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Erweiterung angeregt

DJV-Vorschlag: Kriegsberichterstattung in Pressekodex aufnehmen

Frank Überall ist seit 2015 Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), als freiberuflicher Journalist ist er vor allem für den Westdeutschen Rundfunk tätig.

DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall – Foto: Imago

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) schlägt eine Erweiterung des Pressekodex um Grundregeln für Kriegs- und Krisenberichterstattung vor. Diese solle etwa dazu verpflichten, auf „unzureichende Recherchemöglichkeiten“ hinzuweisen. Der Presserat sieht jedoch keinen Handlungsbedarf.

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Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall sieht in der einseitigen Quellenlage eine große Gefahr für neutrale Berichterstattung. „Wenn nur eine von zwei Konfliktparteien die Quelle von Informationen ist, müssen die Leserinnen und Leser das erfahren“, so Überall. „Ob im russisch-ukrainischen Grenzgebiet oder anderswo auf der Welt: Wir dürfen uns nicht zu Propagandagehilfen einer Konfliktpartei machen lassen.“

Als Beispiel führt Überall in einer Mitteilung des DJV den Irak-Krieg an, als US-Truppen mit „Embedded Journalism“ versucht hätten, die Berichterstattung in ihrem Sinn zu beeinflussen. „Im Krieg gilt: Die Wahrheit stirbt zuerst“, so der Vorsitzende. Journalistinnen und Journalisten müssten dem öffentlichen Interesse verantwortungsvoll gerecht werden.

Deutscher Presserat sieht keinen Handlungsbedarf

„Bislang liegen uns weder Beschwerden noch andere Hinweise dazu vor, dass Zeitungen und Zeitschriften im aktuellen russisch-ukrainischen Konflikt ihre Quellen nicht sauber benennen“, sagt Sascha Borowski, Sprecher des Deutschen Presserats auf MEEDIA-Nachfrage. „Deswegen sehen wir momentan keinen Handlungsbedarf, den Pressekodex zu ändern.“

Die aktuellen Ziffern reichten demnach auch für die Kriegsberichterstattung aus. „Sollten wir feststellen, dass wir medienethische Fehlentwicklungen mit den bisherigen Ziffern des Pressekodex nicht bewerten können, werden wir das Thema selbstverständlich aufgreifen.“

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