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Die GAFA-Kolumne

Warum Elon Musk Scott Galloway einen „unerträglichen Dummkopf“ nennt

BigTech Weekly

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Marketing-Professor Scott Galloway hat sich über Jahre in die erste Reihe der Big Tech-Experten vorgearbeitet. Zu Unrecht: Der Bestseller-Autor („The Four“) lag bei seinen Prognosen zu oft daneben und wird nun rüde vom reichsten Mann der Welt zurechtgewiesen.

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Popcorn, bitte! Wenn sich Elon Musk auf Twitter herumtreibt, kommt dabei fast immer etwas Unterhaltsames heraus. Für manche ist Musk nach der Verstummung von Donald Trump der wohl populärste Lautsprecher des 280-Zeichen Dienstes.

So auch am vergangenen Wochenende, als der mit Abstand reichste Mann der Welt zur Abstimmung aufrief, bei der Tesla-Aktionäre in Schockstarre verfielen. „Viel wird zuletzt über Steuervermeidung gesprochen. Ich schlage daher vor, 10 Prozent meiner Tesla-Aktien zu verkaufen“, twitterte Musk am Sonntag – und löste damit erwartungsgemäß einen Kurssturz aus. 10 Prozent von Musks Tesla-Aktien besitzen schließlich einen Wert von mehr als 25 Milliarden Dollar. Man kann es also getrost die teuerste Umfrage aller Zeiten nennen, denn Musk kostete sie 50 Milliarden Dollar an (virtuellem) Nettovermögen. 

Wie Musk sein Kapital vermeintlich klüger anlegen könnte als es einfach an den Fiskus zurückzugeben, wurde schnell auf Twitter diskutiert. Bitcoin-Bulle Michael Saylor etwa schlug logischerweise eine Konvertierung in die wertvollste Kryptowährung der Welt vor, in die Musk bereits persönlich, aber auch über Tesla in beträchtlicher Höhe investiert ist. 

Auch Marketing-Professor Scott Galloway, der dank seines Beststellers „The Four“ über die vier Zugpferde von Big Tech zu einer Medienpersönlichkeit aufgestiegen ist, hatte zu Musks möglichem Moneymanagement natürlich eine Meinung auf Twitter.  „Er benutzt die Twitter-Abstimmung als Verschleierung um Teslas Kursgewinne zu monetarisieren, weil er weiß, dass sie nicht nachhaltig sind, ohne dem Markt sagen zu müssen, dass er das Vertrauen in die Bewertung verloren hat“, lehnte sich Galloway mit einer Einschätzung wieder einmal weit aus dem Fenster. 

Tatsächlich kam die Botschaft durchaus bei Musk an. Zwar antwortete der Tesla- und Space X-CEO Musk nicht direkt, dafür aber einem Nutzer, der den Screenshot aufgegriffen hatte. Elon Musk, der dafür bekannt ist, keinem Twitter-Battle aus dem Weg zu gehen, schlug in noch deutlicheren Worten zurück. „Das Gegenteil von dem zu tun, was dieser unerträgliche Dummkopf gesagt hat, wäre eine großartige Anlagestrategie“, twitterte Musk am Sonntag. 

Der Hintergrund für die happige Twitter-Watsche ist rund zweieinhalb Jahre alt. Marketing-Guru Galloway, der seine Karriere vor allem durch mutige Prognosen mit markanter Stimme und oft genug breitbeiniger Pose begründet hat, erklärte Tesla seinerzeit zum Übernahmefall. „Dies ist das Jahr, in dem die Räder von Tesla abfliegen“, legte sich Galloway damals im Podcast mit Kara Swisher fest und prognostizierte eine weitere Kurshalbierung auf heute splitbereinigt 20 Dollar (damals 100 Dollar). 

Galloway hätte falscher nicht liegen können. Denn wo notiert die Tesla-Aktie heute? Jenseits der Marke von 1000 Dollar! Ganz recht: Statt sich zu halbieren, hat die Aktie in gerade mal 30 Monaten um den Faktor 25 zugelegt. Inhaltlich hat Musk nicht nur in eigener Sache einen Punkt: Tatsächlich liegt Galloway, der so präsent wie kaum eine andere Persönlichkeit die Entwicklung von Big Tech kommentiert, so spektakulär danebengelegen wie kaum ein anderer prominenter Marktkommentator. Galloway verschätzte sich spektakulär bei Snap, Pinterest, Robinhood und auch jüngst bei seiner Kaufempfehlung von Alibaba.

Für einen Marktauguren, dessen Markenzeichen der Blick in die Zukunft ist, ist das eine kümmerliche Ausbeute. Das Problem von Scott Galloway liegt gewissermaßen bei ihm selbst – sein übergroßes Ego steht dem 57-Jährigen bei seinen Markteinschätzungen gewissermaßen im Weg. Galloway liebt den großen Auftritt, die Aneinanderreihung von historischen Vergleichen, die große Geste und die Provokation. Das macht sich allemal gut auf der Bühne der Online Marketing Rockstars, auf der Galloway ein Dauergast war oder eben im US-Fernsehen und in Podcasts, hält aber beim Abgleich mit der Realität der Wall Street viel zu selten stand, wie der Marketing-Professor nun nach der Twitter-Trollerei von Elon Musk erfahren muss. 

