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Ex-"Bild"-Chefredakteur

Julian Reichelt plant eigenen TV-Sender

Julian Reichelt – Foto: Imago

Ex-„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt will nach seinem Aus bei Deutschlands größter Boulevardzeitung Fernsehen machen. Er arbeite an etwas Neuem und versuche, Leidenschaft und Emotion in reichweitenstarkes Fernsehen zu übersetzen, sagte er in einem „Cicero“-Podcast.

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Reichelt sieht sein Ende bei Deutschlands größter Boulevardzeitung auch im Zusammenhang mit einem „Woke-Wahnsinn“, den er ausgemacht haben will. Springer habe entschieden, sich einem, wie er es empfinde, „total entfesselten Woke-Wahnsinn“ zu unterwerfen, sagte Reichelt in dem Podcast-Gespräch mit „Cicero“-Chefredakteur Alexander Marguier auch mit Blick auf internationales Medienecho, das es zu seinem Fall gab.

Der Journalist wertete das Ganze auch als eine „persönlich motivierte Schmutzkampagne“ gegen sich, die von politisch interessierten Kräften – dazu zähle er auch Medienmarken – dankbar aufgegriffen worden seien. Reichelt sprach von „woken Geisteskranken“. Als woke (übersetzt etwa „aufgewacht“) wird jemand bezeichnet, der Ungerechtigkeiten in einer Gesellschaft empfindet und diese thematisiert. Sprachwissenschaftlern zufolge wird das Adjektiv mittlerweile auch in einem negativen Sinne verwendet.

Reichelt sieht sich offenbar als Opfer von Verleumdung

Über seinen Fall sagte Reichelt auch: „Das ist quasi ironischerweise ‚Die verlorene Ehre der Katharina Blum‘ am Beispiel des ‚Bild‘-Chefredakteurs.“ Das sei durchaus eine literarisch-ironische Wendung der Geschichte. In der Erzählung von Schriftsteller Heinrich Böll aus den 1970er Jahren geht es um die öffentliche Verleumdung und Vorverurteilung einer unbescholtenen Frau durch eine Boulevardzeitung.

Vor seinem Weggang bei „Bild“ im vergangenen Herbst hatte Reichelt beim Medienkonzern Axel Springer den im Sommer gestarteten TV-Sender Bild der gleichnamigen Boulevardmarke mit aufgebaut. Er ist seit Mitte Oktober nicht mehr für Springer tätig. Hintergrund sind Vorwürfe gegen den 41-Jährigen des Machtmissbrauchs in Verbindung mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen. Laut einem „Financial Times“-Bericht habe der Springer-Vorstand lange mehr gewusst, als er öffentlich zugab (über die jüngsten Entwicklungen der „Causa Reichelt“ berichtete MEEDIA hier).

th mit dpa

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