war die Work Life Balance noch nie ein Problem. Ich nehme Arbeit in der Regel nicht als Belastung und nur manchmal als Verpflichtung wahr. Und vermutlich habe ich immer genug Egoismus besessen, auch meinen privaten Interessen nachzugehen. Für mich ist es unersetzlich fokussiert und konzentriert zu sein, sowohl bei Work als auch bei Life. Das gelingt mir im Arbeitsbereich dann, wenn ich mir klare Ziele setze und ohne Ablenkung sein kann besonders gut. Und im Privaten ebenso, vor allen draußen mit meinem Hund und in intensiven Gesprächen. Und neben der Fokussierung hilft Humor, die Dinge auch mal nicht so wichtig nehmen.

Und für wen sind Sie unersetzlich?

Das klingt unromantisch, aber ich glaube man ist letztlich in erster Line für sich selbst unersetzbar – will meinen, man sollte sich selbst treu sein. Nicht ersetzbar zu sein für Andere, hat für mich die gefährliche Konnotation einer sozialen Abhängigkeit. Natürlich bin ich als Mutter eines neunjährigen Sohnes in dieser Rolle unersetzbar. Aber jeder der Kinder hat weiß, dass diese Bindung mit zunehmendem Alter der Kinder abschwächt und das ist auch gut so.

Wann waren Sie das letzte Mal richtig spontan?

Ich bin immer wieder spontan. Erst kürzlich der Klassiker: Der Abend hat länger gedauert als geplant und da habe ich das Auto stehen lassen und ein Taxi genommen. 

Und was bremst Sie leider immer wieder aus?

Wenn ich das immer so genau wüsste, würde ich es abstellen. Aber ich denke, eigene Bedenken, und dass ich eigene Bedürfnisse nicht ernst genug nehme. Man kann nicht alles sofort und nicht alles gleichzeitig erreichen und man muss Rückschritte in Kauf nehmen. Bedenken versuche ich abzuschalten durch Ausprobieren und Fokussierung auf die Umsetzung dessen, was ich will.

Wohin träumen Sie sich in die Ferne?

Ganz banal: Meistens an die Mittelmeerküste, wo ich die Kombination von Kultur und Natur schätze. Ich mag die Natur, aber zivilisiert. Ich weiß immer gerne ein gutes Restaurant, eine spannende Kunstsammlung, eine gute Boutique in der Nähe.

Haben Sie einen guten Film- oder Serien-Tipp für uns?

Na klar. Schon ein bisschen älter: „Toni Erdmann“. Filmisch weit weg von Hollywood, aber in seiner Skurrilität steckt viel Wahrheit. „The Social Dilemma“ gehört für mich auf den Lehrplan und ein toller Einblick in die Werbegeschichte ist „Art and Copy“.

Ihr Lieblingsbuch heißt …

Da gibt es sehr, sehr viele. „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen und “Der menschliche Makel“ von Philipp Roth sind Highlights. Ist schon komisch, dass ich hier spontan keine Fachbücher nenne, die lese ich auch gerne und viel, aber sie fesseln mich offensichtlich emotional nicht.

Ihr Lieblingsrestaurant heißt …

Ich mag das Chez Fritz in München, wegen seiner lässigen Bedienungen. Den Biergarten des Asam-Schlössels in München, weil es hier auch Moules Frites gibt und die besten Desserts mit allen französischen Dessertklassikern von Mille-Feuille bis Nougat glacée gibt es in der Auberge Cigaloise in Saint-Hippolyte-du-Fort, Frankreich – unprätentiös, aber delikat.

Fankurve oder Theatersaal?

Eher und vor allem regelmäßig Theatersaal. Aber natürlich durfte ich auch hin- und wieder Begleitperson zu Sportereignissen sein.

Von der Stange oder nach Maß?

Da gibt es für mich kein „entweder oder“. Alles hat seinen Anlass und seine Zeit. Maßvoller Modekonsum ist auf jeden Fall gut, aber da gehe ich auch nicht unbedingt mit gutem Beispiel voran.

Wofür geben Sie gerne Geld aus?

Lippenstifte. Und das ungebrochen trotz Maskenpflicht. Rot ist nicht rot. Orange ist nicht orange. Rosa ist nicht rosa. Ganz zu schweigen von Konsistenz, Verpackung etc.

Und was gehört zu Ihren Guilty Pleasures?

Mittagsschlaf, Cola light, saure Gummibärchen. Eigentlich gar nicht so schlimm, oder?

Der Sinn des Lebens ist…

…meines Erachtens überschätzt. Ich glaube die Frage ist auf individueller Ebene kaum zu beantworten. Der Sinn ergibt sich immer nur im Großen und Ganzen. Hierzu, ohne seine eigenen Interessen im Blick zu haben, beizutragen, kann sinnstiftend sein.

Und irgendwann werden Sie ganz sicher …

Längere Zeit in Venedig verbringen oder dort zeitweise leben – am liebsten im Herbst. Die Stadt übt trotz des Übertourismus eine starke Faszination auf mich aus.


Gerade keine Boutique in der Nähe? Schreiben Sie uns gerne an feierabendmacher@meedia.de

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