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Teilhabe

Warum aus dem „Quötchen“ eine Quote werden muss

Die Frauenquote ist umstritten. Das ist klar. Schließlich gibt es ausgeklügelte Auswahlprozesse für die bestmögliche Besetzung eines Postens. Doch: Wie diese Prozesse aussehen wird – bewusst wie unbewusst – von der Führungsetage festgelegt und die besteht eben meist vor allem aus Männern. Dabei ist längst Zeit für echte Parität, meint Ann-Katrin Raudszus.

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Leidet der gute Ruf, hatte der alte Chefredakteur Dreck am Stecken – dann werden eben zwei Frauen in Chefredaktion geholt. Ist das Problem also gelöst? Fehlanzeige! Denn Frauen nur zu befördern, um das Firmenimage aufzubessern, reicht eben nicht mehr aus. Die Idee der Parität hat nichts mit „Gefallen tun“ gemein, sondern es geht schlicht und einfach um die Lebenswirklichkeit des Geschlechterverhältnisses in Deutschland.

Dass Frauen die Hälfte der Macht beanspruchen ist nur natürlich, findet MEEDIA-Redakteurin Ann-Katrin Raudszus – Illustration: Bertil Brahm

Was also ganz selbstverständlich sein sollte, wird allerdings seit Jahren im Schneckentempo in Politik und Wirtschaft vorangetrieben – zuletzt beispielsweise im neu gewählten Bundestag mit einem leichten Anstieg des Frauenanteils von gerade mal vier Prozent auf insgesamt 34,7 Prozent. 

Das Argument, es gebe nicht genug qualifizierte Frauen, haben Studien längst widerlegt. Dennoch wird diese Debatte immer wieder geführt. Deutschland verschenkt daher sein reichliches Potenzial an Dichter- und Denkerinnen. Und an Ingenieurinnen. Dabei müssen wir uns als Redaktionen und Journalist*innen auch an die eigene Nase fassen. 

Dass es eben auch anders geht, zeigt das „50:50 Equality Project“ der britischen Sendergruppe BBC. Die Initiator*innen haben sich zum Ziel gesetzt, Organisationen weltweit darin zu unterstützen Journalismus und Medieninhalte zu erstellen, die unsere Welt auf faire Weise widerspiegeln. Der Ansatz: Redaktions- und Produktionsteams ermitteln zunächst den Status quo der Mitwirkenden an den Produktionsinhalten. Gezählt werden Personen wie Reporter*innen, Analytiker*innen, Akademiker*innen und Expert*innen. Im nächsten Schritt gilt es dann die Diversity-Kriterien festzulegen. Das Ziel ist ein Anteil weiblicher Mitwirkender von 50 Prozent, insbesondere in Bereichen, in denen diese unterrepräsentiert sind. 

Vermehrte Sichtbarkeit von Frauen in Führungsposition ist auch der Wunsch mehrerer ProQuote-Vereine in Deutschland. Die deutliche Forderung: „Wir sind die Hälfte, wir wollen die Hälfte der Macht“ findet daher immer mehr neue Anhänger*innen.

Die Zahl 50 wird uns die nächsten Jahren also weiter begleiten. Dieser Ansatz ist auch deshalb erstrebenswert, weil sie es dem herabsetzenden Argument, die „Quotenfrau“ in der Unternehmensspitze zu sein, zuwider läuft.

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