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Verhöre von Ex-Polizisten und psychischer Druck

Charles Bahr erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Arbeitgeber Tiktok

Charles Bahr – Foto: TikTok

Er gehört zu den Shooting-Stars im Social-Media-Business. Charles Bahr startete bereits mit 15 Jahren eine eigene Beratungsfirma, wechselte mit 18 Jahren zu TikTok als Strategic Partner Manager. Nach eineinhalb Jahren war Schluss. Jetzt erhebt Bahr schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

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Die Bombe ist geplatzt. Und sie dürfte für einige Wellen sorgen. Auf dem Business-Netzwerk Linkedin hat Charles Bahr durchblicken lassen, warum er seinen Arbeitgeber TikTok nach kurzer Zeit verlassen hat. Dabei zeichnet sich ein Bild des Netzwerks, nicht als Plattform, aber als Arbeitgeber, das viele Fragen aufwirft.  

Für Bahr, der aktuell selbst wegen einer Kündigungsschutzklage mit TikTok vor Gericht streitet, waren demnach Posts von anderen ehemaligen Angestellten über ihre negativen Erfahrungen mit der Firma der Grund, sich jetzt selbst zu äußern. Er wolle diesen Einschätzungen seine eigene Perspektive hinzufügen.  

Auf Linkedin schickt er voraus, dass seine Kritik nicht der Plattform selbst gelte: „Ich habe Tiktok geliebt. Und ich liebe die Plattform und mein tiefster Respekt gilt allen ehemaligen Team-Mitgliedern“, so Bahr. Er habe den größten Spaß mit diesem Team gehabt. Danach wird es ernst. 

Er selbst beschreibt, dass 2021 für ihn persönlich alles andere als ein gutes Jahr gewesen sei. Was folgt, sind Auflistungen, die nicht nach dem Spaß-Kanal klingen, für den TikTok nach außen bekannt ist. So bestünde sein ganz persönlicher Tiktok-Feed noch heute überwiegend aus Themen wie Selbstmord, Depression und eher traurigen Inhalten. Eine Gefühlslage, die nach eigenen Aussagen auch Auswirkungen auf Bahrs Arbeit und Motivation bei dem sozialen Netzwerk gehabt habe.  Er habe bei seiner Tätigkeit zwar weiterhin bis zum letzten Tag „mit aller Energie performt“, aber seine Bedenken seien gewachsen. 

Mitarbeiterbefragungen von Ex-Polizisten und US-Militärs?

Dann nennt er Details zum aktuellen arbeitsrechtlichen Verfahren gegen TikTok. Er könne zwar nichts Näheres sagen, aber die Kündigungsschutzklage sei das Ergebnis von drei internen Ermittlungen gegen ihn gewesen. „Horizont“ spekulierte Ende Dezember, dass es dabei „einen angeblichen Zusammenhang zum Thema Spesen geben“ solle. Auch dazu äußert Bahr sich nicht in seinem Post. Dafür geht er genauer auf die internen Untersuchungen ein. Demnach wurde Bahr innerhalb von acht Monaten sechsmal befragt. Nicht im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs mit seinem Vorgesetzten, sondern von ehemaligen Polizisten und Angestellten des US-Verteidigungsministeriums. Dabei soll es um Vorwürfe gegangen sein, die sich laut Bahr später allesamt als haltlos erwiesen hätten. Seine Fragen zu den Gründen der Treffen wurden mit einem „Du bist nicht derjenige, der heute Fragen stellt“ abgewiesen.

Die Untersuchungen umfassten laut Bahr weite Bereiche seiner Kommunikation, Mails, Termine und Daten. Eine Situation, die sich laut Bahr auch auf seine Leistung bei TikTok ausgewirkt habe.

Am Ende, so schließt der Hamburger, der inzwischen bei Serviceplan an Bord ist, habe sein Vorgesetzter und sein HR-Businesspartner nichts von der Kündigung erfahren, bis er es ihnen selbst mitgeteilt habe. 

Charles Bahr scheint nicht der Einzige zu sein, der sich nicht im Gutem von seinem Arbeitgeber TikTok getrennt hat. Der Hamburger verweist in seinem Post selbst auf weitere Fälle aus den USA, denen es ähnlich ergangen ist, vor allem habe hoher Druck dazu geführt, dass die Leistung der eigenen Arbeit sank. Was dann folgte, waren ähnliche Situationen, Verhöre und Druck, wie Bahr es beschreibt. Gleiche Erfahrungen werden auch auf dem Portal Glassdoor beschrieben, wo Angestellte Firmen bewerten können.

TikTok selbst war zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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