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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Kurz-Favorit Weißmann wird neuer ORF-Generaldirektor

Roland Weißmann ist neuer ORF-Generaldirektor – Foto: Robert Jaeger / apa / dpa

Der ORF hat einen neuen Generaldirektor: Mit 24 von 35 Stimmen hat sich Roland Weißmann gegen Amtsinhaber Alexander Wrabetz durchgesetzt. Weißmann ist auch der Favorit des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz gewesen.

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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich bekommt nach 15 Jahren einen neuen Chef. Roland Weißmann wurde am Dienstag zum neuen Generaldirektor des ORF und somit zu einem der wichtigsten Medienmanager des Landes gewählt, wie ein Sprecher des Senders bekannt gab. Weißmann soll sein Amt zum Jahresbeginn 2022 antreten.

Bei der Abstimmung im ORF-Aufsichtsgremium konnte der bisherige Vizefinanzchef des Unternehmens vor allem auf die Unterstützung der Stiftungsräte zählen, die der konservativen Regierungspartei ÖVP nahestehen. Weißmann folgt auf Alexander Wrabetz, der das Medienunternehmen mit rund 3.000 Mitarbeitern seit 2007 leitet und der sich um eine weitere fünfjährige Amtszeit beworben hatte.

Der ORF ist ein Schwergewicht in Österreichs Medienlandschaft: Die Fernsehsparte hat einen Marktanteil von 36 Prozent, die zwölf landesweiten und regionalen Radioprogramme kommen auf 74 Prozent.

Die Politik beeinflusst die Wahl des ORF-Generaldirektors. Die 35 Stiftungsräte sind zwar formell unabhängig, doch 24 von ihnen werden von der Regierung, den Bundesländern und den Parlamentsparteien entsandt. Das Gremium ist in informelle politische Fraktionen gegliedert. Weißmanns Bestellung galt dank seiner Nähe zur ÖVP schon seit Tagen als so gut wie ausgemacht.

Bei einer öffentlichen Präsentation der fünf zuletzt verbliebenen Bewerber hatte Weißmann am Montag angekündigt, den ORF digitaler, jünger und gesellschaftlich vielfältiger machen zu wollen. Er forderte eine Änderung der bestehenden gesetzlichen Regelung, die die Online-Aktivitäten des Senders einschränkt. „Der ORF braucht dringend mehr digitale Bewegungsfreiheit, damit wir den Anschluss nicht verpassen“, sagte er. Weißmann will zudem Kooperationen mit privaten österreichischen Medien und mit ausländischen europäischen Sendern wie ARD und ZDF ausbauen.

Der designierte neue ORF-Chef stieg Mitte der 1990er Jahre in dem Unternehmen ein und wurde schon bald mit leitenden Redaktionsposten betraut. Seit 2012 ist Weißmann Chefproducer der Fernsehsparte, seit 2017 auch stellvertretender Finanzchef.

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