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Nach Rücktritt von BDZV-Vize Düffert

Warum der BDZV jetzt dringend einen personellen Neuanfang braucht

Mathias Döpfner, Springer-CEO und BDZV-Präsident – Foto: Imago

Nach dem Rücktritt des Vize-Chefs Thomas Düffert und den Rückzugs-Überlegungen von Funke kann der BDZV die Führungsfrage um ihren Präsidenten Mathias Döpfner nicht mehr ausklammern. Der Verband braucht rasch einen personellen Neuanfang an der Spitze, um nicht unterzugehen.

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Zunächst schien der Burgfrieden gewahrt. Am vergangenen Montag hatten die Delegierten die unliebsame Frage unter den Tisch fallen lassen, ob Mathias Döpfner weiterhin der richtige Mann für das Präsidentenamt des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ist. Sie hielten weiter eisern an dem Springer-Chef fest – ohne mit der Wimper zu zucken. 

Der BDZV muss das Amt des Präsidenten rasch neu besetzen, um keine Austritte zu riskieren, findet MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Doch das Bild war trügerisch. Erst kam die Funke Mediengruppe aus der Deckung. Das Essener Verlagshaus stellte nach der Sitzung Überlegungen in den Raum, aus dem BDZV auszutreten. Jetzt zog die Madsack Mediengruppe mit einem Paukenschlag nach. Verlagschef Thomas Düffert teilte dem Präsidium des Verbands mit, dass er mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vize-Chef zur Verfügung stellt (MEEDIA berichtete).

Die Signale können nicht klarer sein: Die beiden Zeitungskonzerne erkennen Döpfner nicht mehr als den richtigen Mann an der Spitze des Verbands an, der gewissenhaft ihre Interessen vertritt. Zu sehr hat er in den Affäre um den Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt mit falschen Karten gespielt. Dazu lassen die neuesten Enthüllungen der „Financial Times“ keinen anderen Schluss zu. Denn als „schwer verschwörungsanfälliger Vertuscher“, so die „Süddeutsche Zeitung“, hat es der Springer-Chef offenbar versucht, den unliebsamen Skandal um den einstigen Alpha-Journalisten Reichelt unter die Decke zu kehren. 

Jetzt braucht der BDZV dringend einen personellen Neuanfang in der Führung. Denn Döpfner ist für den Verband nicht mehr tragbar. Ändert sich nichts an der Führung, droht dem BDZV durch die Gegenwehr von Madsack und Funke die Spaltung. Doch das können die Zeitungsverleger nicht gebrauchen. Denn die hart umkämpfte Branche steht vor gewaltigen Herausforderungen. Ob die US-Techriesen Google, Facebook und Co, die den Medienhäuser in der Vermarktung schwer zusetzen, oder die Probleme in der Zustellung, die sich durch den steigenden Mindestlohn weiter verschärfen, der BDZV braucht eine neue Führung, hinter der alle Mitglieder geschlossen stehen.

Ansonsten drohen dem Verband Austritte. Dies würde die Interessenvertretung aber finanziell schädigen. Die teure Lobbyarbeit stünde auf tönernen Füßen. Das wäre für die Zeitungsverleger nicht gut, wenn sie als Branche in Berlin und Brüssel ihre Positionen verteidigen will. Doch dafür müssen sich die Delegierten auch bewegen. Sie sollten nicht bis zur nächsten Delegiertenversammlung den dringend notwendigen personellen Neuanfang aussitzen, sondern in einer außerordentlichen Delegiertenversammlung eine Neuwahl ihres Präsidenten anstreben. Wichtig ist, dass sich jetzt aber auch rasch geeignete Kandidaten positionieren. Vielleicht wäre Funke-Verlegerin Julia Becker als Frau an Spitze des BDZV eine gute Alternative.

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