Anzeige

Auf die Delegierten kommt es an

Warum BDZV-Präsident Döpfner jetzt mehr Vertrauen schaffen muss

Mathias Döpfner – Foto: Imago

Das BDZV-Präsidium stärkt Mathias Döpfner als Cheflobbyist den Rücken. Jetzt muss der Springer-Chef die Chance nutzen, um seine Kritiker zu überzeugen. Schafft er dies nicht, droht dem Verband eine dauerhafte Spaltung, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

Anzeige

Die Aufregung ist groß. Seit Wochen empört eine private Handy-Nachricht von Mathias Döpfner an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre die Medienwelt. Verlagsmanager und „Stern“-Chefredakteur Florian Gless forderten den Rücktritt des Springer-Chefs als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Jetzt hat das Präsidium dem 58-Jährigen den Rücken gestärkt. Das Gremium sieht keinen Grund an der „sehr erfolgreiche Arbeit des Präsidiums“ zu rütteln – sprich: an Mathias Döpfner. 

Mathias Döpfner sollte sich von den Delegierten im Amt erneut bestätigen lassen, um seine Position zu festigen, fordert MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Doch das Präsidium hat eigentlich gar keine Entscheidungsgewalt in der Frage, ob Döpfner bleiben kann oder nicht. Das ist ausschließlich Sache der Delegierten, die sich einmal im Jahr im Herbst treffen. Nun soll das Treffen der Verbandsbasis vorgezogen werden – angeblich, um über Konzepte und Ansätze zu sprechen, wie man die Lobbyvereinigung zukunftssicher macht. Das Treffen könnte für Döpfner zur erneuten Probe werden. Zwar wollen die Delegierten bislang nicht darüber abstimmen, ob der Springer-Chef als Präsident weiter tragfähig ist. Möglicherweise werden aus den Reihen seiner Kritiker aber überraschend entsprechende Forderungen laut, sich mit der Causa Döpfner zu beschäftigen.

Daher sollte der Springer-Chef die Zeit bis zum Frühjahr nutzen, um seine Kritiker zu überzeugen. Denn nach dem Message-Debakel sind die Reihen nicht mehr geschlossen. Schafft er es nicht, die Gemüter seiner Kritiker zu beruhigen, droht er den Verband zu spalten. Und das kann er als Cheflobbyist nicht gebrauchen, denn die Branche steht vor gewaltigen Herausforderungen. Zwar hat der Verband beim Leistungsschutzrechts einen Durchbruch geschafft, doch viele Probleme bleiben. Dazu gehört die jetzt von der neuen Bundesregierung beschlossene Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro. Sie führt dazu, dass die Zeitungszustellung immer unwirtschaftlicher wird. Verschärft wird die Situation durch die stark gestiegenen Papierpreise. Und Tech-Riesen wie Facebook belasten das Vermarktungsgeschäft immer mehr. In dieser schwierigen Gemengelage braucht die Branche deshalb einen Cheflobbyisten, hinter dem alle Verbandsmitglieder geschlossen stehen. Döpfner sollte die nächste Delegiertenversammlung dazu nutzen, sich per Abstimmung seine weitere Amtszeit erneut bestätigen zu lassen. Das würde seine Position in der Branche wirklich festigen. 

Anzeige