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Leistungsschutzrecht

Madsack schließt Vertrag mit Google zu News Showcase

Madsack-CEO Thomas Düffert – Foto: Madsack Mediengruppe

Die Verhandlungen um das Leistungsschutzrecht gehen in die nächste Runde: Nun hat Madsack einen Vertrag mit Google zu dessen Aggregator News Showcase geschlossen. Parallel teilte Google mit, dass es mit weiteren deutschen Verlagen zu einer Einigung gekommen ist. Die wichtigsten Infos im Überblick.

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Die Madsack Mediengruppe hat mit Google einen Vertrag über die Teilnahme ihrer Titel zu News Showcase geschlossen. Dies enthält laut Mitteilung vom Dienstag eine Vereinbarung im Rahmen des Presseleistungsschutzrechts. Bernhard Bahners, Digitalchef von Madsack, kommentiert den Schritt wie folgt: „Ich freue mich sehr, dass wir mit Google eine trag- und zukunftsfähige Abmachung getroffen haben. News-Aggregatoren wie Google News Showcase, Facebook News oder Upday könnten im Digitalen zunehmend die Funktion bekommen, die Zeitungskioske in der analogen Welt haben.“

Die Hintergründe

2021 wurde in Deutschland das Urheberrecht novelliert und daran angepasst, dass das Internet für urheberrechtlich geschützte Inhalte immer bedeutender geworden ist.

Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die in den Ländern umgesetzt wurde. Zu dem großen Komplex des Urheberrechts zählt auch ein neues Leistungsschutzrecht für Presseverleger und Journalisten in Deutschland. Das Ganze soll sicherstellen, dass Urheber und Medienhäuser finanziell berücksichtigt werden, wenn externe Internetplattformen deren Presseinhalte einbinden.

Verleger hatten in der Vergangenheit immer wieder beklagt, dass externe Plattformen wirtschaftlich von den Inhalten profitierten, sie selbst aber nicht oder nicht ausreichendem Maße.

Mit Blick auf die Bedeutung sagt er: „Die Präsenz in den Regalen der digitalen Nachrichten-Kioske ist nicht nur für die Medienmarken von Madsack von hoher strategischer Bedeutung, sondern auch für viele andere regionale und überregionale Verlage.“ Zum Madsack-Portfolio gehören unter anderem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Über die Details des Vertrags haben Madsack und Google Stillschweigen vereinbart. Madsack wiederum betonte in dem Statement, dass die Vereinbarung mit dem US-Unternehmen „nichts am Verhältnis“ zur Verwertungsgesellschaft Corint Media ändere. Im Frühsommer 2021 hatte Madsack die Mitgliedschaft vorsorglich zu Ende 2021 gekündigt (MEEDIA berichtete). Nun heißt es, dass die Verwertungsgesellschaft „eine wichtige Rolle für die gesamte Branche spielen“ wird. Madsack bleibt demnach Gesellschafter von Corint Media und hat ihr „die Wahrnehmung des Presseleistungsschutzrechts in der Kategorie ‚Soziale Medien‘ übertragen“, so der Verlag.

Google gibt weitere Vereinbarungen mit Verlagen bekannt

In einem Update im Google-Blog schreibt Gerrit Rabenstein über die jüngsten Entwicklungen. Der Head of News and Publishing Partnerships DACH gibt dort bekannt, dass man sich inzwischen mit weiteren Verlagen über entsprechende Regelungen zum Leistungsschutzrecht einigen konnte. Dazu gehört laut Ankündigung die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Hamburger Morgenpost“, „Correctiv“, die „taz“, IDG Communications Media, wozu etwa die „PC Welt“ gehört, Extent Media mit „Eurogamer“ und das hyperlokale Medium „Prenzlauer Berg Nachrichten“.

Demnach habe man Lizenzverträge für fast 60 Publikationen in Deutschland abschließen können, gibt Google bekannt. Eine Reihe von Gesprächen mit weiteren großen und kleinen Verlagen laufen demnach. Rabenstein nennt die Gespräche vielversprechend.

Thomas Lindner, Geschäftsführer der FAZ, sagt dazu: „Bei der F.A.Z. hat die Lizenzierung journalistischer Inhalte eine lange Tradition. Was seit vielen Jahren in Print erfolgreich ist, braucht heute selbstverständlich eine Erweiterung auf digitale Plattformen. Google sehen wir als wichtigen Partner für unser Wachstum im Digitalbereich. Daher haben wir eine Vereinbarung auf Basis des neuen Leistungsschutzrechtes getroffen.“

So äußert sich Google zu den Verhandlungen mit Corint Media

Auch zum Stand der Gespräche mit Corint Media äußert sich Google bzw. Rabenstein im Blog-Beitrag. Dort heißt es in voller Länge: „Wie bereits im vergangenen Jahr kommuniziert, verhandeln wir neben diesen Gesprächen auch weiterhin mit der Verwertungsgesellschaft Corint Media. Dabei haben wir unsere Vorschläge für einen Lizenzvertrag übermittelt. Wir bieten Corint vergleichbare Konditionen an wie Verlagen, mit denen wir bereits Verträge abgeschlossen haben. Wir sind jedoch besorgt, dass Corint weiterhin wirtschaftliche und rechtliche Fakten ignoriert und stattdessen auf haltlosen Forderungen beharrt. Trotz alledem bleiben wir verhandlungsbereit und hoffen, in weiteren Gesprächen eine konstruktive Lösung zu finden.“

Corint Media, unter der Geschäftsführung von Markus Runde und Christoph Schwennicke, ist eine von mehreren Verwertungsgesellschaften in Deutschland. Sie vertritt nach eigenen Angaben Medienunternehmen, darunter TV-Sender, Radio-Programme und Presseverleger.

Das sind die Forderungen von Corint Media

Erst im Oktober 2021 hatte die Verwertungsgesellschaft eine Lizenzgebühr von 420 Millionen Euro von Google gefordert. Dieser Betrag für 2022 werde für die Nutzung von Überschriften, kurzen Artikelausschnitten und Vorschaubildern gefordert, hieß es damals. Googles Antwort: „Wir halten uns an das Gesetz und orientieren uns an Fakten, nicht an haltlosen Forderungen. Corint ignoriert, dass Google erheblichen Mehrwert für Verlage schafft und keine nennenswerten Einnahmen mit Nachrichteninhalten erzielt.“ Anfang Dezember folgte dann eine Forderung an Facebook über 190 Millionen Euro, die das US-Unternehmen ablehnte (MEEDIA berichtete).

Corint Media selbst hat sich erst am Montag in einem Beitrag in eigener Sache zu den Verhandlungen geäußert. Oliver Schmidt, Head of Content Strategy, schreibt im Vorspann zu den geforderten Lizenzgebühren. „Die Verwertungsgesellschaft Corint Media fordert von Google und Facebook dafür (die Nutzung von Presseinhalten, Anm. d. Red.) insgesamt 610 Millionen Euro im Jahr 2022. Frech? Nein, sehr solide. Und vielleicht sogar zu niedrig bemessen.“ Schmitz wehrt sich in dem ausführlichen Stück gegen die Vorwürfe der US-Unternehmen und rechnet dabei auch vor, wie es zu den Forderungen kommt.

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