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Nach Affäre um Ex-Bild-Chef Julian Reichelt

Warum Madsack-Chef Thomas Düffert dem BDZV als Vize den Rücken kehrt

Will eine "führende Position unter den deutschen Nachrichtenportalen" einnehmen: Die Pläne des Madsack-Chefs Thomas Düffert kosten an regionalen Standorten Ressourcen

Das ist ein schwerer Schlag für den Zeitungsverlegerverband. Thomas Düffert, stellvertretender Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Damit zieht er persönlich Konsequenzen, weil er offenbar nicht mehr hinter der Führung von BDZV-Präsident Mathias Döpfner stehen kann.

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Zunächst schien es, als hätten die jüngsten Enthüllungen der britischen „FT“ in der Affäre um Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt für Mathias Döpfner als BDZV-Präsidenten keine Auswirkungen. Die Delegierten klammerten das unliebsame Thema auf ihrer letzten Versammlung am vergangenen Montag völlig aus. Jetzt rückt die Angelegenheit erneut in den Öffentlichkeit.

Auslöser hierfür ist Thomas Düffert, Chef der Mediengruppe Madsack. Er teilte dem Präsidium des BDZV mit, dass er sein Amt als Vize-Chef mit sofortiger Wirkung niederlegt, berichten mehrere Medien, darunter der „Spiegel“. Zu den Gründen nannte er nichts. Doch Beobachtern dürfte klar sein, dass Düffert mit dem Umgang Döpfners in der Causa Reichelt nicht einverstanden ist und er ihn nicht mehr für den richtigen Mann an der Spitze des BDZV hält, der die Interessen des Verbands vertreten kann. Denn laut Recherchen der „Financial Times“ soll Döpfner die Untersuchungen gegen Reichelt im eigenen Haus verschleppt haben und Gegenermittlungen gegen mögliche Drahtzieher eingeleitet haben – darunter gegen Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann. 

In seinem Rücktrittsschreiben fordert Düffert nun erneut einen personellen Neuanfang für den Verband. Denn dieser sei dringend notwendig. „Ein von der Spitze bis zur Basis gut aufgestellter BDZV ist schließlich für uns alle angesichts der Herausforderungen für unsere Branche immens wichtig. Die Liste der wichtigen aktuellen medienpolitischen Themen ist lang. Klar ist, dass wir als Branche nur dann beste Chancen haben, uns Gehör zu verschaffen, wenn wir gemeinsam vertrauensvoll zum Nutzen aller kleinen und großen Zeitungsverlage in Deutschland zusammenarbeiten“, heißt es in seinem Rücktrittsschreiben, das MEEDIA vorliegt.

Die jüngsten Enthüllungen sind nur die Spitze von weiteren Vorwürfen gegen Döpfner. Im November hatte bereits eine Textnachricht, die der Springer-Chef an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre geschickt hatte, den Madsack-Chef erzürnt. Darin bezeichnete Döpfner den früheren „Bild“-Chef als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland, der noch mutig „gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. Fast alle anderen seien zu „Propaganda-Assistenten“ geworden. Dies kritisierte der jetzt zurückgetretene BDZV-Vize Düffert heftig: „Die aus einem privaten Umfeld heraus nun öffentlich gewordenen Aussagen von Herrn Döpfner sind für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung“, so der Manager. Döpfner hatte den Inhalt zunächst als Ironie verteidigt und sich später entschuldigt.

Delegierte klammern Debatte um Neubesetzung der BDZV-Spitze aus

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