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Corinna Kamphausen, Eyes & Ears of Europe

„Die Möglichkeiten, die wir bieten, werden für die Branche immer wichtiger“

EEOFE-Geschäftsführerin Corinna Kamphausen – Foto: Eyes & Ears

Der Branchenverband Eyes & Ears of Europe feiert sein 25-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum schaut Geschäftsführerin Corinna Kamphausen auf wichtige Meilensteine in der Entwicklung zurück und gibt einen Ausblick auf die Entwicklung der Branche.

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Frau Kamphausen, in den 25 Jahren seit seinem Bestehen ist Eyes & Ears zu einem bedeutenden Branchenverband geworden. Wie ist das gelungen?

Als wir uns 1996 gegründet haben gab es im audiovisuellen Bereich zwar ganz viele europäische Designer, aber die Fernsehsender haben ihr Design trotzdem in Amerika oder Großbritannien eingekauft. Man hat sich hier in Deutschland noch nicht zugetraut, etwas Neues zu machen. Dann haben sich die richtigen Leute zusammengetan. Zum Beispiel der damalige RTL-Artdirector Manfred Becker, der dann auch unser Präsident wurde, und andere Kreative aus Hochschulen, Sendern und Agenturen. Sie waren sich einig: „Die Geburtsstätte des Designs liegt in Europa und wir sind genial in der Umsetzung in diesem Bereich – warum sollen wir weiter auf andere schauen?“ Ihnen ging es darum, die Dinge selbst anzugehen, sich untereinander auszutauschen und Kreative eigenständig weiterzubilden. Darauf kommt es an: Dass sich die Kreativen miteinander austauschen und gegenseitig inspirieren können. So hat sich eine große europäische Familie aus Kreativen gebildet.

Der Eyes & Ears-Award ist mittlerweile ein wichtiger Preis in der Branche. Ist er die Kernmarke von Eyes & Ears?

Der Award ist eine der großen Säulen, über die Eyes & Ears funktioniert. Er soll die Kreativen für ihre Arbeit belohnen und die verdiente Anerkennung aussprechen. Früher ist im TV-Bereich ein Spot oder eine Kampagne für den eigenen Sender ausgestrahlt worden und damit war das Thema durch – einmal gesehen und nie wieder angeschaut. Dabei ist so eine Kommunikationsmaßnahme eine tolle Arbeit, die gewürdigt werden muss. Das machen wir seit 23 Jahren jährlich mit dem Preis. Darüber hinaus gibt es aber auch die großen Säulen der Weiterbildung und der Konferenzen zu Branchentrends.

Welche Meilensteine waren in der Entwicklung des Verbands entscheidend?

Wir hängen immer davon ab, wie sich die Branche entwickelt. Einer der Meilensteine war, noch vor unserer Gründung, dass das private Fernsehen gegründet worden ist und damit auch die Idee, die eigenen Inhalte möglichst gut verpackt an den Kunden zu bringen. Sicherlich waren auch die Gründungen von YouTube und später von Streamingdiensten wichtige Meilensteine. Dadurch hat sich die Kommunikation komplett verändert. Dann kamen Games dazu, wodurch die visuelle Kommunikation nicht mehr ausschließlich auf dem Fernsehbildschirm, sondern auch auf der Konsole stattfindet. Natürlich verändern sich durch solche Entwicklungen unsere Zugangsmöglichkeiten und unsere Mitglieder. Wir sind also mit unserem Verband immer am Puls der Branche.

„Wir sind mit unserem Verband immer am Puls der Branche.“

Diese Abhängigkeit von der Branche hat sich im vergangenen Jahr sicherlich auch negativ gezeigt.

Natürlich gibt es eine direkte Korrelation unserer Mitgliedsbeiträge zu den Marketingbudgets der Unternehmen. Wenn die Marketingbudgets gekürzt werden, werden auch die Mitgliedsbeiträge gekürzt oder die Unternehmen steigen sogar aus dem Verband aus. Erfreulicherweise sind bei uns wenige Unternehmen ausgestiegen. Was die kreative Arbeit betrifft, hat sich das gar nicht so sehr negativ ausgewirkt. Viele Branchenmitglieder waren im letzten Jahr zwar sehr frustriert, vor allem die Produktion war nicht einfach. Manche Sender und Agenturen haben auch Probleme bekommen, wenn sie zum Beispiel auf Live-Sport gesetzt haben. Am Ende des Jahres hat sich aber gezeigt, dass viele Arbeiten einfach nur verschoben worden sind. Im Grunde sind unsere Agenturen zum großen Teil eher in Arbeit ertrunken, weil der Bewegtbildkonsum so stark angestiegen ist. Auch, dass so viele Streamingdienste an den Markt gegangen sind, war eine Vervielfältigung unseres Betätigungsfeldes.

