Anzeige

Nach "FT"-Enthüllungen

Ist Mathias Döpfner als BDZV-Präsident noch haltbar?

Mathias Döpfner, Springer-CEO und BDZV-Präsident – Foto: Imago

Kurz vor der Delegierten-Versammlung am Montag erhöht sich der Druck auf BDZV-Präsident Mathias Döpfner. Die Funke Mediengruppe hat ihre Forderung erneuert, die BDZV-Spitze auszuwechseln. Eine Neuwahl des Präsidenten steht zwar nicht auf der Tagesordnung, denkbar wäre aber ein Rücktritt.

Anzeige

Eigentlich wollten die Delegierten des Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) am kommenden Montag über ein neues Zukunftskonzept sprechen. Jetzt steht aber nach den neuerlichen Enthüllungen der „Financial Times“ um das Compliance-Verfahren des Ex-„Bild“-Chefs Julian Reichelt die Frage bei den Mitgliedern im Raum, ob Springer-Chef Mathias Döpfner als BDZV-Präsident überhaupt noch tragbar ist. 

Daran hat zumindest die Funke Mediengruppe („Hamburger Abendblatt“, „WAZ“) große Zweifel. Das Essener Verlagshaus hat deshalb seine Bedenken in einem Statement an den „Spiegel“ erneuert, ob Döpfner weiterhin der richtige Mann für das Amt des Cheflobbyisten der Zeitungsverleger ist. »Bereits im vergangenen Oktober haben wir festgestellt, dass wir die Äußerungen und das Verhalten von Herrn Döpfner dem Amt eines BDZV-Präsidenten für nicht angemessen halten. Die Wirkung auf Journalist*innen und Öffentlichkeit ist fatal“, heißt es bei Funke.

„Die neuesten Berichte über die Vorgänge bei Axel Springer haben uns in unserer Auffassung leider bestärkt. Eine Einordnung von Herrn Döpfner liegt uns auch vier Tage nach der Veröffentlichung des ‚Financial Times‘-Artikels nicht vor. Um den Verband und die Branche, die er vertritt, zu schützen, halten wir nach wie vor eine Neuaufstellung der ehrenamtlichen Strukturen für unerlässlich.“ Sprich, Funke wünscht sich einen personellen Neuanfang an der BDZV-Spitze.

Die Diskussion um Döpfner als BDZV-Präsident hatte in den vergangenen Tagen durch neuerliche Enthüllungen der britischen „FT“ wieder an Dynamik gewonnen. Das Blatt hatte berichtet, dass über das Fehlverhalten des im Oktober geschassten „Bild“-Chefs Reichelt bei Springer wohl mehr bekannt war, als der Verlag bislang zugab. So soll der Springer-Vorstand einen externen Anwalt mit einer Art „Gegenuntersuchung“ beauftragt haben, um die vermeintlichen Drahtzieher zu finden. Dabei führte die britische Zeitung namentlich den Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann, ZDF-Komiker Jan Böhmermann und Friedrich Küppersbuch an. Ein Sprecher von Springer hatte den „FT“-Bericht daraufhin kleingeredet: „Der Artikel zeichnet ein irreführendes Bild der Compliance-Untersuchung, der daraus gezogenen Konsequenzen, des gesamten Unternehmens und seiner Führung.“

Keine Neuwahl auf der Tagesordnung

Ob die Enthüllungen der „FT“ jetzt beim BDZV zu Konsequenzen an der Spitze führen werden, ist allerdings weiter fraglich. Der BDZV hat nach MEEDIA-Informationen am Montag nicht die Absicht, eine Neuwahl des Präsidenten auf die Tagesordnung zu setzen. Eine BDZV-Sprecherin wollte sich hierzu auf MEEDIA-Anfrage nicht äußern. In Branchenkreisen war die Haltung in dieser Frage sehr gespalten. Viele Verlage wollen an Döpfner festhalten, da sie keine Alternative sehen. Jetzt könnte die Stimmungslage zunehmend gegen Döpfner gekippt sein. Möglich wäre aber auch, dass Döpfner selber Konsequenzen aus der anhaltenden Kritik zieht und dem Präsidium seinen Rücktritt anbietet, um dem Verband gesichtswahrend einen personellen Neuanfang zu ermöglichen. Axel Springer wollte sich auf MEEDIA-Anfrage nicht dazu äußern.

Im November hatte das BDZV-Präsidium Döpfner demonstrativ den Rücken gestärkt. Anlass hierfür war eine Textnachricht, die der Springer-Chef an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre geschickt hat und die in der Berichterstattung um Reichelt öffentlich geworden war. Darin hatte Döpfner den entlassenen „Bild“-Chef als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig „gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. Fast alle anderen seien zu „Propaganda-Assistenten“ geworden. Döpfner wies den Inhalt zunächst als Ironie und entschuldigte sich später. Das BDZV-Präsidium hatte die Entschuldigung akzeptiert und an Döpfner festgehalten. Andere Medien forderten hingegen einen Rücktritt des Springer-Chefs. Darunter war „Stern“-Chefredakteur Florian Gless, der den Vorstandschef nicht mehr für haltbar hielt (MEEDIA berichtete).

Anzeige