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"Die Zeit"

Bericht über Unzufriedenheit und Planlosigkeit bei „Berliner Zeitung“

Holger Friedrich – Foto: Imago / Reiner Zensen

Der „Berliner Zeitung“ geht es zwei Jahre nach der Übernahme durch Holger Friedrich und seine Frau Silke schlecht. Das legt ein Bericht in der „Zeit“ nahe. Zahlreiche aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeichnen darin ein Bild der Planlosigkeit des Verlegers. Die Arbeitsatmosphäre leide enorm, so der Tenor.

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Eine klare Strategie sei beim Verleger nicht zu erkennen: Erst wollte Holger Friedrich die Wochenend-Ausgabe der „Berliner Zeitung“ stärken, dann kürzte er ihr doch wieder das Budget. Die Online-Redaktion, Tageszeitung und Wochenendausgabe agierten seit einiger Zeit als eigenständige Gesellschaften – zum Unverständnis vieler Mitarbeiter. Die Redaktionen arbeiteten demnach in verschiedenen Stockwerken des Verlagsgebäudes, hätten kaum mehr miteinander zu tun. Dass die Tageszeitung möglicherweise sogar vor dem Aus stehen könnte, beunruhige demnach einige in der Redaktion.

Als „Klima der Angst“ beschreibt der Betriebsrat der „Berliner Zeitung“ die Arbeitsatmosphäre seit der Übernahme, wie „Die Zeit“ aus einer internen Mail zitiert. „Mehrere sagen, sie hätten nicht die leiseste Ahnung, wohin Holger Friedrich strategisch und publizistisch wolle.“ Dass der Verleger die Auflagenzahlen seiner Zeitung nicht mehr an die IVW meldet, sei dabei nur ein Grund für die Unsicherheit. Bekannt wurde jüngst, dass der Verlag erstmals mit einem ausgeglichenen Ergebnis rechnet (MEEDIA berichtete).

Mehrere Redakteurinnen und Redakteure mussten überraschend gehen

Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter schildern Friedrich als ungeduldigen, impulsiven Lenker. Mehrere Redakteurinnen und Redakteure sollen aufgefordert worden sein, das Unternehmen zu verlassen – aus finanziellen Gründen oder mangelnder „Kompatibilität zwischen Mitarbeitern und Verlag“, heißt es in dem Bericht.

In meinungsstarken, anonym veröffentlichten Artikeln soll Friedrich darüber hinaus als Eigentümer im eigenen Blatt publiziert haben. Gegenüber der „Zeit“ äußerte er sich nicht zu der Frage, ob dies die Unabhängigkeit der Redaktion gefährde.

Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der „Berliner Zeitung am Wochenende“, bezeichnet den Bericht bei „turi2“ als „tendenziös“, „einseitig“ und „unfair“. Ein Interviewangebot seinerseits an die „Zeit“ sei mit „Verweis auf den voranschreitenden Redaktionsschluss“ abgelehnt worden.

th

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