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Medienkonferenz in Hamburg

Scoopcamp mit Keynote von Ex-„Guardian“-Chefredakteur Alan Rusbridger gestartet

Ex-"Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger mit Journalist und Moderator Constantin Schreiber – Foto: Screenshot

Das Scoopcamp, veranstaltet von Next.Media Hamburg und der DPA, ist am Mittwoch mit einer Keynote von Ex-„Guardian“-Chefredakteur Alan Rusbridger gestartet. Moderiert wird Tag Eins von Constantin Schreiber. MEEDIA ist Partner der Veranstaltung.

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Ein bisschen ist Alan Rusbridger am Ende die Zeit ausgegangen. Das dürfte unter anderem am komplexen Thema liegen, dem er sich in seiner Keynote gewidmet hat: die Generation Z. „Jede Generation ist anders als die zuvor. Aber die Gen Z ist ganz besonders anders, weil sie die erste digitale Generation ist“, sagte Rusbridger etwa. Aber er sagte auch: „Wir haben erst damit begonnen, zu verstehen, wie die Generation tickt.“

Scoopcamp-Livestream auf Youtube

Auf der Generation Z – diejenige Alterskohorte, die laut dem Pew Research Institute zwischen 1997 und 2010 geboren wurde – liegt ein Fokus des diesjährigen Scoopcamps in Hamburg, das von Next.Media Hamburg und der DPA organisiert wird. MEEDIA ist Partner der Veranstaltung, die am ersten Tag von Journalist und „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber sowie an Tag 2 von der Journalistin und Leiterin von ThinkAudio, dem Audiolab des NDR, Johanna Leuschen moderiert wird.

Rusbridger jedenfalls versuchte sich in seinem Vortrag einerseits der Generation Z, ihrer Lebensrealität und ihren Wünschen zu nähern. Dafür identifizierte der ehemalige Chefredakteur des „Guardian“ unter anderem ihre größten Anliegen. Auf Platz Eins sieht Rusbridger, einer entsprechenden Studie folgend, die Zukunft des Planeten, gefolgt von einer – angeblich, muss man sagen – wachsenden Ungleichheit in der Welt und globalen politischen Unruhen und Kriegen. „Medien müssen sich die Frage stellen, ob sich ihre Berichterstattung mit dem deckt, was die Generation Z umtreibt“, so Rusbridger, der seinen Vortrag auf Englisch hielt.

Und weil das so ist, hatte der Journalist gleich einige Empfehlungen im Gepäck. Unter anderem, so Rusbridger, sollten Quellen nicht nur genannt, sondern auch verlinkt werden, und Journalisten ihre Arbeit insgesamt transparenter machen. Authentizität war ein weiteres Stichwort: „Geben Sie auch zu, was sie nicht wissen“, so Rusbridger. Außerdem plädierte er dafür, Journalismus und Politik nicht zu vermischen. Und noch etwas war auf einer der Folien seines Vortrags zu lesen: „Hören Sie auf damit, Zeit für Dinge zu verschwenden, die keine Rolle spielen.“

„Beiträge müssen Lebenswirklichkeit widerspiegeln“

Im Anschluss an Ruspridgers Keynote diskutierten Isabell Beer (Funk), Annelie Naumann („ZDF Magazin Royale“), Achim Pollmeier (ARD-Magazin „Monitor“) und Steffen P. Walz, Game-Designer, Wissenschaftler und Berater, darüber, wie man die Jugendlichen erreichen kann. Interessant ist der Ansatz von Walz, der mit seinem Team Spiele entwickelt, in denen man beispielsweise – simuliert freilich – in kürzester Zeit möglichst viele Follower auf Twitter einsammeln muss. Durch derlei will Walz Jugendliche unter anderem dafür sensibilisieren, welche Prozesse bei der Social-Media-Nutzung ablaufen.

Er plädierte unter anderem dafür, im Journalismus auch offen zu sein für unkonventionelle Kanäle wie Games: „Die Grundherausforderung ist, digital sprechen zu müssen”, so Walz, „nicht mehr zu fragen, wie bringen wir Formate, die existieren und funktionieren, Eins zu Eins wohin, das ist die falsche Denke.“ Sondern: „Wie kooptieren wir diese Welt? Wie schaffen wir es, auch News, auch seriöse Formate, ernste Formate, so rüber zu kriegen, dass sie Menschen erreichen?“

Darin waren sich die Panel-Teilnehmer alles in allem einig. „Beiträge müssen die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen widerspiegeln. Das wird häufig vergessen“, sagte etwa Isabell Beer von Funk. Und Annelie Naumann, Investigativ-Journalistin beim „ZDF Magazin Royale“, ergänzte: „Ich glaube schon, dass es (Jugendliche zu erreichen Anm. d. Red) davon abhängig ist, wie man Themen aufbereitet.“ Wichtig sei allerdings, nicht nur Grundlegendes zu vermitteln, sondern auch zu überraschen. Pollmeier von „Monitor“ wiederum merkte an, dass „wir die Leute ständig erreichen, ohne das zu merken. Das letzte Rezo-Video hatte zum Beispiel zwei Belegquellen von ‚Monitor'“. Diese Erreichbarkeit stärker sichtbar zu machen, sei ein weiterer wichtiger Punkt.

Alle weiteren Programmpunkte von Tag 1 sowie alle Programmpunkte von Tag 2 können Sie hier einsehen. Der Vortrag „Ist das ein Fake? Die wichtigsten Tipps für die 5-Minuten-Recherche“, der für Mittwoch, 14.15 Uhr angesetzt war, entfällt.

bek

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