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Die GAFA-Kolumne

Ist Mark Zuckerberg als Facebook-Chef noch tragbar?

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Die Flucht nach vorn ist perfekt: Als Meta will Mark Zuckerberg Facebook neu erfinden, das Metaverse soll die Zukunft des Social-Media-Giganten werden. Aber hat Mark Zuckerberg selbst noch eine?

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Die mediale Cancel Culture ist sich seit Jahren einig: Mark Zuckerberg muss weg. Endgültig! Das ist der Tenor, der sich Woche für Woche durch die gängigen Tech-Publikationen, Blogs, Podcasts und vor allem Twitter zieht. 

Facebook ist Big Techs große Boxbühne und Mark Zuckerberg der Punching Ball, auf den man einprügeln kann. Vor allem Kara Swisher, die wohl profilierteste Journalistin des Silicon Valley, hat einen nicht ganz unerheblichen Teil ihrer Karriere dafür verwendet, sich an Facebook und seinem Gründer abzuarbeiten und ihn buchstäblich zum Schwitzen zu bringen – angefangen beim legendären D8-Interview aus dem Jahr 2010, als Swisher Zuckerberg tatsächlich dazu brachte, seinen Hoodie auszuziehen.   

Seitdem sind elf Jahre vergangen, und die Krisen haben beständig zugenommen. Für Swisher ist der konstante Krisenmodus natürlich ein gefundenes Fressen, denn selten strahlt ein Journalist heller, als wenn er beim Zeitgeist auf der richtigen Seite steht und mit geschwungenen Worten den gnadenlosen Richter spielt (siehe zuletzt die Causa Reichelt oder den Fall Kimmich.)   

So drehen sich Swishers jüngste Subscriber-Only-Newsletter bei der „New York Times“ naturgemäß nur noch um ein Thema: Facebook und das Schicksal von Mark Zuckerberg. „Die Flucht ins Metaverse“ lautetet der Header des neuesten Letters, „Nach Zuckerberg“ der Vorgänger-Letter. „Der Facebook-CEO personifiziert das Leid des Unternehmens. Ist es Zeit für jemand Neuen?“, fragt Swisher weiter.

Die Antwort der „NYT“-Kolumnistin können Sie sich selbst geben. Die 58-Jährige findet, die Nachfolgediskussion sei längst entbrannt, ob Zuckerberg wolle oder nicht, sein Rückhalt in der Belegschaft würde erodieren, wie die Leaks zeigten. (Das Scherbengericht in Form von Scott Galloway kommt, teilweise seit Jahren, zum gleichen Urteil – Swishers Mentor Walt Mossberg auch.) Und natürlich werde auch das Metaverse scheitern, denn – logisch! – Mark Zuckerberg ist eben kein Steve Jobs.

Aber ist es wirklich so einfach? So sehr die öffentliche Meinung nach dem Ende der inzwischen 17-jährigen Regentschaft von Zuckerberg bei Facebook – Pardon: Meta Platforms Inc. – zu lechzen scheint, so wenig wird das mediale Echo am Ende doch darüber entscheiden. Zu sicher hat der immer noch erst 37-Jährige die Macht bei dem von ihm 2004 gegründeten Unternehmen durch die Stimmenmehrheit im Aufsichtsrat zementiert. Gegen Zuckerberg kann schlichtweg nicht entschieden werden – auch nicht für seine eigene Demission.

Der einzige Richter, der den drittreichsten Menschen der Welt zum Umdenken bringen könnte, wäre die Wall Street. Aktuell bringt es Meta auf einen Börsenwert von rund 900 Milliarden Dollar und Mark Zuckerberg auf ein Nettovermögen von 115 Milliarden Dollar. Das klingt gewaltig (und ist es auch), allein: Der Trend zeigte zuletzt deutlich nach unten. 15 Prozent hat Meta von seinen Höchstkursen eingebüßt – gegen den Markttrend, einzig und allein verursacht durch die jüngsten Enthüllungsskandale (und eine eher enttäuschende Quartalsbilanz).

