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Die GAFA-Kolumne

Tim Cook, Apples Mister 1.200 Prozent

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Apple und Tim Cook: Was rucklig begann, ist zur größten Liebesbeziehung der Wall Street geworden. In den zehn Jahren unter Cooks Ägide als CEO konnte Apple seinen Marktwert um mehr als zwei Billionen Dollar steigern. Wie ist Cook das Kunststück gelungen?

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Hand aufs Herz: Was haben Sie Tim Cook zugetraut, als feststand, dass er Steve Jobs beerben würde? Ich war seinerzeit skeptisch, ob Steve Jobs’ rechte Hand in die Fußstapfen seines überlebensgroßen Mentors würde treten können. Die Wall Street war es auch: Die Apple-Aktie verlor in Reaktion auf die Stabübergabe sofort fünf Prozent an Wert.

Rund zehn Jahre ist das jetzt her. In der vergangenen Woche jährte sich bereits das lange Zeit kaum für möglich gehaltene Jubiläum: Ja, Tim Cook führt Apple als CEO tatsächlich bereits seit über einer Dekade. Und das nach jeder Lesart höchst erfolgreich.

Der Umsatz verdreieinhalbfachte sich in der Zehnjahresfrist, der Gewinn vervierfachte sich fast. Noch besser waren Aktionäre dran: Wer zu Beginn der Tim Cook-Ära 10.000 Euro in Apple-Aktien investiert hatte, hätte heute über 130.000 Euro im Depot.

Ganz recht: Tim Cook kann auf Euro-Basis eine Wertsteigerung von über 1200 Prozent in zehn Jahren vorweisen (die Dividendenzahlungen noch nicht mitberücksichtigt) – ein Fabelwert, den wohl kaum einer dem zurückhaltenden Südstaatenmann zugetraut hätte.

Wie ist der beeindruckende Wertzuwachs zu erklären? Eben nicht nur mit dem Kerngeschäft, das sich um den Faktor drei bis vier wuchs, damit aber deutlich hinter der phänomenalen Entwicklung der Aktie zurückbleibt. Tatsächlich hat Apple in der Tim Cook-Ära mit der Apple Watch auch lediglich eine große neue Produktkategorie erfunden und mit den AirPods einen echten Überraschungshit gelandet. In die Servicesparte wurde massiv investiert, Innovationen im Sinne von iPod, iPhone oder iPad sind die neuen Angebote Apple Music, Apple TV+, Apple Arcade und Apple News+ indes kaum. 

Die gerne unterschlagene Meisterschaft des Tim Cook liegt tatsächlich in der Kunst der Wertsteigerung des Unternehmens, die dem heute 60-Jährigen mit dem größten und mutigsten financial engineering in der Geschichte der Kapitalmärkte gelungen ist. Apple begann unter Cook eigene Aktien zurückzukaufen und eine Dividende auszuschütten. Im Zuge der Kapitalrückführungsmaßnahmen, die sich höchst stimulierend auf die Aktienperformance auswirkten, hat Cook mehr als eine halbe Billion Dollar an Aktionäre zurückgegeben, dabei aber tatsächlich den Unternehmenswert um mehr als zwei Billionen Dollar gesteigert. Man kann es finanzielle Magie nennen, eine Harry Potter-esque Zauberkraft der Kapitalakkumulation.  

So ist denn tatsächlich Tim Cooks größte Innovation und der fraglos größte Erfolg seiner Regentschaft die Apple-Aktie selbst! Wohl nie in der Geschichte der Kapitalmärkte (sorry, Jack Welch) gab es einen CEO, der derart im Sinne des Shareholder Value gearbeitet hat wie Cook. Finanzinvestor Carl Icahn, der den verborgenen Wert der Apple-Aktie in der Krise 2013 entdeckte, dann aber 2016 nach einer Wertsteigerung von rund 70 Prozent viel zu früh verkaufte, dürfte sich in der Retrospektive schwarz ärgern – seine Aktienposition wäre heute statt 5,5 Milliarden tatsächlich über 30 Milliarden Dollar wert.

Icahns Rolle füllte indes ein anderer Altmeister der Wall Street passend aus – Warren Buffett kaufte wenige Monate nach Icahns Verkauf im großen Stil ein und erfreut sich heute über ein Investment jenseits der 130-Milliarden-Dollarmarke. Es ist die Krönung von Buffetts sieben Jahrzehnte langer Investmentkarriere, der Trade seines Lebens.

