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Jannis Johannmeier

Nah dran, kann auch zu nah sein – oder doch nicht?

Jannis Johannmeier – Foto: The Trailblazers

Derbys beim Fußball sind für Sportjournalisten oft ein Highlight: Auf der Suche nach einer Top-Story kann ein Reporter aber auch in Gefahr geraten, etwa wenn er sich durch Polizeiabsperrungen drängt. Über fliegende Gullideckel beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und der Fortuna aus Düsseldorf.

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Sportjournalismus wird dann spannend, wenn es um Derbys geht. Sie sind der Stoff für große Geschichten! Die Fans beider Seiten feiern mit ihren Vereinen. Es geht um den Ruhm der eigenen Stadt, um die Ehre des Vereins. Doch es geht natürlich auch darum, wer die lautesten Fans hat – und die rasten manchmal aus.

Der Anspruch von „Bild“ bei solchen Spielen ist es, so nah dran wie möglich zu sein. Und diesem Anspruch wollte ich gerecht werden. Wofür soll man sonst als Reporter auf dem Feld sein? Exklusive Storys findet man schließlich da, wo es heiß wird.

Als bei einem dieser Derbys die Fans aufeinander losgegangen sind, bin ich durch die Polizeiabsperrungen hindurch gegangen. Ich wollte wissen, was die Leute auf beiden Seiten über ihre – aber auch über die Mannschaft der Gegenseite – denken. Und natürlich wollte ich auch wissen, warum sie sich gegenseitig mit Gullideckeln bewerfen.

Rückblickend hätte das der Moment sein sollen, an dem ich mich hätte zurückhalten sollen. Denn lohnt es sich wirklich, sich selbst für so eine Story in Gefahr zu bringen? Heute sage ich natürlich: Nein, auf keinen Fall. Schließlich hätte einer der Metalldeckel, die gegen die vorbeifahrenden Busse geflogen sind, auch an meinem Kopf landen können. Was für ein Ende wäre das bitte gewesen? Ein bitteres.

Doch eine Sache bleibt, auch wenn ich heute denke, dass ich damals komplett irre gewesen sein muss: Dadurch, dass ich immer einen Ticken näher dran sein wollte, habe ich gelernt, wo die guten Geschichten liegen und was die Leute, die die Geschichten schreiben, bewegt. Menschen kennenlernen und fragen, was sie um- und antreibt. Das habe ich in der „Schule Bild” gelernt.

Wenn ich mich heute als Geschäftsführer von The Trailblazers mit den Unternehmen treffe, mit denen wir zusammenarbeiten, gehe ich immer noch mit Anlauf durch die Polizeiabsperrungen (im übertragenen Sinne natürlich). Anstatt im sicheren Bereich zu bleiben, renne ich heute zu den Geschäftsführer*innen und frage: Was ist es, das euch um- und antreibt? Was wollt ihr? Das ist auch irgendwie Derby-Style, finde ich!


Jannis Johannmeier ist Gründer und Geschäftsführer der jungen Agentur The Trailblazers.

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