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Agentur Brinkert Lück Creatives

Schlechter Stil oder einfach nur Haltung gezeigt? Die Debatte um den Brinkert-Post

Raphael Brinkert – Foto: BrinkertLück Creatives

Am Montagabend postete Agenturinhaber Raphael Brinkert auf seinem LinkedIn-Profil die Info, dass seine Agentur Brinkert Lück Creatives die Anfrage eines namentlich nicht genannten Tabakkonzerns zur Zusammenarbeit abgelehnt hat. Das findet in anderen Agenturen nicht nur Zustimmung. Die Diskussion im Überblick.

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In dem Statement heißt es zudem, dass seine Agentur die Arbeit für Tabakkonzerne ausschließe und zudem für ein generelles Tabakwerbeverbot eintrete. Unter dem Post fanden sich schnell erste Reaktionen, zustimmende und weniger zustimmende. Der zweiten Kategorie ist die Antwort von Jan König zuzurechnen. Der Co-Gründer von Odaline schreibt: „Sehr richtig. Noch besser: Absagen und nicht als Marketing-Instrument benutzen. Dann verdient es auch noch mehr Respekt.“ Unter dieser Reaktion von König fanden sich bis heute Nachmittag 45 Zustimmungen.

MEEDIA hat den Ball am Dienstagvormittag aufgegriffen und gefragt: Sollte man öffentlich machen, dass man einen Kunden abgelehnt hat? Und dann noch einen aus der Tabakindustrie? Unter den Reaktionen ist das Echo gemischt, und zwischen Schwarz und Weiß gibt es einige, die irgendwo dazwischen liegen. So Christian B. Nienaber, Chief Commercial Officer von AdScanner: „Ich finde die Diskussion maximal schwierig. Die ‚Kanzler-Kampagne‘ war mega. Aber gleichzeitig hat man damit jemandem geholfen, der (und dessen Partei) umfangreiche Waffenexportdeals an fragwürdige Auftraggeber durchgewunken hat. Damit meine ich explizit nicht, dass man nicht für politische Parteien werben sollte, sondern dass wir an einen Punkt kommen, an dem fast jeder Auftraggeber ein Problem in sich trägt.“

Thomas Strerath, Geschäftsführer bei MediaMonks, blickt kritisch auf Unternehmen: „Es ist doch eher ein Armutszeugnis für den unbekannten Kunden und legt wieder mal offen, wie oberflächlich sich Kunden mit ihren (möglichen) Partnern beschäftigen. Man kann als Tobacco Brinkert Lück nur anfragen, wenn man absolut keine Ahnung hat, wer Brinkert Lück ist oder was die Agentur antreibt.“

Steve Plesker ist Geschäftsführer beim AOK-Bundesverband, er vertritt also die Unternehmensseite, und schreibt: „Haltung zu haben bedeutet auch Haltung zu zeigen. Warum sollte man darüber nicht öffentlich sprechen? Nur weil es jemandem nicht gefallen könnte?“

Runterkommen in der Debatte

Melisa Kalay, Director Strategy bei Odaline, versucht es mit Bodenhaftung, um die Leute wieder „runterzuholen“. Sie finde, dass die Debatte schon viel zu groß geworden sei: „Und es wird mit zweierlei Maß gemessen. Man muss sich da auch an die eigene Nase fassen – wir alle veröffentlichen sehr häufig Beiträge zu selbstverständlichen Dingen, um unsere Haltung im Spotlight zu zelebrieren und Anerkennung zu bekommen. Das eine Mal rollt man die Augen darüber, das andere Mal ist es interessant, so läuft das Game halt. Ich verstehe nicht, warum das jetzt DER Case ist.“ Na ja, Odaline-Chef König war ja einer der ersten, der auf Brinkert reagiert hat…

In der Regel goutiert es die Branche, wenn sich ein Werber hinstellt und – mit Verweis auf die hausinternen Regeln – die Chance auf ein mögliches Geschäft ausschlägt. Das passiert heutzutage sicherlich eher als vor zehn Jahren. Aufgrund der knappen Ressource Mitarbeiter ist es für Agenturen extrem wichtig, einen Verhaltenskodex zu haben, mit dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut leben können und der auch eingehalten wird. Insofern betreibt Brinkert sicherlich auch Haltungsmarketing, und König von Odaline hat wohl eine andere Agenda für sein Eigenmarketing.

Brinkert selbst fand auf die Frage, ob es Haltung oder schlechter Stil sei, folgende Antwort: „Schlechter Stil wäre es gewesen, wenn man den Kunden nennt. Das machen wir selbstverständlich nicht. Haltung ist für uns eben kein regional ausgesteuertes Verkaufsargument, sondern die Grundlage unserer Agenturgründung.“

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