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Die GAFA-Kolumne

Die erstaunliche Omikron-Resilienz von Apple, Alphabet & Co.

BigTech Weekly

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Die Sorge vor der neuen Coronavariante hält die Weltbörsen in Atem – auch Tech- und Internetunternehmen leiden unter den sich eintrübenden Perspektiven. Nur die GAFAMs stehen wie ein Fels in der Brandung. Die Hintergründe.

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Wie halten Sie’s eigentlich mit Aktien: Vermögensbilder oder Teufelszeug? Wer bisher keine Wertpapiere gehalten hat, mag sich vermutlich in diesen Tagen bestätigt fühlen, auch wenn die historischen Renditen eine ganz andere Sprache sprechen.

Es rumpelt wieder gehörig an den Weltbörsen. Besinnliche Vorweihnachtszeit? Fehlanzeige! Wegen der sich rasend schnell ausbreitenden neuen Coronavariante Omikron und einer restriktiveren Zinspolitik der US-Notenbank („Tapering“) gingen die Kurse in dem vergangenen zwei Wochen deutlich auf Tauchstation.

Mittendrin in den schweren Verwerfungen der Kapitalmärkte: Tech- und Internetaktien. Vor allem die Pandemie-Profiteure des vergangenen Jahres wurden schwer getroffen. Seit den Jahreshochs hat die zweite Reihe der Social Media- und Internetaktien mitunter dramatischen Kursverluste von mindestens 40 Prozent zu beklagen:  

• Paypal: – 40 Prozent
• Snap: – 40 Prozent
• Twitter: – 45 Prozent
Pinterest: – 56 Prozent 
Zoom: – 59 Prozent 

Die Ausverkäufe haben sich in der vergangenen Woche abermals beschleunigt und bei früheren Pandemie-Favoriten Kursstürze wie bei einer Kryptowährung ausgelöst. In den letzten zwei bis drei Wochen verlor Vintage-E-Commerce-Anbieter Etsy allein 25 Prozent seines Wertes, die Freelancer-Plattform Fiverr 34 Prozent und der Esssenlieferdienst DoorDash 40 Prozent. Seit den Jahreshochs hat Fiverr fast zwei Drittel seines Wertes eingebüßt, Fitnessgerätehersteller Peloton gar 75 Prozent.

In anderen Worten: Der Corona-Trade des Jahres wird 2021 rückabgewickelt. Angesichts der weltweiten Ausmaße der vierten Welle und der nun dramatisch schnellen Verbreitung der neuen Variante Omikron ist der Ausverkauf der alten Pandemie-Favoriten bemerkenswert. Er kommt jedoch mit einer klaren Botschaft daher, die von vielen westlichen Regierungen derzeit kommuniziert wird: Die Zeit der Lockdowns ist vorbei.

Mindestens ebenso große Beachtung verdient unterdessen die erstaunlich robuste Performance von Big Tech. Im Gegensatz zu den abgestürzten Pandemie-Stars notiert jedes GAFAM-Mitglied auch 2021 kurz vor Ablauf des Jahres im Plus:    

  • Amazon: + 8 Prozent  
  • Facebook: + 16 Prozent 
  • Apple: + 30 Prozent 
  • Microsoft: + 50 Prozent 
  • Alphabet: + 69 Prozent

Der bis zuletzt robusten Performance liegt die ‚Safe Haven’-Theorie zugrunde. Selbst wenn Omikron der Welt einen weiteren Horrorwinter bescheren sollte, scheinen die GAFAMs weiter besser gerüstet als ein Großteil des Markts. 

Einerseits strotzen die großen Fünf vor solch immensen Bargeldreserven, dass sie kaum mehr wissen, wohin mit ihrem Cash. Entsprechend werden mit Ausnahme von Amazon bei allen GAFAMs die Rückkäufe eigener Aktien ausgeweitet, was wiederum oft genug als Kurspflege wirkt.

Sollte die Omikron-Variante doch wieder für Lockdowns sorgen, sind die GAFAMs wie schon 2020 durch die mehr zu Hause verbrachte Zeit natürliche Krisengewinner. Die Erkenntnis einmal mehr: Qualität ist an der Wall Street gefragter denn je.

