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"Würden Text weiterhin veröffentlichen"

„FR“ erklärt sich solidarisch mit Ippen.Investigativ

Thomas Kaspar ist Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" –

Nachdem Verleger Dirk Ippen die Veröffentlichung eines Artikels zu Machtmissbrauchs-Vorwürfen gegen „Bild“-Chef Julian Reichelt gestoppt hat, bekommt er verstärkt Gegenwind aus dem eigenen Haus. Die Redaktion der „Frankfurter Rundschau“, die zur Ippen-Gruppe gehört, erklärt sich öffentlich solidarisch mit den Investigativ-Kollegen.

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„Wir würden den Text weiterhin veröffentlichen“, heißt es in einer Erklärung, die von der Redaktion der „Frankfurter Rundschau“ gezeichnet ist. Weiter heißt es in der Erklärung: „Wir, die Redaktion der ‚Frankfurter Rundschau‘, halten fest: Das Verbot widerspricht allen Regeln der unabhängigen Berichterstattung. Die Entscheidung verletzt den Grundsatz der Trennung von Redaktion und Verlag. Wir unterstützen den Protestbrief des Investigativ-Teams an Verleger Dirk Ippen. Redaktionelle Unabhängigkeit ist die unabdingbare Grundlage für Qualitätsjournalismus, Vertrauen ist ihr wertvollstes Gut. Dieses darf niemals verletzt werden.“

Wie „Übermedien“ berichtete, hatte Ippen persönlich auf einer Gesellschafterversammlung vergangenen Donnerstag verfügt, dass der Text nicht erscheinen soll. Ursprünglich war geplant gewesen, dass der Artikel, der neue Details zu den Vorwürfen gegen Reichelt enthalten soll, am gestrigen Sonntag konzertiert in verschiedenen Ippen-Medien veröffentlicht wird. Gegenüber MEEDIA rechtfertigte Dirk Ippen seine Entscheidung: „Es gehört für mich zu den ältesten Grundsätzen des Journalismus, dass bei Berichten über Wettbewerber auch der Anschein vermieden werden muss, es könnten neben publizistischen auch wirtschaftliche Motive hinter einer Kritik am Wettbewerber stehen.“ Ippen bringt auch die Münchner Boulevardzeitung „TZ“ heraus, die in Konkurrenz zur „Bild“ steht.

Der Fall sorgte am Montag für breite Aufmerksamkeit in der Medienszene. Statt in den Ippen-Medien berichtete am Sonntag die „New York Times“ ausführlich über neue Details aus dem Ermittlungsverfahren gegen Reichelt. Auch der Berichterstattungs-Stopp von Dirk Ippen fand Erwähnung in dem „NY Times“-Artikel. Das Team von Ippen.Investigativ hatte gegen die Entscheidung des Verlegers protestiert.

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