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Streaminganbieter legt gute Zahlen vor

Werbeeinnahmen steigen bei Spotify nach Podcast-Offensive stark an

Foto: Imago/onw-images

Spotify kann sich über steigende Abozahlen und wachsende Werbeeinnahmen freuen. Gleichzeitig will der Streamingdienst Radiosender und Verlage davon überzeugen, ihre Inhalte auf die Plattform zu stellen.

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Der Musikstreaming-Marktführer Spotify erntet die ersten Früchte seiner Podcast-Offensive. Im vergangenen Quartal sprangen die Werbeerlöse im Jahresvergleich um 75 Prozent auf 323 Millionen Euro. Ihr Anteil am gesamten Spotify-Geschäft stieg damit von gut 9 auf rund 13 Prozent. Spotify hatte in den vergangenen Monaten mit Zukäufen und Exklusiv-Deals viel in den Ausbau des Podcast-Angebots investiert.

Die Abo-Erlöse stiegen im dritten Quartal um 22 Prozent auf rund 2,18 Milliarden Euro, wie das Unternehmen aus Stockholm am Mittwoch mitteilte. Spotify hat nun 172 Millionen Abo-Kunden, 7 Millionen mehr als vor drei Monaten. Auf die kostenlose Version mit Werbung greifen 220 Millionen Nutzer zu, ein Zuwachs von 10 Millionen im vergangenen Quartal. Zum Jahresende rechnet Spotify wie bisher mit bis zu 181 Millionen Abo-Kunden und 407 Millionen Nutzern insgesamt.

Der Spotify-Konzernumsatz wuchs um 27 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der Erlös pro Abo-Kunde legte um vier Prozent auf 4,34 Euro zu. Der Wert war zuletzt unter Druck angesichts des Ausbaus des Geschäfts in Ländern mit günstigeren Preisen und Rabattaktionen.

Unterm Strich verbuchte Spotify einen Quartalsgewinn von zwei Millionen Euro – nach roten Zahlen von 101 Millionen Euro ein Jahr zuvor. In den vergangenen Jahren drückten Steuern auf die Vergütung von Mitarbeitern mit Aktien vor allem im Heimatmarkt Schweden die Gewinne. Mit einem gesunkenen Aktienkurs seien diese Steuern zuletzt aber niedriger als erwartet ausgefallen, erklärte Spotify.

Spotify gilt als die klare Nummer eins im Musikstreaming-Geschäft vor Apple. Der iPhone-Konzern hatte in seinem Dienst Apple Music im Sommer 2019 mehr als 60 Millionen Abo-Kunden – und nannte seitdem keine neuen Zahlen. Apple verzichtet anders als Spotify auf eine Gratis-Version und besserte sein Angebot jüngst mit Musik in besserer Qualität und räumlichem Mehrkanalton auf.

Spotify-Europachef will mehr Medien auf die Plattform locken

Parallel zu der Präsentation der Zahlen, hatte Spotify-Europachef Michael Krause bei den Medientagen München einen Auftritt. Im Wettbewerb um den wachsenden Audiomarkt will der Streaminganbieter Radiosender und Verlage noch mehr auf seine Plattform ziehen. „Wir sehen uns eher wie einen Browser für Audio“, sagt Spotify-Europachef Michael Krause. 

Spotify habe sich von einer reinen Musikstreaming-Plattform zu einem System für Musik und Podcasts mit vielen Inhalten und Anbietern gewandelt. „Da ist noch viel Möglichkeit für privates und öffentlich-rechtliches Radio, das auch zu nutzen“, sagte Krause. Ein neuer Anbieter im Audiobereich seien auch Verlage mit ihren Podcasts. Gerade im Lokalen etwa gebe es da „tolle relevante Inhalte“.

Deutschlandradio-Programmdirektorin Jona Teichmann nannte Spotify Partner und Wettbewerber zugleich. „Wir sind Partner, aber wir sind auch Konkurrenten“, sagte sie. „Möglicherweise irgendwann werden wir nur noch Konkurrenten sein.“

Deutschlandradio habe sich früh entschieden, mit Inhalten auf Spotify zu gehen. „Wir gehen dahin, wo die Leute sind“, sagte Teichmann für den öffentlich-rechtlichen Sender. Auch die Geschäftsführerin von RTL Radio Deutschland, Nina Gerhardt betonte: Der Knackpunkt sei, die Inhalte auf neuen mobilen Ausspielwegen anzubieten. „Wir müssen dort sein, wo die Menschen uns hören wollen.“

Zur Zukunft der Kooperation mit Spotify sagte Teichmann: Die Plattform sei wichtig, um an ein bestimmtes Publikum heranzukommen. „Und wenn das dann nicht mehr ist, dann ist die Plattform auch nicht mehr wichtig.“ Entscheidend sei zudem letztlich die Qualität des Angebots. „Ich glaube auch, ein Audio ist nicht erfolgreich wegen der Plattform, sondern wegen des Inhalts und der Machart.“

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