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Pressefreiheit

Pechstein: Das sagt der DOSB zum Ausschluss der ARD vom Pressetermin

Die Nummer 13 hatte Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wohl kein Glück gebracht. Sie landete auf Platz 9 beim Massenstart. Wie es für Pechstein weitergehen soll, das erfuhr die ARD nicht. Die Sportlerin verweigerte dem Sender das Interview. Foto: Imago

Nach der Rückkehr von den Olympischen Winterspielen schließt Claudia Pechstein die ARD von einem Pressetermin aus. Der Reporter zeigt sich entsetzt. Die ARD kennt das Verhalten bereits seit Jahren. Jetzt hat sich auch der DOSB zum Verhalten seiner Sportlerin geäußert.

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Claudia Pechstein kam gerade von den Olympischen Spielen aus China zurück. Zwar ohne Medaille, aber neben dem neunten Platz beim Massenstart war sicherlich die Teilnahme an ihren mittlerweile achten olympischen Spielen eine besondere Auszeichnung für die Eisschnellläuferin, zumal sie als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier eine herausgehobene Position hatte. Aus der Masse herausgehoben hat sich Pechstein nun auch selbst bei Ihrer Ankunft am Sonntag am Frankfurter Flughafen: Bei einem Pressetermin schloss die Sportlerin kurzerhand das Team der ARD von einem Sammelinterviewtermin aus. Bekannt wurde der Vorfall unter anderem, weil ein Mitarbeiter, die Angelegenheit auf Twitter bekannt machte.

Erst als der Kameramann seine Kamera nach unten klappte, sei der Termin fortgesetzt worden. Pechstein gibt der ARD wohl seit Jahren keine Interviews mehr, wie der Deutschlandfunk vom Sender erfuhr. Das bestätigt auch Investigativ-Reporter Hajo Seppelt auf Twitter.

Seppelt hatte vor zehn Jahren zu Doping-Vorwürfe gegen den Erfurter Sportarzt Andreas Franke recherchiert, der Versuche mit Eigenblut von Sportlern durchgeführt haben soll. In der „Sportschau“ wurden damals die Namen von Athletinnen und Athleten veröffentlicht, die bei ihm behandelt worden sein sollten, unter anderem auch Claudia Pechstein. Pechstein wollte damals wegen Rufschädigung gegen die ARD klagen. Sportlich konnte ihr nichts nachgewiesen werden, womit die Vorwürfe ohne weitere Auswirkungen blieben.   

Begrüßt, wenn Frau Pechstein anders gelöst hätte

Nicht ohne Auswirkungen bleibt aber der Ausschluss des ARD-Teams. Der Deutsche Journalistenverband sieht in dem Verhalten von Pechstein ein „seltsames Verständnis von Pressefreiheit“. Auch der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) verurteilt das Verhalten von Pechstein als „absolut inakzeptabel“. Claudia Pechstein war Fahnenträgerin in Peking, sie solle ein Vorbild sein für den deutschen Sport. Ein Vorbild stehe nach dem Verständnis von VDS-Präsident André Keil für Pluralität, Presse- und Meinungsfreiheit. „Das hat Claudia Pechstein ganz offensichtlich sehr schnell vergessen.“ Kritik gibt es auch in Richtung des Olympischen Sportbundes. Dass Pechstein der ARD nicht Rede und Antwort stehen wollte, habe auch der DOSB zugelassen. Keil fordert daher eine klare Stellungnahme des DOSB zu diesem Vorgehen.

Und was sagt der Deutsche Olympische Sportbund zum Vorfall um seine langjährige Spitzensportlerin Claudia Pechstein? Auf Nachfrage erklärt ein Sprecher, dass „beim vom DOSB veranstalteten Empfang des Team D am Frankfurter Flughafen“ die Athletinnen und Athleten in einer Mixed Zone Interviews gegeben hätten. In dieser Situation habe sich Frau Pechstein geweigert, der ARD ein Interview zu geben. Soweit so bekannt. Zur Entscheidung von Pechstein erklärt der DOSB: „Grundsätzlich entscheiden Athlet*innen selbst, ob sie Interviews geben. Wir hätten es jedoch begrüßt, wenn Frau Pechstein die Situation im Sinne des Team D anders gelöst hätte.“

Ein Satz, der mit Sicherheit nicht das gewünschte Geschenk zum fünfzigsten Geburtstag von Claudia Pechstein am Dienstag gewesen sein dürfte.

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