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Neue TV-Nachrichtensendung

„RTL Direkt“-Premiere – Jan Hofer macht das Beste daraus

Jan Hofer und Annalena Baerbock bei der Premiere von "RTL Direkt" – Foto: Markus Nass / RTL / dpa

Die Premiere der neuen Nachrichtensendung „RTL Direkt“ mit dem aus der Rente reaktivierten „Mr. Tagesschau“ Jan Hofer fiel im guten Sinne unspektakulär aus. Mit Annalena Baerbock hatte man einen prominenten Gast und Jan Hofer hatte sich sogar einen Signature-Satz überlegt.

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„Machen Sie das Beste daraus!“, sagte Hofer am Ende der gut 20-minütigen Sendung. Ein News-Anchor-Schlusssatz wie er im Buche steht. Kommt natürlich nicht an Uli Wickerts ewig beste Schluss-Formulierung „… das Wetter“ ran, ist aber auch alles andere als schlecht. So ähnlich kann auch das Fazit der ersten „RTL Direkt“-Sendung lauten. 20 Minuten wirkten auf dem Papier ein wenig kurz um den ARD-„Tagesthemen“, die zur selben Zeit laufen, Konkurrenz zu machen. Aber das will man beim RTL ja angeblich sowieso nicht. Trotzdem können sich Zuschauer künftig um 22.15 Uhr zwischen zwei Nachrichten-Formaten entscheiden.

Die Kürze der 20 Minuten wurde vom RTL-Team aber sehr gut genutzt. Die Sendung war zu keiner Zeit gehetzt. Annalena Baerbock war die komplette Zeit über im Studio. Die aktuelle Lage in Afghanistan wurde angesprochen, klar. Erkenntnisgewinn: gebremst. Es gab einen Beitrag mit einer Familie, für die die gute, grüne Biokost teuer zu stehen kommt (normale Leute) und ein Frage-Antwort-Spielchen mit vorbereiteten Zuschauerfragen.

Jan Hofer moderierte erwartungsgemäß souverän. Aber ihn könnte man vermutlich auch zufällig in irgendeiner Nacht gegen halb zwei Uhr morgens wecken und er würde schlafwagensicher eine Nachrichten-Sendung wegmoderieren. Frau Baerbock fühlte sich vor allem gegen Ende auch sichtlich wohl. Denn der „Let’s dance“-Onkel war dann doch ganz nett gewesen und sie hatte die Sendung unfallfrei über die Bühne gebracht. Genauso wie RTL.

Wie sich so ein News-Format wirklich schlägt, wird man natürlich erst über die Langstrecke beurteilen können. Findet die Redaktion jeden Tag einen prominenten Gast, der die ganze Sendung über Zeit hat? Oder wird das variiert? In Kürze stößt als zweite Moderatorin die ebenfalls von der ARD rübergemachte Pinar Atalay dazu. Auch sie wird das souverän durchziehen, keine Frage.

Am Schluss hat RTL einen Komiker, pardon: Comedian, aufgefahren, der ein paar laue Späßchen machte. Man habe sich vorgenommen, so Hofer, die Zuschauer mit einem Lächeln in den Abend zu entlassen. Frau Baerbock gefiel das. Sicher gut gemeint, war aber gar nicht nötig. Die ganze „RTL Direkt“-Sendung war im besten Sinne solides TV-Nachrichten-Handwerk. Man weiß jetzt nicht wirklich, warum man hier statt bei den „Tagesthemen“ reinschalten soll. Man ergreift aber auch nicht die Flucht. Jan Hofer und das RTL-News-Team haben das Beste daraus gemacht.

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