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EU-Regulierung

Droht ein EU-Verbot für NFT?

Bitcoin_Aufmacher

Aus welcher Energiequelle spiest sich das derzeitige Feuer rund um Kryptowährungen? Das EU Parlament prüft die Regulierung. - Foto: Imago / Bihlmayerfotografie

Am Montag entscheidet das EU-Parlament über eine scharfe Regulierung gegen das Bitcoin-Mining. Im Gesetzesentwurf wird auf den Konsensmechanismus, also die Registrierung in der Blockchain Bezug genommen. Das könnte auch Auswirkungen auf Non Fungible Tokens haben.

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Das Branchenmagazin BTC Echo berichtet von der geplanten Regulierung des Bitcoins durch das EU-Parlament. Schon am Montag den 28. Februar entscheidet der europäische Gesetzgeber darüber, ob die Ausgabe von Krypto-Assets nur noch dann rechtens ist, wenn sie auf Grundlage „nachhaltiger“ Energie erfolgt. Damit will das EU-Parlament gegen den massiven Energieverbrauch beim Bitcoin-Mining vorgehen. Davon betroffen sein könnten aber auch andere Dienstleistungen, die auf dem Konsensmechanismus Blockchain basieren. NFTs wären einer davon.

Die „Wirtschaftswoche“ zitiert eine Studie der Universität Cambridge, der zufolge das Mining der Digitalwährungen insgesamt etwa dem jährlichen Stromverbrauch der Niederlande entspräche. Die Initiative zum Gesetzesentwurf stammt aus den Fraktionen der Grünen, Linken und SPD. Die FDP hält den Vorstoß dagegen für unsinnig und erklärt, Finanzminister Christian Lindner würde sich dagegen stark machen, wenn es zur Umsetzung der Richtlinie in Bundesrecht kommt.

Sind Kryptowährungen ein Klima-Killer?

Der Vorstoß der EU-Parlamentarier und die Reaktion der Bitcoin-Gemeinde bedienen einfache Klischees. Der Stromverbrauch einer Industrie für sich genommen kann nicht das einzige Kriterium sein, nach der sich eine Regulierung richtet. Ihr entgegenzustellen ist der gesellschaftliche Nutzen der Technologie. Sonst würden etablierte Industrien, wie die Stahlproduktion oder die Automobilproduktion sehr schnell unter den gleichen Anfangsverdacht fallen.

Andererseits ist der Energiehunger des Bitcoin-Mining unbestreitbar. Die „Wirtschaftswoche“ rechnet noch den Ressourcenverbrauch in Sachen Hardware bzw. Elektroschrott hinzu. Die Bitcoin-Befürworter argumentieren einerseits mit dem Nutzen der Technologie. Länder wie El Salvador oder der Iran nutzen Kryptotechniken bereits als alternative Währungsform. Außerdem sei das Krypto-Mining in Sachen Energie nicht so schlecht wie sein Ruf. Das Bitcoin Mining Council stellt in einer eigenen Erhebung fest, dass die Herstellung der Kryptowährung inzwischen zu 58 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Weiterhin werde für das Mining oft Überschussenergie aus nicht-speicherbaren Quellen wie Wind und Sonne genutzt, die ansonsten wertlos verpuffen würden. Die digitale Wertschöpfung wirke somit klimapositiv.

Die Bitcoin-Gemeinde wehrt sich mit guten Argumenten

Während die Dauernörgler hier also einen Beweis für die digitale Rückständigkeit Deutschlands und Europas sehen und vermuten, dass man „mal wieder“ eine spannende Technologie zu verpassen droht, bleiben besonnene Marktbeobachter ruhig: Wenn das Krypto-Mining gar nicht so schlecht ist, wie sein Ruf – energetisch betrachtet – dann kann man sich der Regulierung stellen und wie viele andere Industrien auch zum Beispiel über CO2-Zertifikate den ökologischen Footprint nachweisen.


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Im Kern der Diskussion steht freilich auch der Begriff „nachhaltig“. Anfang Februar hat die EU-Kommission die Energieträger Gas und Atomstrom zumindest übergangsweise für nachhaltig erklärt. Somit kann von einem Krypto-Verbot (noch) keine Rede sein.

Außerdem gibt es längst Techniken zur Verifikation von Kryprowährungen, die zwar weniger dezentral organisiert sind, aber gleichzeitig auch weniger Energie verbrauchen. Während Bitcoins nach dem „Proof of Work“ Verfahren verifiziert werden, bei dem vereinfacht ausgedrückt die Verifikation permanent neu berechnet wird, arbeiten andere Kryptowährungen mit dem „Proof of Stake“ Konzept, einer statischen Registratur.

Die Gesetzesvorlage bezieht sich auf „Krypto-Assets“. Davon könnten die bei Marken derzeit so beliebten NFT (Non fungible Tokens) indirekt betroffen sein, denn diese Zertifikate sind Teil der entsprechenden Blockchains. Zur Erinnerung: Während das zum Verkauf stehende digitale Werkstück – eine Collage von Beeble oder ein digitaler Sportschuh von Nike – für sich genommen keineswegs ein Krypto-Asset ist, ist es deren Echtheitszertifikate möglicherweise schon.

NFT hat es weitaus schwerer den Beweis eines übergeordneten gesellschaftlichen Nutzens zu erbringen, als ein digitales Währungssystem. Es handelt sich im Wesentlichen heute um digitale Kunst, digitale Grundstücke und digitale Güter, die vor allem im Rahmen von Freizeit und Unterhaltung eingesetzt werden, etwa in den großen Digitalspielen Fortnite oder Roblox.

Abgesehen von der aktuellen Rechtsdiskussion tun Marken gut daran, ihre eigenen NFT-Projekte auf den CO2-Footprint hin zu überprüfen, zu optimieren und als Ultima Ratio zu kompensieren. Marketing und Verkaufsförderung zählen zum CO2-Fußbdruck der Wertschöpfungskette genauso wie die Kaffeemaschine im Büro. Mittelfristig werden die CO2-Kosten dafür in eine Unternehmens-Klimabilanz Einzug erhalten.

Die Mitarbeiter von Salesforce haben das bereits verstanden. Medienberichten zufolge haben sich 600 Angestellte dagegen ausgesprochen, dass der US-Softwarekonzern in NFT investiert.

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