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Die GAFA-Kolumne

Big Tech frisst die Welt – Alphabet und Microsoft sind die Börsenstars 2021

BigTech Weekly

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

2021 geht unweigerlich auf die Zielgerade: Ein paar Tage noch, dann ist auch dieses Jahr Geschichte. In der Tech- und Internetbranche dominierten die GAFAM-Konzerne wie nie zuvor – auch in der Performance.

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe bis jetzt keine finale Einordnung für 2021. Es war erneut ein zähes Jahr, ein sehr zähes – phasenweise hatte ich den Eindruck, es war sogar schwieriger als 2020, etwa zu Jahresbeginn und im Herbst, als die ganze Tragweite der Pandemie noch deutlicher wurde als im vergangenen Jahr und man über die Versäumnisse der Politik nicht aus dem Kopfschütteln kam. Und auch jetzt, wenige Tage vor Weihnachten und dem Jahreswechsel sind die Sorgen nicht weniger geworden – wegen Omikron sogar im Gegenteil mehr.

In der Techbranche war es dagegen ein Jahr des unspektakulären Weiter-so. Es gab kleine Innovationsaufreger wie zu Jahresbeginn den Hype um Clubhouse, der sich jedoch sehr schnell wieder in Luft auflöste, es gab die kurze Aufregung um Mem-Aktien und erneut unzählige Facebook-Skandale. Geändert hat das in der Nutzung und Bewertung von Big Tech indes wenig bis nichts. 

Die großen Player, Gadgets, Netzwerke und Apps dominierten weiter das Geschehen. Auch 2021 ist die Welt des iPhones, von Facebook, Instagram, WhatsApp, YouTube, TikTok, der Google-Suche, der Microsoft Office-Nutzung und Amazons E-Commerce-Dominanz. Was sich verändert hat, ist eine deutlichere Verbreitung des Elektroautos, die ihren Niederschlag im anhaltenden Siegeszug von Tesla gefunden hat. Aber unter dem Strich gab es in den vergangenen zwölf Monaten in der Technologie- und Internetbranche äußerst wenige Überraschungen.

Die größeren Ausreißer waren indes an den Kapitalmärkten zu beobachten, die angesichts von so viel Kontinuität bemerkenswert volatil tendierten. Kurz vor Jahresende sehen wir einen komplett zweigeteilten Markt: Einerseits die Big Tech-Giganten, die ihren Aktionären allesamt ein Kursplus beschert haben dürften, andererseits den Rest der Tech- und Internetunternehmen, die mehrheitlich unter Wasser tendierten – allen voran die sogenannten „Stay-at-Home“-Unternehmen, die 2020 noch maßgeblich von der Pandemie profitiert hatten.  

Während der Nasdaq-Index seit Jahresbeginn um 18 Prozent vorne liegt (der Nasdaq 100 hat gar ein Plus von 23 Prozent eingefahren), haben viele Hype-Favoriten des vergangenen Jahres seit Januar deutlich an Wert verloren:   

  • Snap: – 8 Prozent
  • Twitter: – 18 Prozent
  • Paypal: – 19 Prozent
  • Zoom: – 41 Prozent 
  • Pinterest: – 44 Prozent 
  • Peloton: – 74 Prozent 

Auf der Kehrseite der Medaille befindet sich Big Tech: 

  • Amazon: + 5 Prozent  
  • Facebook: + 22 Prozent 
  • Apple: + 30 Prozent 
  • Microsoft: + 47 Prozent 
  • Alphabet: + 65 Prozent

Tatsächlich war die Dominanz der GAFAMs nie größer als 2021. Aktuell kommen die „Großen Fünf“ auf den Fabel-Börsenwert von rund 10 Billionen Dollar. Das hatte Folgen: Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Facebook und auch Tesla bewegten mit ihren Kurszuwächsen ganz maßgeblich die großen Indizes (S&P 500 und Nasdaq 100). In anderen Worten: Big Tech frisst die Welt!

Was 2021 stabilisierend auf die Märkte wirkte, könnte jedoch im nächsten Jahr möglicherweise zum Problem werden: Wenn Apple und Co. angesichts eines durch steigende Zinsen frostigeren Umfelds für Technologieaktien einen Schnupfen bekommen sollten, könnte der breite Markt an einer Lungenentzündung erkranken – aber dazu mehr nächste Woche im Ausblick auf 2022.      

