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Die GAFA-Kolumne

HelloFresh und Zalando: Deutschlands Internetstars kommen in erster Börsenliga an

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Willkommen im Club: Gleich drei Internetpioniere aus dem Brutkasten der Samwer-Brüder sind künftig im Dax vertreten. Big Tech made in Germany kommt endlich im Mainstream an.

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Erinnern Sie sich noch an Robert T-Online? Nun gut, dafür muss man inzwischen zum älteren Semester zählen. Tatsächlich so spleenig warb die Deutsche Telekom vor dem Börsengang ihrer Internettochter T-Online, die beim Börsengang im Frühjahr 2000 auf einen Schlag 2,7 Milliarden Euro erlöste und aus dem Stand eine zweistellige Milliardenbewertung aufrief.

Um die Jahrtausendwende schien der Goldrausch der jungen Internetbranche keine Grenzen zu kennen – vieles davon erinnert heute an die Euphorie um Kryptowährungen. Es folgte indes ein Jahrzehnt der herben Rückschläge. T-Online etwa verschwand sechs Jahre später zu nicht einem Viertel des einstigen Ausgabekurses vom Börsenparkett und wurde  in den Mutterkonzern reintegriert. (Robert T-Online war bereits Jahre zuvor als eines der wohl peinlichsten Testimonials des 21. Jahrhunderts schnell Geschichte.)   

In Deutschland wurde es relativ still um das Potenzial des neuen Wundermediums. Die großen Erfolgsstorys schienen weiter nur das Silicon Valley zu schreiben. Apple feierte in den Nullerjahren mit iPod und iPhone seine Reinkarnation. Erst Google, dann Facebook stiegen zeitgleich zum next big thing der boomenden Internetbranche auf, während hierzulande Studi VZ nach einem kurzen Höhenflug schnell wieder verglühte.

Und doch: In der hochgehypten Hauptstadt, die Hipster aus aller Herren Länder anlockte,  schickte sich eine neue Gründergeneration unter tatkräftiger Unterstützung der Samwer-Brüder an, an europäischen Internetchampions zu basteln. 2008 wurde der Modeversender Zalando nach dem Vorbild von Zappos gegründet, 2011 der Lieferdienst Delivery Hero und der Kochboxenversender HelloFresh.     

Es dauerte, bis das Internet der Dienstleistungen abhob und im Mainstream ankam – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie, die mit ihren Lockdowns als Beschleuniger wirkte. Im vergangenen Jahr wuchsen die drei Berliner Internetpioniere kräftig: Zalando verbuchte ein Plus von 23 Prozent auf bereits 8 Milliarden Euro, Delivery Hero konnte den Umsatz auf 2,8 Milliarden Euro um 95 Prozent steigern, während HelloFreshs Erlöse gar um 108 Prozent auf 3,75 Milliarden Euro explodierten.

Lohn des spektakulären Siegeszugs: Nach Delivery Hero, das bereits vor einem Jahr in den Dax aufgestiegen ist, sind künftig auch Zalando und HelloFresh in der ersten deutschen Börsenliga vertreten. Möglich wird dies durch eine Index-Aufstockung von 30 auf 40 Konzernen.  

Nachdem die Softwareschmiede SAP über Jahrzehnte der einzige Techlichtblick in der Republik war, stellt allein die deutsche Hauptstadt drei nationale Internetchampions, die zusammengenommen bemerkenswerte 74 Milliarden Euro wert sind (HelloFresh 16 Milliarden, Zalando 25 Milliarden, Delivery Hero 33 Milliarden Euro)! In anderen Worten das Berliner Intenettrio ist bereits so viel wert wie die Deutsche Post oder Daimler.    

Voilá: In der dritten Dekade des 21. Jahrhunderts hat auch Deutschland endlich seine BigTech-Stars!

+++ Short Tech Reads +++

MacRumors: Apples iPhone-Event findet am 14. September statt

Alles wie erwartet: Gestern gingen die Einladungen zu Apples mit Hochspannung erwartetem Presse-Event raus, das wie gemutmaßt am nächsten Dienstag, den 14. September, um 19 Uhr deutscher Zeit stattfindet. „California streaming“ lautet die eher nichtssagende Einladung in Anlehnung an den The Mamas & The Papas-Hit. Fest scheint immerhin zu stehen, dass Apple eine Serie neuer iPhones  und Apple Watches vorstellen dürfte.    

The Verge: Twitter testet neues mobiles Timeline-Design im Insta-Look 

Öfter mal was Neues: Gerade mal einen Monat nachdem Twitter den Stories-Klon Fleets wieder verworfen hat, testet der 280-Zeichen-Dienst an einem anderen Feature, das Nutzern von Instagram her bekannt vorkommt: dem Bildschirm-füllenden Edge-to-Edge-Design mit Fotos und Videos. Ein Eingeständnis von Jack Dorsey, dass das visuelle Wohlfühlnetzwerk aus der Facebook-Familie mehr richtig macht als Twitter? 

AppleInsider: Apple Pay wird von 94 Prozent der US-Nutzer nicht im Laden verwendet

+++ One more Thing: Bitcoin verliert im Flashcrash 10.000 Dollar +++

Haben Sie inzwischen in Krypto investiert oder bleiben Bitcoin & Co. Teufelszeug für Sie? Keine Frage: Kryptowährungen sind die volatilste Anlageklasse des Jahres. Der Bitcoin-Kurs ist im ersten Quartal massiv gestiegen, im Frühjahr erdrutschartig wieder auf das Startniveau des Jahres abgestürzt, hat dann aber ab dem Sommer bis zu Wochenbeginn ein furioses Comeback auf fast 53.000 Dollar gefeiert.

Haben Sie inzwischen in Krypto investiert oder bleiben Bitcoin & Co. Teufelszeug für Sie? Keine Frage: Kryptowährungen sind die volatilste Anlageklasse des Jahres. Der Bitcoin-Kurs ist im ersten Quartal massiv gestiegen, im Frühjahr erdrutschartig wieder auf das Startniveau des Jahres abgestürzt, hat dann aber ab dem Sommer bis zu Wochenbeginn ein furioses Comeback auf fast 53.000 Dollar gefeiert.

Also bald wieder neue Allzeithochs in Sicht? Nicht so schnell dachten sich wohl einige Bitcoin-Wale, die gestern im großen Stil Kasse machten. Ausgerechnet am Tag der offiziellen Währungseinführung des Bitcoin in El Salvador ereignete sich ein Flashcrash-artiger Kurssturz, der nicht nur den Bitcoin mal eben um knapp 10.000 Dollar (19 Prozent) kollabieren ließ, sondern den gesamten Kryptomarkt mit in die Tiefe riss. Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum etwa stürzte binnen nicht einmal einer Stunde von 3900 auf 3100 Dollar.

Der Eindruck mag kurzlebig sein, doch wie heißt es so schön im großen Buch der Börsenbonmots?

1.) An den Kapitalmärkten bekommt jeder mal recht (auch Bitcoin-Gegner Peter Schiff)

2.) Einstiegschancen kommen immer wieder. Man muss sie aber auch irgendwann nutzen.   

In diesem Sinne: Cheers + bis nächste Woche!

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