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Wochenrückblick

Julian Reichelt gibt den Twitter-Terminator: „I’ll be back“

Julian Reichelt ist zurück! Also zumindest auf Twitter. Und sein Nachfolger darf, bzw. muss sich bei Bild TV verdingen. Die Liedauswahl von Angela Merkel zum Zapfenstreich sorgte für Begeisterung. Und Olaf Scholz machte zumindest medienmäßig in dieser Woche vieles richtig. Die MEEDIA Wochenrückblick Kolumne.

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Er ist wieder da. Bzw.: Er wird zurück sein. Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt hat auf seinem Twitter-Profil das markige „E-i-C Bild“ („Editor in Chief“) gegen das Schwarzenegger „Terminator“-Zitat „I’ll be back“ getauscht. Das könnten Hinweise auf Zweierlei bedeuten: 1. Vielleicht hat er sich mittlerweile mit Axel Springer auf eine Auslösung seines Dienstverhältnisses verständigt. 2. Er scheint ganz der Alte. Auf Twitter postete er eine längere Wortmeldung, in der er an der Verschwörungstheorie strickt, namentlich nicht genannte Politiker hätten es „herbeigesehnt und befeuert“, dass man ihm „die Möglichkeit nimmt, Bild als klarste und unüberhörbare Stimme des freiheitlichen Denkens zu verteidigen.“

Klingt verdächtig nach dem Raunen seines früheren Vorsitzenden Mathias Döpfner von „Hintermännern“, die Reichelts Sturz betrieben hätten. Döpfner ist mittlerweile ja öffentlich zurückgerudert und schreibt neuerdings sogar freundliche Kommentare über die Amtszeit von Angela Merkel. „Ironisch“ gemeint ist der Reichelt-Tweet aber bestimmt nicht. Micky Beisenherz hat dafür ganz passende Worte gefunden:

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Erstmals habe ich in dieser Woche den Reichelt-Nachfolger auf dem „Bild“-Chefsessel, Johannes Boie, bei Bild TV gesichtet. Er hatte ja angekündigt, dass er sich da mal blicken lassen will. Doch was soll ich sagen? Sein Auftritt, war jetzt mehr so … aber sehen Sie selbst:

Sieht so jemand aus, der mit sich und seiner Aufgabe im Reinen ist? Wobei ich nicht die Aufgabe als „Bild“-Chefredakteur meine, sondern den Job, übergeigten Meinungs-Content bei Bild TV zu ventilieren.

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Beifall gab es diese Woche für die Liedauswahl von Angela Merkel zu ihrem Großen Zapfenstreich und den Auftritt von Bald-Kanzler Olaf Scholz bei „Joko & Klaas Live“. Zunächst zum Zapfenstreich: Sehr viele Leute haben sich beömmelt, dass Merkel neben Hilde Knefs Rosenregen, „Großer Gott wir loben Dich“ den DDR-Schlager „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen ausgewählt hat. Dabei wurde allenthalben vermeldet, es handle sich hierbei um einen „Punk-Song“. Naja. Die „Tagesschau“ wusste dies korrekt einzuordnen, indem sie von einem „DDR-Schlager“ sprach. Noch lustiger hätte ich es gefunden, wenn Merkel statt „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ den Knef-Gassenhauer „Von nun an geht’s bergab“ hätte spielen lassen. Das wäre zwar witzig, aber nicht sehr nett gewesen. Und wir brauchen ja mehr Nettigkeit.

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Warum hat der Auftritt von Olaf Scholz nach einer Covid19-Betroffenen und einem Intensivarzt bei „Joko & Klaas Live“ am Mittwoch so einen starken Eindruck gemacht (ja, auch auf mich)? Ich glaube es sind zwei Faktoren. Zum einen hat es damit zu tun, was Klaas Heufer-Umlauf bei dem „Wetten dass..?“-Comeback sagte. Sinngemäß nämlich, dass es eine Wirkung hat, wenn man um 20.15 Uhr mit unerwarteten Inhalten konfrontiert wird. Dieser Effekt war überwältigend bei der siebenstündigen Pflege-Doku von „Joko & Klaas Live“, er war aber auch an diesem Mittwoch spürbar. Die Schilderungen der betroffenen Frau und des Arztes waren eindrücklich aber auch in gewissem Sinne erwartbar. Dass dann aber der künftige Kanzler in genau demselben Rahmen auftrat, das war überraschend. Und zum anderen war die Ansprache von Scholz auch geschickt formuliert und nicht so phrasengesättigt, wie er sonst häufig redet. Scholz hat in dieser Woche ohnehin eine regelrechte Medien-Tournee hinter sich gebracht. Er war bei Bild TV, ARD, ZDF, hat mit der „Zeit“ gesprochen und war bei ProSieben. Es scheint, er hat in Medien-Dingen nicht die schlechtesten Berater.

Schönes Wochenende!

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