+++ Short Tech Reads +++

Vice: Der „To The Moon“-Crash kommt 

Lesenswerter Gedankenanstoß für die Feiertage: Sind die YOLO-Kursexzesse um Tesla, Memaktien und Kryptowährungen, die vor allem von der Generation Z mit Trading-Apps befeuert wurden, der Vorbote vom großen Crash? Venture Capitalist Josh Wolfe ist bei „Vice“ der Meinung.

NYT: Das Ende des Peloton-Hypes

Wie hart der Aufprall am Ende eines Hypes ausfallen kann, musste ein Kult-Techunternehmen im zweiten Pandemie-Jahr erfahren: 2020 noch großer Profiteur des Lockdowns und der geschlossenen Fitnessstudios, schmierte die Peloton-Aktie 2021 um mehr als 70 Prozent ab. Die „New York Times“ ging dem brutalen Absturz auf den Grund und hat zuhauf Peloton-Besitzer ausgemacht, die den Lifestyle-Heimtrainer einfach nur noch loswerden wollen – auch deutlich unter dem früheren Kaufpreis.

Mashable: Das verlorene Siri-Jahrzehnt 

Man kann es als Apples unrühmlichstes Produktjubiläum der jüngeren Geschichte betrachten: die auch nach langen zehn Jahren immer noch quälend unzulängliche Sprachassistentin Siri, die gefühlt auf keine Frage eine passende Antwort weiß. Mashable hat das Siri-Desaster nachgezeichnet und zeigt auf, wie weit Apples KI hinter Amazons Alexa und dem Google Assistant zurückliegt.

+++ One more Thing: Die Krypto-Revolution frisst ihre Kinder +++

Ein weiteres Thema, das im Big Tech-Jahr 2021 seinen Platz verdient, ist der Aufstieg der Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin. Spätestens durch den Ritterschlag von Elon Musk, der sowohl für Tesla als auch privat in Bitcoin investierte, ist die wertvollste Kryptowährung der Welt in aller Munde.

Phasenweise sah es nach einem Triumphzug aus: Allein im ersten Quartal verdoppelte sich der Bitcoin-Kurs fast, ehe ein harter Crash alle Gewinne des Jahres bis Mitte Juli wieder ausradierte. Im zweiten Halbjahr wiederholte sich das Aufstieg-und-Fall-Szenario erneut: Wie ein Phönix stieg Bitcoin im Sommer aus der Asche und bis Anfang November in luftige Höhen bei Notierungen von 69.000 Dollar empor, wo die Cyberdevise gar noch einmal neue Allzeithochs markierte, die jedoch bei Kursen von inzwischen 47.000 Dollar wieder in weiter Ferne liegen. 

Gegenüber dem Startniveau des Jahres ist damit immer noch ein Plus von rund 60 Prozent übrig geblieben, das mit den Zugewinnen von Microsoft oder Alphabet vergleichbar ist. Der Unterschied: Das Kursplus der Big Tech-Giganten wurde fast im Autopilot-Modus mit minimalen Kursschwankungen eingefahren, während bei Bitcoin, das auf verschiedenen Kryptobörsen der Welt zu jeder Sekunde handelbar ist, dagegen Drama im Nonstop-Modus herrscht.

Dass die hoch volatile Achterbahn irgendwann den härtesten Hodler entnervt, mussten Bitcoin-Fans vor einer Woche vom beliebten YouTuber Chico Crypto erfahren. Der Krypto-Influencer, der seine über 300.000 Abonnenten seit vier Jahren über die Neuigkeiten und Kursbewegungen der Kryptoszene informiert, brach in seinem bislang (vor-)letzten Video in Tränen aus – und zusammen.

Das Video ist schwer mitanzusehen, zumal Chico Crypto, der im wirklichen Leben Tyler Swope heißt, als eine der wenigen ernst zu nehmenden Persönlichkeiten der mitunter undurchsichtigen (F)Influencer-Szene erscheint. Der öffentliche Zusammenbruch unterstreicht indes vor allem eines: nämlich, was Bitcoin und Co. selbst mit den Besten der Branche macht.

So interessant und vermeintlich zukunftsträchtig Kryptowährungen auch sein mögen, so hoch ist doch der emotionale Preis für Anleger. Angesichts der extrem volatilen Kryptokurse vielleicht eine Überlegung wert: iPhone und Co. zu den Feiertagen einfach mal gegen Weihnachtsklassiker tauschen.

In diesem Sinne: Wunderbare und entspannte Weihnachten!

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