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Möglicher Zusammenschluss

Warum ein Superverband aus BDZV und VDZ schwer umzusetzen ist

Funke-Gebäude in Essen – Foto: imago images / Revierfoto

Die Funke Mediengruppe schlägt vor, den BDZV und den VDZ zu einem Großverband zu verschmelzen. Der Zeitpunkt des Vorstoßes ist geschickt gewählt. Auch ergibt der Vorschlag viel Sinn, wird sich aber kaum realisieren lassen.

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Das ist ein Schlag ins Gesicht des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Kurz vor der nächsten Delegiertenversammlung am 14. Februar lässt die Funke Mediengruppe ein Papier in der Branche kursieren, indem die Delegierten über eine Verschmelzung des BDZV mit dem Noch-Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) nachdenken sollen. Und das ist nicht alles: Auch der BVDA (Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter) und der VDL (Verband Deutscher Lokalzeitungen) sollen unter das Dach einer gemeinsamen Interessenvertretung schlüpfen. 

Ein Superverband dürfte vor allem an Führungsfragen scheitern, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Die Idee ist nicht neu. Seit Jahren tauchen immer wieder Stimmen auf, die eine Fusion der Verbände fordern. Jetzt reiht sich auch noch die Funke Mediengruppe in den Reigen ein. Die Essener haben hierfür den Zeitpunkt geschickt gewählt, um ihre Forderung zu platzieren. Denn die Branche der Presseprodukte braucht dringend einen Neuanfang. Sie muss ihre Verbandsstrukturen zeitgemäßer ausrichten, um ihre Interessen gegenüber den Politikern in Berlin und Brüssel besser zu verteidigen. Denn der stark fragmentierte Wirtschaftszweig steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die US-Tech-Riesen um Google, Facebook und Co. belasten immer mehr das Vermarktungsgeschäft der Verlage. Und auch der Vertrieb, zweitwichtigste Erlössäule der Zeitungshäuser, steht unter Druck. Denn der weiter steigende Mindestlohn macht die Zustellung gedruckter Exemplare immer kostspieliger. Hilfe von staatlicher Seite ist daher dringend nötig. Da wäre ein Superverband eine gute Möglichkeit, um sich geschlossen mehr Gehör in der Politik zu verschaffen.

Fraglich ist aber, ob sich ein solcher gattungsübergreifender Verband realisieren lässt. Denn ein Superverband bedarf einer radikalen Neuausrichtung – vor allem in der Führungsstruktur. Statt mehrerer Verbandspräsidenten müssten sich die Verlagshäuser auf eine Stimme einigen, die die gesamte Branche vertritt. Und das könnte schwierig werden. Tageszeitungen, Lokalblätter oder Anzeigenblätter – jedes Segment verfolgt seine eigene Interessen. In einem einheitlichen Konstrukt jedoch würden die einzelnen Verbände an Bedeutung verlieren und müssten sich einem großen Ganzen unterordnen. Ob dies nach dem Geschmack vieler kleinerer Verlagsinhaber ist, darf bezweifelt werden. Sie hadern jetzt schon damit, dass sie für ihre Beiträge zu wenig Mitspracherecht haben.

Vor allem die Wahl eines Vorsitzenden für den Superverband wird äußert schwierig. Denn egal ob aus dem Lager der Zeitungs-, Magazin- oder Anzeigenblattbranche, die Mitglieder des neuen Superverbands müssen sich auf eine neue Führungspersönlichkeit einigen, die aus einem der Lager kommt. Da sehen viele Mitglieder möglicherweise ihre eigenen Interessen nicht genügend verkörpert. Beispielsweise wenn Springer-Chef und aktueller BDZV-Präsident Mathias Döpfner an die Spitze des Superverbands treten sollte. Ob dies die Magazinbranche um Burda, Bertelsmann und Co. gutheißt, ist stark zu bezweifeln.

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