Als wollte die Wall Street Tim Cooks Wunder-Performance zum zehnten Jahrestag noch einmal zelebrieren, verbesserte sich die Apple-Aktie in den vergangenen Handelstagen von Allzeithoch zu neuem Allzeithoch. Bei Kursen von 153 Dollar zu Wochenbeginn knackte Apple bereits den nächsten Meilenstein der Tim Cook-Ära: Apple stieg zum ersten 2,5 Billionen-Dollar-Konzern der Welt auf!

Keine 20 Prozent mehr und Cook könnte bei Kursen von 182 Dollar die nächste Traummarke einheimsen – die Bewertung von gar drei Billionen Dollar. Dass es dazu noch in seiner Amtszeit kommen dürfte, erscheint absehbar, zumal keinerlei Amtsmüdigkeit zu erkennen ist. Zwar glaube er nicht an weitere zehn Jahre als Vorstandschef, ließ Cook im Frühjahr durchblicken, doch der gut vernetzte Apple-Kenner Mark Gurman rechnet zumindest noch mit einer Amtszeit als CEO bis 2025 oder gar 2028.

Cooks Vermächtnis soll nach Einschätzung des Bloomberg-Reporters eine Augmented Realitybrille sein, deren Launch in den kommenden Jahren erwartet wird.  Wenn Gurmanns Einschätzung stimmt, bedeutet das auch einen Rückschlag für Apples ewige Auto-Pläne: Ein iCar dürfte frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts vom Band laufen – mutmaßlich unter einem neuen CEO.  

+++ Short Tech Reads +++

CNBC: Die neue Apple Watch könnte sich verzögern 

In mutmaßlich 13 Tagen ist es so weit – am 14. September dürfte die mit Hochspannung erwartete iPhone-Keynote über die Bühne gehen. Eine neue Generation der Apple Watch, die in den vergangenen Jahren immer im gleichen Atemzug mit vorgestellt wurde, könnte indes wegen des neuen, komplizierten Designs auf sich warten lassen, wie CNBC berichtet.  

The Verge: Windows 11 kommt am 5 Oktober

Auch Microsofts einstige Cashcow braucht mal ein neues Update. Sechs Monate nach dem Release von Windows 10 scheint nun Windows 11 in den Startlöchern zu stehen. Wie das Techportal The Verge berichtet, soll Microsofts neues Betriebssystem am 5. Oktober gelauncht werden, dabei jedoch Android-basierte Apps zunächst noch nicht unterstützen. Erst ab 2022 sei damit zu rechnen, so The Verge. 

CNBC: Alphabet nähert sich 2 Billionen-Bewertung 

Big Tech dürfte in Kürze seinen dritten Billionen-Dollar-Aspiranten bekommen. Nachdem Apple erst diese Woche die Marke von 2,5 Billionen Dollar geknackt hat und Microsoft dem iKonzern mit einer Marktkapitalisierung von bereits 2,28 Billionen Dollar bemerkenswert dicht auf den Fersen ist, schickt sich auch Alphabet an, bald beim exklusiven 2-Billionen-Dollar-Club beizutreten – nicht mal drei Prozent fehlen noch zum Meilenstein. Mit Kurszuwächsen von 66 Prozent seit Januar ist die Google-Mutter mit Abstand die am besten performende GAFAM-Aktie 2021.

+++ One last Thing: Elon Musk, die Generation X-Ikone +++

Erinnern Sie sich noch an Douglas Coupland? Dafür muss man zum älteren Semester, nämlich der „Generation X“ gehören. Mit dem gleichnamigem Bestseller wurde der kanadische Popliterat nämlich 1991 weltberühmt. 

Drei Jahrzehnte  später schreibt Coupland noch immer über die Popstars unserer Zeit – nur dass sie inzwischen aus der Tech-Industrie kommen. Der fraglos größten Big Tech-Ikone hat Coupland in seiner neuen Veröffentlichung „60 Stories to Make Your Head Feel Different“ nun ein besonderes Kapitel gewidmet – Elon Musk!

Das Buch erscheint erst im Oktober, doch der Guardian druckt bereits den Auszug über Musk. Coupland liefert über den kontroversen Tesla-CEO eine Verteidigung in 18. Akten, die damit schließt, dass der Popliterat dem Tesla-CEO noch weitere 50 Jahre im Scheinwerferlicht prophezeit – eine Vorstellung, die vielleicht nicht jedem gefällt…

Cheers + bis nächste Woche!

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