Galloway war im Anschluss um Schadensbegrenzung bemüht und überschüttete den Tesla-CEO mit Lobhudelei („Tolles Auto!“, „Tolles Unternehmen!“ „Ein Genie!“), bemüht der Bestseller-Autor noch mal den Bewertungsvergleich zu anderen Autoherstellern, wird aber von Twitter-Nutzern schnell auf die lange Liste seiner Verfehlungen hingewiesen, zu der auch die im Sommer gestoppte TV-Show auf Bloomberg zählt, die nach billigen Sex-Witzen erst gar nicht ausgestrahlt wurde. 

Tatsächlich erscheint er mit dem großen Sendungsbewusstsein so aus der Zeit gefallen wie eine Figur aus der „Mad Men“-Ära – ohne viel Fantasie kann man sich Galloway als Möchtegern-Don Draper vorstellen. Gegen Ende der Kultserie versinkt die Hauptfigur in eine schwere Midlife-Krise, nur um sich dann doch noch einmal neu zu erfinden. Bei Galloway würde diese Neuerfindung bei schlicht treffsicheren Analysen beginnen, aber dafür scheint der Marketing-Professor, Internetunternehmer, CNN-Gast-Moderator, Pivot-Podcaster, Buchautor und Viel-Twitterer schlicht zu beschäftigt zu sein – von allem mit sich selbst.

+++ Short Tech Reads +++

CNBC: Tim Cook ist in Bitcoin und Ethereum investiert 

Bitcoin bestimmt auch diese Woche wieder die Schlagzeilen – mit neuen Rekordhochs jenseits von 68.000 Dollar. Während die Zahl der Skeptiker hoch bleibt, befindet sich Tim Cook auf der richtigen Seite des Marktes: Der Apple-Chef ist seit Längerem in Bitcoin und Ethereum investiert, wie sich Cook gestern auf der DealBook-Konferenz der „New York Times“ entlocken ließ.

Cook erklärte, er halte Kryptowährungen seit längerer Zeit für interessant und als geeignet für einen Teil eines gut diversifizierten Portfolios. Apple plane in absehbarer Zeit aber keine direkte Krypto-Investments, stellte Cook klar, weil er nicht glaube, „dass Anleger die Apple-Aktie kaufen, um einen direkten Zugang zu Kryptowährungen zu bekommen.“

Marketwatch: Coinbase enttäuscht Wall Street-Erwartungen 

Apropos Krypto: Die größte amerikanische Handelsplattform Coinbase konnte gestern bei Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal nicht die Analystenerwartungen erfüllen, obwohl die Zuwächse im dreistelligen Bereich ausfielen. Nach 286,7 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum gingen die Umsätze auf 1,31 Milliarden Dollar durch die Decke, doch Analysten hatten mit 1,57 Milliarden Dollar gerechnet. 

Die Gewinne explodierten von 81 Millionen Dollar im dritten Quartal 2020 auf nunmehr bereits 405 Millionen Dollar, die wiederum einem Gewinn je Aktie von 1,62 Dollar entsprachen, die Konsensschätzungen lagen indes bei 1,82 Dollar je Anteilsschein. Die Folge: Ein Minus von 12 Prozent nach Handelsschluss.      

CNBC: Auch Paypal verpasst Analystenschätzungen 

Man kann es eine Quartalssaison der BigTech-Enttäuschungen nennen: Apple, Amazon und Meta haben die Wall Street bei ihrer jüngsten Bilanzvorlage enttäuscht, Microsoft und Alphabet zwar die Analystenschätzungen übertroffen, ohne davon jedoch großartig im Aktienkurs zu profitieren.

Was passiert, wenn man sich erlaubt, nicht nur die Erwartungen zu verfehlen, sondern gar die Jahresprognose zurückzunehmen, erlebte eines der wertvollsten Fintechs der Welt: Paypal kassierte die Umsatzschätzungen für das Weihnachtsquartal und das Gesamtjahr 2021 – die Aktie verlor daraufhin mehr als 10 Prozent und stürzte auf ein Jahrestief.    

+++ One more Thing: Jeff Bezos’ Twitter-Blamage +++

Vier Monate ist es her, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos seinen Chefsessel für Andy Jassy räumte. Seitdem hat Bezos für jede Menge Schlagzeilen in den Promispalten gesorgt – mal als Weltall-Tourist seines eigenen Unternehmens Blue Origin, mal als Teilnehmer in Galas wie zu Beginn dieser Woche.

Mit seiner Freundin Lauren Sanchez war Bezos am Samstag auf der Gala des Kunstmuseums Los Angeles County Museum of Art (LACMA) zu sehen – doch der Star war der 200-fache Milliardär nicht. Tatsächlich schien Bezos’ Freundin nur Augen für einen anderen Prominenten zu haben – Hollywood-Superstar Leonardo DiCaprio, der sich ein paar Sekunden mit der 51-Jährigen unterhielt. 

Körpersprache und Mimik schienen eindeutig: Sanchez schien nur Augen für den „Titanic“-Star zu haben, was entsprechend bei Twitter kommentiert wurde. Bezos schien zum Nebendarsteller degradiert und sah buchstäblich klein aus. Doch der 1,71 Meter große Amazon-Gründer konnte es dabei offenbar nicht bewenden lassen und versuchte auf Twitter, lustig zu sein. 

„Leo, komm her, ich will Dir was zeigen“, versuchte Bezos, in der wilden Natur mit nacktem Oberkörper an ein Warnschild („Gefahr! Steiles Kliff. Absturzgefahr) gelehnt, einen Pennäler-Witz, der natürlich nach hinten losging, wie sich das Netz schnell einig war. Einfach nicht witzig, Jeff…

Cheers + bis nächste Woche!   

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