Was zeichnet Eyes & Ears heute aus?

Das Wichtigste, das wir bieten können ist, dass man bei uns als Kreativer Gleichgesinnte mit denselben Herausforderungen findet, mit denen man sich über die eigene Arbeit austauschen kann. Durch die ständige Information über den Erfolg eigener Kampagnen, die man heutzutage erhält, muss man viel mehr und besser auf den Markt reagieren können. Da ist dann jeder Einzelne gefragt.

Mit welchen Herausforderungen oder Problemen werden Sie am häufigsten konfrontiert?

Es ist genau das: Dadurch, dass sich der Markt so stark diversifiziert hat, werden die Aufgabengebiete viel größer. Das ist eine große Chance, weil man als Designer heutzutage in viele Bereiche gehen kann. Es ist aber auch ein großer Workload und man muss sich zwischen etlichen Möglichkeiten entscheiden.

Sie blicken bereits in die Zukunft. Wo soll es für Eyes & Ears hingehen?

Wir wollen in fünf, zehn, 20 Jahren immer noch für die Kreativen genauso am Markt sein und uns untereinander austauschen. Der gesamte Markt wird immer internationaler. Auf diesem Markt müssen wir visibel sein und weltweit Möglichkeiten bieten, mit uns zu kommunizieren oder bei uns beispielsweise Weiterbildungen zu machen. Ich denke, dass die Möglichkeiten, die wir als Verband bieten, immer wichtiger für die Branche werden.

„Der gesamte Markt wird immer internationaler. Auf diesem Markt müssen wir visibel sein und weltweit Möglichkeiten bieten, mit uns zu kommunizieren.“

Eyes & Ears Award 2021

Der Eyes & Ears Award wird in diesem Jahr zum 23. Mal verliehen. 420 Produktionen wurden für die Auszeichnung eingereicht. Die Gewinner werden auf einer Hybrid-Veranstaltung am 25. November bekanntgegeben.

Was macht Ihnen persönlich am meisten Spaß?

Mir macht es am meisten Spaß, Menschen zusammenzubringen. Ich freue mich sehr darauf, dass wir hoffentlich schon bald wieder Awardverleihungen und Konferenzen in Präsenz veranstalten können. Online-Calls funktionieren zwar und es ist dadurch möglich, einfach mal einige Leute aus der gesamten Welt zusammenzubringen, aber ich freue mich auch wieder auf persönliche Zusammentreffen. Zum Jubiläum werden wir für unsere Mitglieder eine kleine Party machen, auf die wir uns wahnsinnig freuen. Auch unsere Awardverleihung am 25. November wird eine hybride Veranstaltung, weil wir nicht darauf verzichten können, dass Menschen zusammenkommen. Wir übertragen unseren Stream in München, Köln, Berlin und Hamburg zu lokalen kleinen Vor-Ort-Veranstaltungen in den SAE Instituten.

Bei der diesjährigen Verleihung gibt es zwei Sonderpreise – den Inspiration Award und den New Talents Award. 

Richtig, wir vergeben den Inspiration Award an Menschen, die die Branche mit ihrer Arbeit nachhaltig beeindruckt haben. Ich freue mich daher, Uli Hanisch den ersten Inspiration Award zu übergeben. Er hat mit seinem Production Design für „Babylon Berlin“ und seinem Szenenbild bei „The Queen’s Gambit“ überzeugt. Er schafft es, mit seinem Bild und seinen Szenen schon die gesamte Geschichte und die Gefühlslage der Menschen dahinter zu erzählen. Sehr stolz bin ich auch auf unsere New Talents, von denen es viele im Bereich der Motion Graphics oder insgesamt im Bewegtbild gibt. Es war diesmal so, dass wir eine große Jury mit fast 30 Mitgliedern hatten. Wir konnten uns bei den New Talents einfach nicht entscheiden, weil wir so viele gute Projekte eingereicht bekommen haben. Daher haben wir fünf statt wie bisher drei Projekte in die engere Auswahl genommen.

Uli Hanisch gewinnt den diesjährigen „Inspiration Award“ von Eyes & Ears of Europe – Foto: Martin Rendel

Was erwarten sie von der diesjährigen Verleihung?

Es wird wieder eine schöne Veranstaltung. Wir haben auch diesmal tolle Projekte, die vorgestellt werden. Ich bin sehr stolz auf unsere Branche, dass auch in dieser schwierigen Zeit so viel Gutes geschaffen wurde. Ich freue mich riesig darauf!

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