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Wochenrückblick

Endlich wieder „Silke und Holger“-Content

Corona hat die Gesellschaft und damit auch die Medien im Griff. Die Flut der Streaming-Dienste sorgt für Verwirrung. Es gibt neuen Content von „Silke und Holger“ und die US-Republikaner haben was gegen die „Sesamstraße“. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Klar, die Wissenschaft hat eindrücklich gewarnt, dass es so kommen würde. Aber die Macht, mit der Corona die Gesellschaft (und damit die Medien!) wieder im Griff hat, ist dann doch erschreckend. Kaum noch ein Nicht-C-Thema, das irgendwo durchdringt. Das hängt natürlich auch mit der Dramatik des Nichtstuns der Politik zusammen. Also sind Blätter, Nachrichten und Talkshows voll mit Corona. Dass man das Thema mal besser, mal schlechter behandeln kann, ließ sich Anfang der Woche bei „Hart aber fair“ besichtigen. Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“, war als eine Art Kronzeugin der Impfskeptiker geladen, obwohl selbst geimpft, wie sie sagte. Es war so ein bisschen Flaßpöhler gegen die Mehrheitsgesellschaft. In dieser Sendung war die Mehrheitsgesellschaft vertreten durch den Journalisten Georg Mascolo (Medien), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (Politik), die Notärztin und Tübinger Pandemiebeauftragte Dr. Lisa Federle (Medizin) und der Immunologe Prof. Carsten Watzl (Wissenschaft). Zwar war sehr vieles, was Flaßpöhler sagte, extrem kritikwürdig. Ihr Gleichsetzen von Rauchern und Motorradfahrern mit Impf-Verweigerern und das von ihr propagierte „Recht auf Unvernunft“ blendet aus, dass es in der akuten Pandemielage nicht um Einzelne und ihre Rechte geht, sondern um die Allgemeinheit. Aber die Art und Weise, wie vor allem der Moderator Frank Plasberg auf sie einredete und sie – gewollt oder nicht – in die Querdenker-Ecke schob, zeigte ganz exemplarisch, wie man es auf gar keinen Fall hinbekommt, mit dem Versöhnen. Moderat war das nicht.

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Manchmal können Streaming-Dienste so verwirrend sein. Wer die vierte Staffel der Serie „Fargo“ schauen möchte, braucht kein Netflix-Abo (dort laufen die Staffeln 1 bis 3), sondern eins von Joyn Plusplusplus. Und wer auf die Fortsetzung von „Star Trek: Discovery“ scharf ist, braucht in Zukunft auch nicht mehr bei Netflix zu suchen. Die Trekkie-Reihe wird in Deutschland und anderswo künftig bei Paramount+ laufen. Noch so ein Streamer. Paramount+ hieß früher „CBS: All Access“ und hat in den USA schon immer „Star Trek: Discovery“ gezeigt. Für internationale Märkte hatte sich Netflix die Lizenz geholt und nach alter Väter Sitte so getan, als sei die Reihe ein „Original“, mit Netflix-Intro, Babamm und so. Jetzt will Paramount aber auch in anderen Ländern sein eigenes Streaming-Süppchen kochen. Bei uns wird das wohl u.a. bei Sky unterschlupfen, soll aber auch einzeln abonnierbar sein. Es wird langsam echt anstrengend, hier noch den Überblick zu behalten. Ich bin so alt, ich erinnere mich noch daran, dass mal der „Wunschfilm“ im ZDF ein Ding war. Da konnte man in der Sommer-TV-Flaute zwischen drei kultig-schlechten Streifen (u.a. „Batman hält die Welt in Atem“) per Telefon abstimmen. Das war zwar ganz schön naja, aber übersichtlich.

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Endlich gibt es wieder neuen Content aus der irren, wirren Welt von „Silke und Holger“, den beiden exzentrischen Millionärs-Besitzern der „Berliner Zeitung“. Die „Zeit“ lieferte diese Woche ein amüsantes Gossip-Stück mit neuen Variationen des Alltime-Klassikers „Die Stimmung in der Redaktion ist mies“. Mein Lieblings-Bit aus dem „Zeit“-Stück (€) ist, dass der Holger angeblich unter dem Pseudonym „ein Bewohner dieser Stadt“ und der Überschrift „Danke für nichts“ mit der Politik des scheidenden Berliner Bürgermeisters Michael Müller abgerechnet haben soll. Warum diese Zurückhaltung, Herr Friedrich? Kurz vor der Veröffentlichung der „Zeit“ meldete die DPA, dass der Berliner Verlag erstmals mit einer ausgeglichenen Bilanz „rechnet“. Das verwunderte dann doch. Wollte der Holger da vielleicht Spin-Doktor-mäßig die drohende Miesepeter-Berichterstattung der „Zeit“ mit einer Feelgood-News neutralisieren? Ich würde sagen, das ist eher so mittel gelungen. Natürlich sticht uns allen sofort ins Auge, das „rechnet mit“ noch lange nicht heißt, dass da wirklich irgendetwas ausgeglichen sein muss. Langsam wäre mal wieder Zeit für ein Manifest.

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Wenn man denkt, dass es bei uns ja ganz schön crazy zugeht, werfe man bitte einen Blick über den großen Teich, wo der republikanische CPAC-Kongress die „Sesamstraße“-Figuren explizit ausgeladen hat, weil Bibo (in den USA: „Big Bird“) sich auf Twitter Pro-Corona-Impfung geäußert hatte.

Der „Independent“-Ableger „Indy100“ schreibt:

„In case you haven’t been keep tracking of how Republicans in the United States are handling the Covid pandemic, they are currently banning Sesame Street characters from their annual political conference.

We wish we were making this up.“

Bald ist Weihnachten.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ reden sich Kollege Christian Meier und ich über Svenja Flaßpöhlers „hart aber fair“-Auftritt die Köpfe heiß. Außerdem „analysieren“ wir den Penny-Weihnachtsspot und debattieren die ersten Google-Leitungsschutz-Lizenzen mit deutschen Verlagen. Wie stets freut es mich, wenn Sie reinhören!

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