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"Hämische Berichterstattung"

Holger Friedrich zum Fall Springer und zum BDZV

Holger Friedrich – Foto: Imago / Reiner Zensen

Es gibt mal wieder eine Wortmeldung von Holger Friedrich, dem Verleger der „Berliner Zeitung“. Im eigenen Blatt veröffentlichte er eine lange Abhandlung zur Causa Döpfner und Springer mit besonderem Augenmerk auf den BDZV. Für Friedrich legt die Affäre rund um die SMS des Springer-CEOs die „reformunwillige Struktur“ des BDZV offen.

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Holger Friedrich beginnt seinen Text (€) mit dem Bekenntnis, dass er als Verleger in die redaktionellen Abläufe eingegriffen habe. Offenbar eine Anspielung auf die Kritik gegen Verleger Dirk Ippen, der die Veröffentlichung der Recherche zum Falle Reichelt in seinen Medien gestoppt hatte. Friedrich wiederum erklärt, er habe seine Redaktionen gebeten, dass sie sich nicht „in den Kanon der mitunter hämischen Berichterstattung deutscher Titel einreihen“.

Im Folgenden versucht er sich dann an einer Analyse, bei der er die Rolle des BDZV in den Mittelpunkt rückt. „Was wir aktuell lesen, insbesondere von Protagonisten, die sich im Zusammenhang um die weitere Eignung von Herrn Döpfner als BDZV-Präsidenten äußern, offenbart Symptome, deren Ursachen viel tiefer liegen“, schreibt Friedrich in seiner „Berliner Zeitung“. Alles, was die „New York Times“ zu dem geschassten Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt und Springer geschrieben habe, sei seit Jahren bekannt. Döpfners zurückliegende Wahl zum BDZV-Präsidenten mit hundertprozentiger Zustimmung sei eine „explizite Bestätigung des Status quo“ gewesen. Die Wahl „wirkte wie eine Manifestation, dass doppelte Standards im deutschen Zeitungsgewerbe weiter akzeptiert werden“, so Friedrich. Und weiter: „Keiner der Verleger und auch nicht eine anwesende Verlegerin störte sich an den Sitten und Gebräuchen im Hause Springer.“

Die Wortmeldungen aus Verbandsreihen, die Döpfners private SMS scharf kritisierten, zeigen laut Friedrich „eine partiell reformunwillige Struktur, die an Formaten, Kulturen und Modellen festhält, die in einer aufgeklärten, wettbewerbsorientierten und globalisierten Welt ihre Wirksamkeit zu verlieren drohen“.

Der Berliner Verleger mahnt an, „im BDZV die Gestaltung offener Ökosysteme oder den Datenschutz unter Berücksichtigung erweiterter technologischer Möglichkeiten zu diskutieren“. Man könne zudem „ergebnisoffen diskutieren, welche Anpassungen des Werte- und Regelkanons für eine aufgeklärte plurale Gesellschaft angeraten zu sein scheinen“. In seinen typisch geschraubten Formulierungen fordert Friedrich eine Reform des BDZV und der Journalistenausbildung in Deutschland. Beides ist für ihn in gestrigen Denkmustern erstarrt. Ob Döpfner als BZDV-Präsident eine solche Transformation vorantreibe oder Madsack-Chef Thomas Düffert ist für Friedrich irrelevant. Wichtig sei nur, dass die Transformation in Gang komme.

Holger Friedrich und der BDZV – das Verältnis ist nicht frei von Verspannungen. Bereits nach der Übernahme des Berliner Verlags durch das Ehepaar Friedrich äußerte sich der damalige Neu-Verleger sehr kritisch zu dem Verband. Man habe verstanden, dass ihre Kompetenz im BDZV nicht willkommen sei, sagte Friedrich damals in einem Interview. Darum stelte er auch keinen Mitgliedantrag, sondern lieber bei Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien).

swi

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