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Wochenrückblick

„Der Spiegel“ vs. Luke Mockridge – 9:1

Das „TV total“-Comeback diese Woche fiel fast so spektakulär aus wie jenes von „Wetten dass..?“ Lisa Eckhart erhitzt mal wieder die Gemüter auf Twitter. Luke Mockridge hatte mit einer ersten Klage gegen den „Spiegel“ nur überschaubaren Erfolg. Und mit steigenden Inzidenzen gibt es wieder mehr Drosten-Content. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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„TV total“ ist zurück. Und wie! Die Verve mit der Sebastian Pufpaff das „Nippelboard“ von Altmeister Stefan Raab diese Woche übernahm, nötigt einem Respekt ab. Pufpaff gab völlig angstfrei den Schreihals und Grob-Humoriker, der man als Präsentator dieser Show nun einmal zu sein hat. 27 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe und 2,86 Millionen Zuschauer gesamt können sich mehr als sehen lassen. Da vergisst man dann auch, dass der eine oder andere Einspieler doch vielleicht besser in der Mottenkiste geblieben wäre. Diese Heimvideo-Fails, bei denen einer zu „lustiger“ Sound-Untermalung auf die Fresse fliegt, müssten wegen mir nicht sein. Pufpaff hatte aber auch paar wirklich sehr gute Momente. Etwa, wenn er das Intro von Flori Silbereisen beim „Schlager-Boom“ mit den Minions oder der Sportpalastrede von Goebbels kontrastierte.

Oder als unter die geschmalzte Abschieds-Bewienerung von Julian Reichelt durch seinen „Bild“-Buddy Paul Ronzheimer die Klänge von Enyas „Only Time“ gelegt wurde. Und der Zusammenschnitt vom „Lanz & Precht“ Podcast mit Ausschnitten aus der Lanz-TV-Sendung war genial gemacht.

Was mich aber wirklich, wirklich wütend gemacht hat, war die digitale Präsentation der Sendung auf dem Portal myspass.de. Da gab es eine Preroll-Werbung und drei Werbe-Unterbrechungen mit je drei Clips. Ingesamt also zehn Werbeclips. Und jetzt kommt’s: Jeder Werbeplatz war mit exakt demselben Spot für irgend so eine Tätowier-Schmiere belegt. Zehnmal derselbe Werbespot. Während der Breaks sogar jeweils dreimal derselbe Spot direkt hintereinander. Ist das dieser Zauber der Digital-Werbung? Sind die Algorithmen wirklich so dumm? Oder ist den Verantwortlichen einfach nur alles komplett egal? Suchen Sie sich einen Grund heraus.

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Nächste Frage: Ist die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart antisemitisch? Halt! Sie sind in kein Zeitloch gefallen. Diese Frage wurde aktuell erneut, nun ja, „diskutiert“. Insofern auf Twitter irgendwas „diskutiert“ werden kann. Die Politikerin Marina Weißband und einige weitere durchaus bekannte Nasen aus dem Medienzirkus regten sich über einen aus dem Zusammenhang gerissenen Ausschnitt aus einem Eckhart-Programm auf. Darin sagt sie wörtlich: Wieso sind in Sachen Humor die Juden den Frauen zwei Nasenlängen voraus? Ich weiß es nicht.“ Die Reaktionen: „ekelhaft“, „widerwärtig“, „antisemitisch“ usw.

Auch ich kenne den Kontext, also den Rest des Programms nicht. Aber ich erkenne wohl, dass in diesem kurzen Satz drei Vorurteile/Klischees/Stereotype aneinandergereiht werden: 1. Frauen haben keinen Humor. 2. Juden sind besonders witzig. 3. Juden haben große Nasen. Eckart kombiniert das positive Vorurteil (Juden sind witzig) mit einem antisemitischen Vorurteil (große Nasen). Man könnte daraus vielleicht, nur ganz vielleicht den Schluss ziehen, wie bekloppt diese Vorurteile eigentlich sind. Wenn man denn will. Oder man nimmt die Kabarettistin beim Wort und ruft bei der bloßen Erwähnung von „großer Nase“ in Kombination mit „Juden“ laut Antisemitismus. Es ist halt immer blöd, wenn man Witze erklären muss.

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Erklärungsbedürftig waren bisweilen auch die Witze des Comedians Luke Mockridge. Zumindest seinen Bananen-Auftritt im ZDF-Fernsehgarten habe ich nie verstanden. Aktuell ist er weniger auf Bühnen und mehr vor Gericht zugange. Mockridge ist gegen die Veröffentlichung des „Spiegel“ zu seiner Person vorgegangen. Der „Spiegel“ hatte in einem großen Artikel über Vorwürfe sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigung gegen ihn berichtet, obwohl die Staatsanwaltschaft entsprechende Ermittlungen bereits eingestellt hatte. Ann-Katrin Müller, eine der Autorinnen des „Spiegel“-Textes, schrieb nun auf Twitter, dass das Landgericht Köln die Berichterstattung in neun von zehn angegriffenen Fällen für zulässig erklärt habe.

Mockridge klage nun weiter vor dem Landgericht Hamburg. Beide Gerichte stehen im Ruf, Medienrecht stark zu Gunsten der gegen Medien klagenden Seite auszulegen.

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Die Inzidenzen steigen, Christian Drosten ist zurück auf der medialen Bildfläche. Diese Woche gab es eine besonders eindrückliche Folge des „Corona Update“-Podcasts mit ihm. Die „Zeit“ hat ein ellenlanges Titel-Interview mit Drosten und auch in der „Spiegel“-Titelstory zum neuerlichen Corona-Irrsinn, taucht er prominent auf. In der „Zeit“ erneuert er auch mal wieder seine Medienkritik und äußert sich zu der doch bisweilen uneinheitlichen Stimmenlage aus der virologischen Zunft:

„Wenn aber der eine dies sagt und der andere das, wenn dann der Eindruck entsteht, bei den Virologen kann man sich den herauspicken, der gerade passt, dann ist das für das Fach schlecht.“

Drosten plädiert angesichts der prekären Lage für begrenzte Shutdowns, flächendeckendes Boostern (dritte Impfung) und Schließung der Impflücken, was letztlich auch 2G bedeuten kann. Und? Irgendein Virologe anderer Meinung? Ah:

Da isser wieder.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ spreche ich mit Kollege Christian Meier von der „Welt“ über Drostens neuerliche Medienkritik. Außerdem hecheln wir die TV-Comebacks von „Wetten dass..?“ und „TV total“ durch. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

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