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Rekord-Investition

Axel Springer kauft Politico für angeblich über eine Milliarde Dollar

Mathias Döpfner

Mathias Döpfner – Foto: Imago

Es ist ein Mega-Deal. Die Axel Springer SE übernimmt das US-Nachrichtenunternehmen Politico und die auf den Technologiesektor spezialisierte News-Website „Protocol“ vom Eigentümer und Gründer Robert Allbritton. Der Kaufpreis liegt angeblich bei über einer Milliarde US-Dollar. Es ist die bisher größte Investition für Springer.

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Den Kaufpreis hat Joshua Benton vom US-Mediendienst „Nieman Lab“ getwittert.

Auch weitere US-Medienjournalisten, u.a. vom „Wall Street Journal“ und der „New York Times“ haben die Größenordnung des Deals von über einer Mrd. Dollar getwittert, das entspricht knapp 850 Mio. Euro. Die bis dato größte Springer-Investition war das französische Immobilienportal SeLoger, die 630 Mio. Euro schwer gewesen sein soll.

Springer selbst schweigt zu dem Kaufpreis. Im „Handelsblatt“ (€) hat CEO Mathias Döpfner aber ein Interview zum Deal gegeben. Dort ist die Rede davon, dass es sich um die bislang größte Investition von Springer handelt. „Das Potenzial ist generell riesig. Wir sind überzeugt, das Unternehmen zu einem attraktiven Preis erworben zu haben“, so Döpfner. Die Marge von Politico liegt laut Döpfner bei 30 Prozent.

Springer stärkt mit dem Kauf seine Position auf dem US-amerikanischen Markt, der neben Deutschland und Polen zu den Kernmärkten des Berliner Medienhauses zählt. Springer hat in den USA bereits die Medienmarken „Insider“ (u.a. „Business Insider“) und „Morning Brew“ im Portfolio. 

Politico wurde von Robert Allbritton vor 15 Jahren gegründet und gilt als erfolgreiches, digitales Medienunternehmen. Politico betreibt diverse Spezial-Themen-Medien für Polit-Profis in Washington D.C., die als Premium-Paid-Content vertrieben werden, aber auch allgemein zugängliche News-Seiten, die für Werbe-Erlöse sorgen. Mittlerweile beschäftigt Politico mit seiner Schwesterfirma „Protocol“ nach Unternehmensangaben über 500 Journalisten.

Axel Springer und Politico betreiben seit 2014 das Joint Venture „Politico Europe“, das sich auf den Politik-Betrieb in Brüssel fokussiert. Seit 2019 arbeite „Politico Europe“ profitabel, so Springer. Im Zuge der Übernahme kauft Springer auch die anderen 50 Prozent an dem bisherigen Joint Venture. Döpfner sagt in der Mitteilung: „Politico hat mit einem herausragenden Team den digitalen politischen Journalismus revolutioniert und neue Standards gesetzt – ein echter Leitstern. Wir begreifen es als Ehre und besondere Verantwortung, die Zukunft dieses erstklassigen Medienunternehmens mitzugestalten. Objektiver Qualitätsjournalismus ist heute wichtiger denn je. Politico und uns verbindet der Einsatz für journalistische Unabhängigkeit sowie eine unvoreingenommenen, nicht-aktivistische Berichterstattung. Genau das wird Grundlage sein für beschleunigtes Wachstum und unseren künftigen gemeinsamen Erfolg.“  

Robert L. Allbritton, Gründer und Publisher von Politico und „Protocol“: „Als Politico und das neu gegründete ‚Protocol‘ in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher wurden, merkte ich zunehmend, dass ein global agierendes Unternehmen vermutlich besser als ein Familienunternehmer wie ich in der Lage sein würde, unser weltweites Wachstum weiter voranzutreiben, unseren Zielgruppen noch besser zu dienen und unseren Beschäftigten noch mehr Chancen zu bieten. Allerdings habe ich immer gesagt, dass für mich nur ein Investor in Frage kommen würde, der sowohl meine persönlichen Werte als auch die Unternehmenswerte von Politico teilt. Es gibt in der Medienlandschaft niemanden, der diese Voraussetzung besser erfüllt als Mathias Döpfner und sein Team bei Axel Springer.“ 

Robert Allbritton bleibt auch nach dem Deal Publisher von Politico und „Protocol“. Der Abschluss der Transaktion ist für das vierte Quartal 2021 geplant. Über den Kaufpreis wollen die Parteien nichts verraten. Das „Wall Street Journal“ hatte bereits vor kurzem über Verhandlungen zwischen Axel Springer und Politico berichtet.  

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