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Offener Brief

Claudia Pechstein verlangt Entschuldigung von der ARD

Die Nummer 13 hatte Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wohl kein Glück gebracht. Sie landete auf Platz 9 beim Massenstart. Wie es für Pechstein weitergehen soll, das erfuhr die ARD nicht. Die Sportlerin verweigerte dem Sender das Interview. Foto: Imago

Der Zerwürfnis zwischen Claudia Pechstein und der ARD geht in die nächste Runde. Nach der Kritik an dem Interviewboykott äußert sich die Eisschnellläuferin in einem offenen Brief an die ARD und dessen Sportchef Axel Balkausky.

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Zum Ende der Olympischen Winterspiele schlug eine Szene hohe Wellen. Olympiateilnehmerin Claudia Pechstein verweigerte nach ihrer Rückkehr ein Interview mit der ARD. Von Fanseite erhielt die Sportlerin Zuspruch, von Medienseite und auch vom Deutschen Olympischen Sportbund war dagegen Kritik zu hören (MEEDIA berichtete). Jetzt meldet sich Pechstein selbst zu Wort. In einem Post auf Facebook erklärt die achtmalige Olympiateilnehmerin ihre Sicht der Dinge. In dem Statement zeigt sich Pechstein verwundert über die aktuelle Aufmerksamkeit, schließlich währe diese „jetzt schon seit fast 10 Jahren“. Pechstein ging davon aus, dass der Grund für ihre Entscheidung allgemein bekannt gewesen sei. Seit der Berichterstattung der ARD „Sportschau“ von 2012 über den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke, bei der auch Pechstein mit dem Vorwurf des Blutdopings konfrontierte wurde, gibt die Eisschnellläuferin der ARD keine Interviews mehr.

Auf die aktuelle Kritik von André Keil, Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) – dieser verurteilte Pechsteins Boykott und ihr Verständnis von Pressefreiheit – antwortet die Sportlerin: „Seit wann ist es durch die Pressefreiheit im Grundgesetz abgedeckt, dass wir Sportler jedem Medium ein Interview geben müssen?“ Diese Forderung sei an Absurdität kaum zu überbieten. Keil attestiert sie fehlende Kenntnisse zum Hintergrund ihres Boykotts. Dem Journalisten Hajo Seppelt, der vor zehn Jahren den Vorwurf des Blutdopings gegen den Sportmediziner Franke und Claudia Pechstein erhob, macht sie schwere Vorwürfe ebenso wie der ARD.

„Schlampige, fehlerhafte, tendenziöse und ehrverletzende Arbeiten“

Pechstein äußert ihr Unverständnis, wie „ihm seine Chefs trotz eklatanter handwerklicher Fehler die Stange halten! Kein Wunder also, wenn die Glaubwürdigkeit der ARD in der breiten Öffentlichkeit immer mehr schwindet …“ so endet ihr Post.

Für eine genauere Erklärung verweist Pechstein auf einen fünfseitigen offenen Brief, den sie der ARD und deren Sportchef Axel Balkausky zugesendet und zudem auf dem sozialen Netzwerk veröffentlicht hat. In dem Schreiben will sie „das schlampige, fehlerhafte, tendenziöse und ehrverletzende Arbeiten Ihrer Anti-Doping-Redaktion um Hajo Seppelt offenkundig“ machen. Dazu veröffentlicht Pechstein ihre Sicht der Auseinandersetzung mit der ARD in chronologischer Reihenfolge, angefangen von der Anfrage an sie von 2012, die ihr im Rahmen der Recherche zum damaligen „Sportschau“-Beitrag gestellt wurden über die Antworten bis hin zu Details zum Thema Blutdoping. Pechstein sieht fachliche Fehler der Redaktion und ein fehlendes Eingeständnis der ARD. Die Praktiken des Erfurter Mediziners seien eben nicht Blutdoping gewesen, das habe später auch der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne entschieden. 

Öffentliche Entschuldigung von der ARD gefordert

Abschließend zeigt Pechstein sich gesprächsbereit, allerdings unter einer Bedingung Richtung ARD: „Wenn eine öffentliche Entschuldigung und Richtigstellung von Ihnen erfolgt, stehe ich ab diesem Zeitpunkt wieder für Interviews zur Verfügung.“ Außerdem verweist sie darauf, dass ihr „Boykott“ nicht allen Sendeanstalten gelte. Sie sei etwa mit dem RBB im Austausch und demnächst „in der Sendung ‚Riverboat‘ zu Gast.“ 

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