Sollte die Facebook-Aktie von den Höchstkursen gar 40 bis 50 Prozent einbüßen, würde die Luft tatsächlich erheblich dünner als bisher. Bis dahin kann Zuckerberg weiter seine Vision von Metaverse vorantreiben: Je schneller er dabei vorankommt, umso sicherer sitzt der Meta-CEO (weiter) im Sattel. Nach Einschätzung von Evercore-Analyst Mark Mahaney sollten wir uns übrigens noch mindestens eine weitere Dekade auf Mark Zuckerberg als Vorstandschef einstellen: „Er dürfte Big Techs längster amtierender CEO/Gründer sein.“ Kara Swisher dürfte das – zumindest heimlich – gefallen, schließlich gibt es dann umso mehr zu schreiben…    

+++ Short Tech Reads +++

Financial Times: Apples veränderte Datenschutzeinstellungen kosten Social Media-Giganten zehn Milliarden Dollar Umsatz 

Die Einschläge waren in den Quartalsbilanzen zu spüren: Alle Social Media-Stars mussten nach Vorlage der Zahlenwerke deutlich Federn lassen. Snap, Twitter, Facebook – alle Social Media-Aktien gerieten unter Druck. Der Grund: Apples neue Privatsphäre-Einstellungen im mobilen Betriebssystem iOS, die seit dem Sommer wirksam sind. Wie massiv die Auswirkungen in Dollar und Cent sind, hat die Financial Times vorgerechnet: Dem Social Media-Trio sollen allein im letzten Quartal zehn Milliarden Dollar Umsatz durch die Lappen gegangenen sein.

Nikkei Times„: Apple kürzt iPad-Produktion um 50 Prozent 

Tim Cook hatte es bei Verkündung der jüngsten Quartalszahlen erklärt: Apple hat Lieferengpässe und bekommt längst nicht so viele Speicherchips wie gewünscht. Die Folge: Der seit vergangenem Freitag nach Microsoft nur noch zweitwertvollste Konzern der Welt setzt weniger um, als er könnte. Um das Weihnachtsgeschäft halbwegs zu retten, fährt Apple nun die iPad-Produktion drastisch herunter. Der Grund: Die Chips können in älteren iPhone-Modellen verbaut werden. Interessierte iPad-Kunden sollten sich entsprechend auf längere Wartezeiten einstellen…

WSJ„: Neue Apple Watch und iPhone könnten 2022 Autounfälle erkennen 

Nach dem iPhone ist bekanntlich vor dem iPhone. Während Apple-Mitbegründer Steven Wozniak das aktuelle Modell iPhone 13 als fast identisch mit dem Vorgänger iPhone 12 betrachtet, dürften beim Kultkonzern aus Cupertino längst die Vorbereitungen für den Nachfolger laufen, der im Herbst 2022 auf den Markt kommen dürfte. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, könnte ein neues Feature die Erkennung von Autounfällen sein, das einen gleichzeitigen Notruf auslösen können sollte. Das neue Sicherheitsfeature sei auch für die nächste Apple Watch-Generation geplant, heißt es.

+++One more Thing: Wie die AfD Elon Musk vereinnahmt +++

Elon Musk und Twitter – es ist kompliziert, garantiert aber immer unterhaltsam. In dieser Woche überraschte der Seriengründer, der durch den unaufhaltsamen Höhenflug der Tesla-Aktie über ein Nettovermögen von inzwischen 315 Milliarden Dollar verfügt, mit einer Literaturempfehlung, die er möglicherweise am Rande seines Besuchs zur Eröffnung der Gigafactory in Grünheide erhalten hat.

„Habe fast Jüngers ‚In Stahlgewittern‘ durchgelesen. Intensiv. Großartiges Buch“, twitterte Musk am Montag. Ernst Jüngers erster Roman über die Schrecken des Ersten Weltkriegs ist zur Weltliteratur geworden, wird aber bis heute ambivalent diskutiert. Es fallen Sätze wie „Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche“.

Wie oft im Twitterversum folgte das Absehbare: Der Tweet wurde politisch instrumentalisiert – von der AfD. „Einen von uns“ wollte ein AfD-Vorsitzender erkannt haben – eine Vereinnahmung, die sich Elon Musk wohl gern erspart hätte, sofern er sie denn mitbekommen hat, was unwahrscheinlich genug ist. Doch das Netz schaut bekanntlich genau hin und hatte gestern sein Twitter-Thema.

Cheers + bis nächste Woche!

   

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