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The Unsocial Network

Facebook braucht staatliche Kontrolle

Aufmaacher Facebook-Kommentar

Und die nächste Baustelle: Die Republikanerin Lori Trahan erinnert Facebook an die Aussperrung von Donald Trump und seines Werbeteams – Foto: Imago / UPI Photo

Datenlecks, Vorwürfe unethischen Verhaltens, immer wieder Hassrede. Facebook kommt aus den Negativ-Schlagzeilen einfach nicht heraus. Muss das Social Network zerschlagen werden?

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Sie kriegen es einfach nicht in den Griff. Gerade hat man die Meldung getippt, dass Facebook längst weiß, dass Instagram für viele weibliche Jugendliche psychisch schwierig sein kann, da trudeln nacheinander Meldungen über ein Anti-Facebook-Buch, das gigantische Datenleck und die Whistleblowerin rein. Und dann darf das Werbeteam von Donald Trump auch noch weiter Anzeigen schalten, obwohl der Ex-Präsident längst ausgesperrt wurde. Gefühlt könnte man jeden Monat ein ganzes Heft mit Facebook füllen.

Frank Puscher

Wenn Facebook nicht aus eigener Kraft skandalfrei wird, sind Marken und am Ende der Staat gefragt, meint MEEDIA-Redakteur Frank Puscher – Illustration: Bertil Brahm

Ich glaube an das Gute im Menschen und daher fällt es mir schwer in den Chor einzustimmen, der behauptet, dass Facebook vieles „vorsätzlich“ macht oder „absichtlich“ laufen lässt, nur um mehr Geld zu verdienen. Aber dann kann der logische Schluss nur sein, dass immer wieder Fehler passieren. Und mich beschleicht das Gefühl, dass die Verantwortlichen das einfach nicht mehr in den Griff kriegen. Die Büchse der Pandora ist inzwischen so weit offen, da passt längt kein Deckel mehr drauf.

Wie sonst ist zu erklären, dass schon wieder der Vorwurf im Raum steht, man habe soziale Verantwortung hintangestellt, um möglichst viel Engagement und damit Werbeeinnahmen zu bekommen. Heute sind es falsche Schönheitsideale, vor 14 Monaten war es Rassismus. 150 Marken drehten spontan ihren Werbegeldhahn zu. The Unsocial Network.

Ich wurde von einem Kollegen gefragt, ob man Facebook zerschlagen soll. Spontan wehrt sich alles in mir dagegen. Ich war selbst sehr früh auf Facebook. Ich habe Kollegen immer wieder dafür kritisiert, dass sie sich zu wenig mit dieser neuen Mediengattung beschäftigen. Ich habe meinen Söhnen die Nutzung nie reguliert. Allerdings sind die beiden jüngeren auch längst medial weitergezogen – für sie ist Facebook laaaangweilig.

Aber Instagram und WhatsApp gehören ja auch zum Konzern. Und es ist nicht nur der Schlankheitswahn, es ist der permanente Gruppendruck, die Mobbing-Gefahr, der öffentliche Pranger. Die Tatsache, dass Verfolgte in Afghanistan nur noch über Social Media kommunizieren und Hilfe rufen können, reicht für mich nicht mehr als Rechtfertigung dafür, dass Neonazis und Querdenker versuchen, um meine Kinder herum eine Filterblase aufzubauen. Denn die Filterblase, die einst als Empfehlungssystem begann, dann zur Personalisierung von Inhalten (und Werbung) mutierte, ist heute eine der stärksten Ursachen für die mitunter brutale Polarisierung unserer Gesellschaft. Aus dieser Verantwortung können sich Netzwerke mit Milliarden Nutzern nicht wegstehlen. Und wenn sie es nicht schaffen, müssen zuerst verantwortungsbewusste Marken ihre Budgets abziehen. Wenn das nicht reicht, muss der Staat eingreifen. Vielleicht zunächst mit einer Klarnamenpflicht und zu beweisendem Mindestalter. Und wenn das auch nicht reicht, dann will ich Facebook und Instagram nicht mehr haben.

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