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Judith Koller

Karriereleiter einmal anders

Judith Koller – Foto: schalk&friends / MEEDIA

Die Bauma ist als weltgrößte Messe für Baumaschinen weit über München hinaus bekannt. Der erste Schritt auf der Karriereleiter war der Job dort allerdings nicht. Im Gegenteil.

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Als Studentin war ich immer auf der Suche nach interessanten und lukrativen Nebenjobs. So bin ich über eine Stelle als Messe-Hostess auf der Bauma gestolpert.  Nach dem erfolgreichen Bewerbungsgespräch in einer Messeagentur sah ich mich schon im schicken Outfit interessanten Gästen aus aller Welt dreisprachig Produkte erklären und Kaffee oder Sekt einschenken.

Die Realität bei der Bauma am Stand eines großen deutschen Automobilherstellers sah dann tatsächlich sehr anders aus. Schon nach einem Tag im dunkelblauen Kostüm am Messestand wurde ich zur offiziellen Bällefischerin „befördert“. Das Ganze lief so ab: Einmal in der Stunde wirbelte ein Betonmischer Bälle durcheinander und die Zuschauer durften raten, wie viele Bälle im Mischer waren. Als Bällefischerin war es meine Aufgabe, eine zehn Meter hohe Leiter hinaufzuklettern und mit einem Netz elegant die Bälle aus dem Mischer zu holen, während ein Moderator mitzählte. So konnten mir stündlich geschätzt 500 Männer aus der Baubranche auf den Allerwertesten schauen. Das mit der Karriereleiter hatte ich mir wirklich anders vorgestellt!

Die Geschichte spielt in den 1990-ern, und da fand man es noch vollkommen in Ordnung, Baumaschinen mit weiblichen Reizen zu verkaufen. Ich bin sehr froh, dass sich solche Klischees in den meisten Branchen mittlerweile erledigt haben.

Wichtig an diesem Thema ist, dass nicht nur die Männer meiner Generation (und der darüber) hier gefordert sind, sondern auch die Frauen. Es geht darum, bisherige Verhaltensweisen zum Thema Diversität und Gleichberechtigung zu hinterfragen, eine neue Geisteshaltung einzunehmen und als Arbeitsgeber*in ein Umfeld zu schaffen, in dem diese Werte aktiv gelebt werden.

Deshalb empfinde ich Initiativen wie die des GWA, einen U30-Beirat einzurichten, als ein hervorragendes Zeichen.

Judith Koller ist Client Service Director bei der Münchner Digitalagentur Schalk & Friends.

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