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Polit-Show mit Frauke Ludowig

Triell-Talk auf RTL: Notizen aus dem Paralleluniversum

Micky Beisenherz und Motsi Mabuse beim "Triell"-Talk – Foto: RTL-Screenshot

Im Anschluss an das Kanzlerkandidaten-Triell auf RTL talkten an gleicher Stelle Frauke Ludowig, Günther Jauch und Motsi Mabuse über den Aufritt der Spitzenpolitiker. Wer davor dachte, er hätte irgendwie schon alles gesehen, wurde eines Besseren belehrt.

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In den unendlichen Weiten des TV-Infotainments schlummern noch viele Paralleluniversen, die es zu entdecken gilt. Eines offenbarte sich gestern im Anschluss an das Kanzlerkandidaten-„Triell“ bei RTL dem Zuschauer. Ich dachte ja, ich hätte irgendwie alles schon gesehen. Doch nach der Fragerunde mit Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock war diese Erkenntnis passé: Pötzlich moderierte Frauke Ludowig einen Polit-Talk mit Motsi Mabuse.

Was Günther Jauch – der auch in der Runde saß – für Quiz-Shows ist, das ist Ludowig für’s Regenbogenfernsehen („Exklusiv“). Mabuse ist zuvorderst Tänzerin und hat sich über die vergangenen Jahre als Jurorin bei „Let’s dance!“ den Job-Titel „Entertainerin“ verdient. So nennt man im Privatfernsehen Leute, von denen zwar niemand weiß, warum sie regelmäßig in der Glotze zu sehen sind, die allerdings den großen Vorteil haben, dass sie von Berufswegen offen für alles sind. Ein Segen für jeden Casting-Prozess. Außerdem ist Mabuse Wertungsrichterin für Lateinamerikanische Tänze, was den großen Vorteil hat, dass sie sich mit Haltung auskennt, was im deutschen TV per se nicht schaden kann. Aber das ist nur so ein Gedanke.

Weltverbessern für Anfänger

Mit dabei beim Triell-Talk waren übrigens auch Micky Beisenherz, RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome und die Podcasterin Louisa Dellert, die ein Buch mit dem Titel „Mein Herz schlägt grün: Weltverbessern für Anfänger – Herzblut statt moralischer Zeigefinger“ geschrieben hat, und offenkundig über beste Kontakte ins RTL-Universum verfügt.

Viel kam am Ende nicht bei rum: Man erfuhr, dass Jauch keiner der Triell-Kandidaten überzeugen konnte, dass Mabuse Baerbock gut, weil nahbar fand. Und die Runde diskutierte etwa, ob Laschet nun „aggro“ oder „on fire“ war. Dazu ein bisschen Politik-Analyse von Blome und ein paar Witzchen von Beisenherz. Erkenntnisgewinn: gleich null; was mich aber nicht davon abhielt, bis zum Ende dran zu bleiben. Dafür war all das, was da passierte, einfach zu grotesk.

MEEDIA-Redakteur Ben Krischke – Illustration: Bertil Brahm

Widmen wir uns also der Frage: Wie kam es zu genau dieser Runde? Ich habe da eine Theorie: Alle Beteiligten kennen sich aus einer gemeinsamen What’s-App-Gruppe, die Frauke Ludowig mal „zum Spaß“ gegründet hat. Eine schöne Vorstellung: Motsi Mabuse gibt Nikolaus Blome darin Tipps, wie der Paartanz mit der Gattin gelingt. Er postet kleine Anekdötchen aus seiner Zeit bei der „Bild“, während Beisenherz täglich lustige Memes verschickt, die Dellert wahlweise mit Herzchen- oder Tränenlachen-Smileys quittiert. Nur Jauch macht da nicht konsequent mit – und stellt die Gruppe regelmäßig acht Stunden auf „stumm“.

Ostsee oder Mallorca? 

Allerdings kann man diesen ganzen Triell-Talk auch anders bewerten. Darauf machte mich ein Kollege aufmerksam, der, völlig zu Recht, anmerkte, dass es RTL mit Casting, Aufmachung und Schalte in das Wohnzimmer irgendeiner ganz normalen Familie aus Hamburg, die das Triell ebenfalls bewerten sollte  – ja, auch das gab es noch – eben auch gelungen sei, sich selbst treu zu bleiben. Ich finde, das kommt auf die Haben-Seite, ganz oben, dick unterstrichen.

Denn es war ja schon so, dass das Kanzlerkandidaten-Triell, moderiert von Peter Kloeppel und Pinar Atalay, unterm Strich so seriös war, dass es doch arg ans öffentlich-rechtliche Fernsehen erinnerte. Keine Challenges, keine verbalen Ausfälle und niemand hat geweint. Da ist man von RTL anderes gewohnt. Stattdessen zwei Moderatoren, die sich nicht abspeisen ließen mit Wahlkampf-Blabla, sondern vielfach auf konkrete Antworten pochten. Chapeau dafür!

Eigentlich ist mir nur eine Frage im Kopf geblieben, die in ARD oder ZDF so wohl nicht gestellt worden wäre: Ob die Deutschen lieber Urlaub an der Ostsee oder auf Mallorca machen sollten, wollten Kloeppel und Atalay wissen. Ich hätte gesagt: weder noch. Die Kanzerkandidaten sagten, dass die Menschen das selbst zu entscheiden hätten. Ein löblicher Ansatz, wie ich finde – und wunderbar vorhersehbar.

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