+++ Short Tech Reads +++

The Information: Apple schloss 275-Milliarden-Dollar-Deal mit China ab – vor fünf Jahren 

Apples enorme Erfolgsgeschichte, die erst gestern mit einem neuen Allzeithoch bei 171 Dollar je Aktie bzw. einem Börsenwert von nunmehr 2,8 Billionen Dollar ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, ist unentwirrbar mit China verbunden. Tatsächlich ist Apple im Reich der Mitte so präsent wie kein anderer GAFAM-Konzern. Im dritten Quartal ist das iPhone gar wieder zum meistverkauften Smartphone des Landes aufgestiegen. 

Die starke Präsenz in China hatte allerdings seinen Preis. Das Premium-Techportal The Information berichtet von einem 275 Milliarden-Dollar-Deal, den Tim Cook bereits 2016 mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt abgeschlossen habe, durch den sich der iKonzern zu massiven Investments im bevölkerungsreichsten Land der Welt verpflichtet habe.

So hoch der Preis gewesen sein mag, so exponentiell höher ist indes der Ertrag, der maßgeblich durch Apples Erfolg im Reich der Mitte zustande gekommen ist: Seit 2016 hat sich die Apple-Aktie versiebenfacht.       

Nikkei Asia: Apple hat ein wachsendes Zuliefererproblem beim iPhone 

Wer jetzt ein neues iPhone als Weihnachtsgeschenk bestellt, muss hoffen, dass es noch rechtzeitig geliefert wird – zumindest in einigen Teilen der Welt, berichtet Nikkei Asia. Als Grund für die Verzögerungen nennt die japanische Tageszeitung wachsende Probleme in der Zuliefererkette und spricht bereits von „Apples vorweihnachtlichem Albtraum“.   

Im deutschen Apple Store könnte die Weihnachtsbestellung zumindest beim Highend-Modell eng werden: Wer heute ein iPhone 13 Pro / Max ordert, soll es laut Website bis zum 21.12. erhalten.       

CNBC: Fast alle Tech-IPOs floppen in diesem Jahr 

Alle Tech- und Internetaktien fliegen hoch? Mitnichten. Was Ende der 90er-Jahre wie ein Selbstläufer funktionierte und seine Renaissance in den 10er-Jahren des 21.Jahrhunderts erfahren hat, sieht in der dritten Dekade schon wieder ganz anders aus.  

Wie der Finanzinformationsdienst CNBC vorrechnet, befinden sich von den 55 Techunternehmen, die in diesem Jahr debütierten, 54 im Bärenmarkt, was bedeutet, dass sie mindestens 20 Prozent vom Höchstkurs verloren haben. Unter den Börsenflops befinden sich die Krypto-Handelsplattform Coinbase, der Neo-Broker Robinhood und der chinesische Fahrdienstleister Didi, der zudem die Wall Street verlässt.          

+++ One more Thing: Habt mehr Kinder, mahnt Elon Musk +++

„Kinder kriegen die Leute immer“, hat Bundeskanzler Konrad Adenauer einst behauptet – und damit in seiner Ära recht behalten. Doch seit den 70er-Jahren gehen die Geburtenzahlen in vielen Teilen der westlichen Gesellschaft zurück. Für Elon Musk ist das ein Problem, wie der Twitter-Lautsprecher zu Wochenbeginn auf einem Event des „Wall Street Journals“ erklärte. „Ich kann nicht genug betonen, dass wir nicht genug Menschen sind“.   

Musk hat da einen Punkt, der angesichts der aktuell noch deutlich steigenden Bevölkerungszahlen übersehen wird. Nach Mitte des Jahrhunderts dürfte die Erdpopulation nämlich signifikant abnehmen. Der Höhepunkt soll Berechnungen zufolge 2064 mit einem Spitzenwert von 9,7 Milliarden Menschen erreicht sein, bis Ende des 21. Jahrhunderts aber auf 8,8 Milliarden abnehmen. Aktuell bevölkern 7,8 Milliarden Menschen die Erde. 

„Wenn Menschen nicht mehr Kinder haben, wird die Zivilisation zerbröckeln. Denkt an meine Worte“, erklärte der Tesla-Chef, der selbst mit bereits sechs Kinder mit gutem Beispiel vorangeht. Dabei könnte alles so einfach sein. „Kinder sind Hoffnungen“, wusste der deutsche Dichter und Philosoph Novalis einst zu berichten. Und mehr noch:  „Kinder halten uns nicht von Wichtigerem ab. Sie sind das Wichtigste“, stellte der irische Schriftsteller C.S. einst fest. Dem ist nichts hinzuzufügen: Ende der Kolumne, ich kümmere mich jetzt wieder um meinen kleinen Sohn.  

Cheers + bis nächste Woche!

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