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Gastbeitrag

Petra von Strombeck: Wir brauchen eine Revolution der Unternehmenskultur!

New Work-CEO Petra von Strombeck – Foto: New Work

Wir leben in einem Arbeitnehmermarkt – einige Unternehmen haben das aber noch nicht begriffen. Und weil es in dieser Lage enorm wichtig ist, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu werben, braucht Unternehmenskultur einen viel größeren Stellenwert, argumentiert New Work-CEO Petra von Strombeck in einem Beitrag für MEEDIA.

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Von Petra von Strombeck

In den nächsten 15 Jahren wird sich die deutsche Wirtschaft drastisch wandeln: Die Generation der so genannten Baby-Boomer – also die geburtenstarken Jahrgänge von 1946 bis 1964 - geht dann in Rente. Damit fehlen auf dem Arbeitsmarkt bis 2035 mehr als fünf Millionen Erwerbstätige. Eine neue Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), die gemeinsam mit der New Work SE, Kienbaum Consultants International und StepStone entstanden ist, hat die Folgen dieses Wandels untersucht. Das Ergebnis: Beim einem „Weiter so“ drohen der (Volks-)Wirtschaft Milliardenverluste, denn gleichzeitig denken laut der Umfrage drei von vier Beschäftigten in der Corona-Zeit mindestens gelegentlich über einen Jobwechsel nach. Der Arbeitsmarkt ist mehr denn je ein Arbeitnehmermarkt geworden. In einigen Branchen ist der Fachkräftemangel schon jetzt schmerzhaft spürbar, andere werden folgen.  Tatsache ist, dass Corona die Arbeitswelt nachhaltig verändert hat. Beschäftigte sind sich über ihre Bedürfnisse viel bewusster geworden und hinterfragen ihre Situation und ihre eigene Arbeitswelt kompromissloser als vorher. Die Welt ist nicht auf das Homeoffice geschrumpft, sie ist größer denn je und voller ungeahnter Chancen. 

„Beschäftigte suchen sich heute den Arbeitgeber, der kulturell zu ihnen passt.“

Bei der New Work SE beschäftigen wir uns schon lange intensiv mit dem Thema Zukunft der Arbeit. Während die Politik die passenden Rahmenbedingungen schaffen muss, stehen aus unserer Sicht vor allem die Unternehmen vor der Herausforderung, attraktiver für Talente zu werden. Sehen wir der Realität ins Auge: Wir brauchen nicht weniger als eine Revolution der Unternehmenskultur am Arbeitsmarkt. Unternehmen, die sich nicht ändern oder gleich ganz neu aufstellen, werden es in Zukunft schwer haben. Denn Beschäftigte suchen sich heute schon den Arbeitgeber, der kulturell zu ihnen passt. Corona war hier die erste Welle, aber der Tsunami wird folgen. In den USA schwappt zurzeit mit der „Great Resignation“ eine Kündigungswelle durchs Land, die sich quer durch alle Branchen zieht und Arbeitgeber vor massive Probleme stellt – und auch Deutschland ist vor so einer Entwicklung nicht gefeit. Trotzdem sind die Konsequenzen des Fachkräftemangels und einer alternden Gesellschaft bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen.  

Zur Person

Petra von Strombeck ist seit Mai 2020 Vorstandsvorsitzende der New Work SE (vormals Xing SE). Zuvor war sie acht Jahre CEO der Lotto24 AG, davor führte sie unter anderem die Geschäfte einer Tochtergesellschaft von Tchibo und leitete den Bereich E-Commerce bei Tchibo Direct. Die Diplom-Kauffrau studierte Betriebswirtschaftslehre an der École des Affaires (heute ESCP) in Paris, Oxford und Berlin.

Nur jedes zweite Unternehmen fördert eigenverantwortliches Arbeiten und Entscheiden

Bisher fördert nur jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) aus Sicht der Beschäftigten eigenverantwortliches Arbeiten und Entscheiden – und das ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig. Bei Unternehmen, die aus Sicht der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innovativ sind, also neue Produkte einführen oder ihr Geschäftsmodell flexibel anpassen, läuft das anders: Hier sagen zwei von drei Beschäftigten (66 Prozent), dass ihr Arbeitgeber eigenverantwortliches Arbeiten und Entscheiden fördere. Eine offene Fehlerkultur, klare Zielvorgaben, eigenverantwortliches Handeln der Beschäftigten, Gestaltungsoptionen und interdisziplinäre Teams stärken dabei die Innovationskraft. Das zahlt sich aus, nicht nur im Sinne gesteigerter Produktivität, sondern auch durch eine höhere Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  Und deshalb ist für mich ganz klar: Um in Zukunft produktiv und erfolgreich zu sein, brauchen wir ein neues Verständnis von Arbeit. Innovationen lassen sich nicht “preußisch” von oben verordnen, sondern basieren auf Eigenverantwortung, Teamwork und Motivation.

Digitale Transformation wird von Beschäftigten positiv bewertet

Menschen, die ihr Unternehmen selbst als veränderungsbereit beschreiben, sind zufriedener mit ihrem Job als Menschen, die ihr Unternehmen als statisch wahrnehmen. So sagen 57 Prozent der Befragten, die in einem Unternehmen mit Transformationserfahrung arbeiten, dass sie derzeit sehr zufrieden oder zufrieden mit den Arbeitsinhalten in ihrem Job sind. Bei Unternehmen, in denen die digitale Transformation keine große Rolle spielt, sind nur 50 Prozent der Befragten zufrieden mit den eigenen Arbeitsinhalten. Gleichzeitig bleiben Beschäftigte ihrem Unternehmen erhalten, wenn sie ihre persönliche Arbeit als sinnvoll erachten: Die Hälfte der Befragten denkt nie oder nur wenige Male im Jahr über einen Jobwechsel nach. Bei nicht sinnvoller Arbeit ändert sich das Bild. Dann steigt die Wechselbereitschaft deutlich und nur noch jeder Fünfte macht sich keine oder wenig Gedanken über potenzielle neue Arbeitgeber.

Unternehmenskultur wird vom Wohlfühl- zum Wirtschaftsfaktor 

Und auch wenn harte Faktoren wie Gehalt (49 Prozent) oder Karriereoptionen (43 Prozent) weiterhin die größten Treiber für einen Jobwechsel sind, hat sich schlechtes Betriebsklima – oder mangelnde Unternehmenskultur – mit 38 Prozent zu einem ernstzunehmenden Faktor für Unzufriedenheit und Abwanderung entwickelt. Viele Unternehmen machen immer noch den Fehler, ihre Organisationskultur als ein Nice-to-have zu sehen – tatsächlich aber ist sie ein entscheidender Vorsprung im Wettbewerb. Eine Befragung von weltweit 500 Vorstandschefs aus neun führenden Wirtschaftsnationen hat ergeben, dass Unternehmen, deren Vorstände die Organisationskultur als ausschlaggebend für den Erfolg sehen, ein doppelt so hohes Wachstum erreichen wie andere (9,1 gegenüber 4,4 Prozent). Wie aber entsteht eine lebendige, belastbare Unternehmenskultur? Es gibt hier ein paar ganz entscheidende Zutaten: bestehende Strukturen hinterfragen und wenn nötig verändern und diese mit einem Maximum an Transparenz, Empathie und Achtsamkeit kommunizieren. So fängt man nicht nur unmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (wieder) auf, sondern wird auch zur attraktiven Option für Talente – und damit zu einem Unternehmen, das beruhigt in die Zukunft schauen kann.  

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