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Faktenchecker vs. Google

Faktenchecker stellen Forderungskatalog an YouTube auf

Die Google-Tochter YouTube hat ihren Sitz in den USA – Foto: Google

Über 80 Faktenchecker aus über 40 Ländern wenden sich mit einem offenen Brief an YouTube-Chefin Susan Wojcicki und kritisieren den Umgang der Plattform mit Fake News. Die deutsche Organisation Correctiv hat den Brief auf der eigenen Website veröffentlicht.

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Die Initiatorinnen und Initiatoren bemängeln, dass während der Covid-19-Pandemie „YouTube einer der wichtigsten Kanäle für Online-Desinformation und Fehlinformationen weltweit“ sei. Der Vorwurf: YouTube übernehme keine größere Anstrengungen, das zu unterbinden.

„Im Gegenteil: YouTube lässt zu, dass seine Plattform von skrupellosen Akteuren als Waffe eingesetzt wird, um andere zu manipulieren und auszubeuten, sich selbst zu organisieren und Gelder zu sammeln“, so die Organisationen. Sie stellen fest, dass diese Probleme in verschiedenen Themenfeldern existieren würden – von der Krebsbehandlung bis zur Wahl.

Die derzeitigen Maßnahmen seien unzureichend, so das Fazit. Die Faktencheck-Organisationen bieten dem US-Konzern Alphabet, zu dem YouTube gehört, an, ihn bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

YouTube habe in Sachen Desinformation „bisher eine falsche Dichotomie von Löschen oder Nicht-Löschen von Inhalten“‚ als Strategie verfolgt.

Diese vier Ansätze schlagen die Organisationen vor (im Wortlaut):

„Eine Verpflichtung zu sinnvoller Transparenz über Desinformation auf der Plattform: YouTube sollte unabhängige Untersuchungen über die Ursprünge der verschiedenen Fehlinformationskampagnen, ihre Reichweite und Wirkung sowie die wirksamsten Methoden zur Entlarvung falscher Informationen unterstützen. YouTube sollte außerdem seine vollständigen Moderationsrichtlinien in Bezug auf Desinformation und Fehlinformation veröffentlichen, einschließlich des Einsatzes von künstlicher Intelligenz und der Daten, auf denen sie beruht.“

„Abgesehen von der Entfernung von Inhalten aus rechtlichen Gründen sollte sich YouTube darauf konzentrieren, Kontext bereitzustellen und Widerlegungen anzubieten, die deutlich in die Videos eingeblendet werden oder als zusätzliche Videoinhalte erscheinen. Dies kann nur durch eine sinnvolle und strukturierte Zusammenarbeit erreicht werden, durch die Übernahme von Verantwortung und die systematische Investition in unabhängige Initiativen zur Faktenüberprüfung auf der ganzen Welt, die an der Lösung dieser Probleme arbeiten.“

„YouTube sollte Maßnahmen gegen Wiederholungstäter ergreifen, die Inhalte produzieren, die ständig als Desinformation und Fehlinformation gekennzeichnet werden, insbesondere gegen diejenigen, die diese Inhalte auf der Plattform und außerhalb der Plattform zu Geld machen, indem YouTube verhindert, dass Empfehlungsalgorithmen Inhalte aus solchen Fehlinformationsquellen fördern.“

„Ausweitung der derzeitigen und künftigen Bemühungen zur Bekämpfung von Desinformation und Fehlinformation in anderen Sprachen als Englisch und Bereitstellung von landes- und sprachspezifischen Daten sowie von Transkriptionsdiensten in den jeweiligen Sprachen.“

YouTube hat sich zu den Vorschläge geäußert. „Faktenüberprüfung ist ein wichtiges Instrument, das den Zuschauern hilft, ihre eigenen fundierten Entscheidungen zu treffen, aber es ist nur ein Teil eines viel größeren Puzzles, um die Verbreitung von Fehlinformationen zu bekämpfen. Im Laufe der Jahre haben wir in allen Ländern, in denen wir tätig sind, stark in Richtlinien und Produkte investiert, um Menschen mit verlässlichen Inhalten zu versorgen, die Verbreitung von grenzwertigen Fehlinformationen zu reduzieren und verletzende Videos zu entfernen. Wir haben wichtige Fortschritte erzielt: Der Konsum von grenzwertigen Fehlinformationen liegt deutlich unter 1 Prozent aller Aufrufe auf YouTube, und nur etwa 0,21 Prozent aller Aufrufe entfallen auf problematische Inhalte, die wir später entfernen. Wir sind immer auf der Suche nach sinnvollen Verbesserungsmöglichkeiten und werden unsere Arbeit mit der Fact-Checking-Community weiter ausbauen“, so ein Google-Pressesprecher (DACH).

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