Anzeige

Streaming-Siegeszug an der Börse

Universal Music gelingt Europas Börsengang des Jahres

Foto: Universal

Violinen am Börsenhimmel: Die Universal Music Group hat heute an der Euronext ein überraschend starkes Börsendebüt hingelegt. Am ersten Handelstag schossen die Aktien um 36 Prozent in die Höhe.

Anzeige

Die Musik spielt wieder. An der Amsterdamer Börse startete die Aktie der Universal Music Group heute um 36 Prozent über dem Ausgabekurs. Nachdem die Anteilsscheine des weltgrößten Musiklabels noch zu Kursen von 18,50 Euro an zeichnungswillige Aktionäre zugeteilt wurden, beendete die Aktie heute bei Notierungen von über 25 Euro den ersten Handelstag an der Euronext.

Das IPO stellt eine spektakuläre Kehrtwende zu den Jahren des Niedergangs in den vergangenen zwei Dekaden dar. In den Nullerjahren war die erfolgsverwöhnte Musikindustrie durch die neuen Verbreitungswege über das Internet unter Druck geraten. Die CD hatte ausgedient, der Siegeszug des Internets und damit verbunden die MP3-Distribution hatte begonnen. Als Steve Jobs der darbenden Branche 2004 in Form des iTunes Music Stores einen Rettungsanker hinwarf, war der Gewinn nur dem wiedererstarkten Techpionier gewiss. 

Streaming-Boom leitet Label-Comeback ein

„Das wird als Wendepunkt für die Musikbranche in die Geschichte eingehen“, war sich Jobs sicher. Die Prophezeihung des Apple-Gründers stimmte – nur nicht wie es sich die verzwergten Major Labels gewünscht hatten. Der Schulterschluss mit der Popkultur half vor allem Apple, mehr iPods und später iPhones zu verkaufen, während die selektiven Downloads die Umsätze der Musikindustrie pulverisierten.

Doch dabei blieb es bekanntlich nicht. Der Siegeszug der Streaming-Anbieters Spotify, der ganze Alben und Künstlerbibliotheken zum Anhören bereitstellte, brachte auch Apple zum Umdenken. 2015 launchte der iKonzern mit Apple Music sein eigenes Streaming-Angebot, nachdem Amazon und Google mit ihren Streaming-Angeboten vorgeprescht waren.

Musiklabels generieren 80 Prozent der Umsätze durch Streaming-Erlöse

Die drei Majorlabels Universal, Warner Music und Sony Music bekamen plötzlich unerwarteten Rückenwind von Big Tech. So werden inzwischen 80 Prozent der Umsätze durch die Vergütungen der Streaming-Plattformen generiert. Die neuen Erlösströme führten zu rasantem Umsatz- und Bewertungswachstum.

Warner Music etwa, das 2011 nach einem Jahrzehnt des Niedergangs vom Private Equity-Investor Access Industries für gerade noch 3,3 Milliarden Dollar übernommen wurde und auf das an der Börse ein Delisting folgte, feierte im vergangenen Jahr mit einer bemerkenswerten Bewertung von über 13 Milliarden Dollar das Kapitalmarkt-Comeback.

Universal und Warner Music mit hohen Börsenbewertungen

Nach dem gleichen Muster debütierte heute die Vivendi-Tochter Universal Music. Das ruhmreiche Label, das Künstler wie Drake, Taylor Swift, Lady Gaga oder die Beatles unter Vertrag hat, konnte nämlich beim heutigen Börsengang alle Markterwartungen übertreffen.

Auf Schlusskursbasis wird das 26 Jahre alte Musikunternehmen, das seinen Ursprung in der 1995 erfolgten Fusion der Labels Music Corporation of America (MCA) und Seagram  hat, nämlich bereits mit stolzen 45 Milliarden Dollar bewertet. Es war gleichzeitig das größte IPO an einer europäischen Börse in diesem Jahr. Auch Warner Music profitierte vom Bewertungsschub des Konkurrenten: Die Anteilsscheine legten heute um 12 Prozent zu und kletterten auf ein Allzeithoch. Warner Music wird inzwischen mit mehr als 23 Milliarden Dollar bewertet.

Anzeige