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Axel Springer und Bertelsmann

Warum sich deutsche Medienhäuser aus dem Ausland zurückziehen

Mathias Döpfner – Foto: Imago

Mit dem Rückzug aus vielen osteuropäischen Ländern konzentriert sich Springer-Chef Mathias Döpfner wie sein Konkurrent Thomas Rabe auf weniger Märkte. Das ist ein notwendiger Schritt, um sich gegen Google, Facebook & Co. zu wappnen. Andere Unternehmen werden folgen.

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Einst war Gruner + Jahr im Auslandsgeschäft ein Wettbewerber von Weltgeltung. Ob in den USA mit Titeln wie „Family Circle“ und dem Druckhaus Brown Printing oder in Russland mit Ausgaben von „Geo“ und „Gala“. Um die Jahrtausendwende erzielte die Hamburger Bertelsmann-Verlagstochter fast 60 Prozent ihres Konzernumsatzes von rund 2,6 Milliarden Euro außerhalb Deutschlands. Doch diese Glanzzeiten sind längst vorbei – die inzwischen ausgeschiedene Verlagschefin Julia Jäkel leitete kurz vor ihrem Abtritt auch noch den Verkauf des langjährigen Magazingeschäfts mit Prisma Media in Frankreich ein. Damit zog die Managerin auch bei der letzten Auslandsbeteiligung von Gruner + Jahr den Stecker, so dass sich das Medienhaus vor einer möglichen Fusion mit dem Fernsehsender RTL ausschließlich auf den deutschen Markt konzentriert.

Der Wettbewerb mit den US-Medienriesen zwingt deutsche Medienkonzerne, im Auslandsgeschäft weiter zu konsolidieren, findet MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Jetzt zieht auch der Berliner Konkurrent Axel Springer nach – zumindest für große Teile seines Auslandsgeschäft in Osteuropa (MEEDIA berichtete). Damit konzentriert sich Vorstandschef Mathias Döpfner in der Sparte News Media auf die beiden Auslandsmärkte Polen und die USA. Der Schritt des Konzernchefs ist richtig. Immer schwerer haben es deutsche Medienhäuser, sich gegen die wachsende Medienmacht aus den USA zu behaupten. Waren es zunächst Google, Facebook & Co., die in der Vermarktung das Leben erschwerten, macht nun auch noch der Wettbewerb mit Streamingdienste wie Netflix, Prime Video oder Disney+ im Fernsehgeschäft zu schaffen. Da ist es verständlich, dass Prioritäten verschoben werden, um sich gegen die Wettbewerber aus dem Silicon Valley zu wappnen.

Mit seinem Teil-Rückzug aus den ausländischen Medienmärkten steht Döpfner nicht alleine da. Auch RTL Group-Chef Thomas Rabe zieht sich mit der Fernsehgruppe teilweise aus dem Ausland zurück. Erst jüngst veräußerte er das TV-Geschäft in Belgien an den Herausgeber der Zeitung „Le Soir“, die Groupe Rossel, sowie die flämische DPG Media. Doch er schlägt auch andere Wege ein, um sich gegen die neuen Streaming-Anbieter zu stemmen. So sucht er in Frankreich mit TF1 oder in den Niederlanden mit John de Mols Medienunternehmen den strategischen Schulterschluss, da er das Geschäft auf den jeweiligen Märkten nicht mehr alleine betreiben will.

Egal ob Springer, Gruner + Jahr oder RTL – die Konsolidierung vieler deutscher Medienunternehmen im Auslandsgeschäft wird sich fortsetzen. Denn der Druck der US-Giganten auf heimische Konzerne im Print, TV oder Digitalgeschäft wird weiter massiv zunehmen. Den hiesigen Unternehmen bleibt nur der Ausweg, sich weiter auf den deutschen und einige wenige Auslandsmärkte zu konzentrieren. Ansonsten haben die Gesellschaften kaum eine Chance, sich gegen die weiter wachsende Dominanz der US-Riesen zur Wehr zu setzen. Nur wer eine klar fokussierte Strategie fährt, wird in diesen Zeiten auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben und überleben. 

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