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Standl, Hochwasser, Broder, Neubau

Tohuwabohu beim WDR: Tom Buhrow, übernehmen Sie!

Der WDR ist die größte Sendeanstalt der ARD – und demontiert sich gerade selbst. Von Versäumnissen bei der Katastrophen-Berichterstattung bis zum Rauswurf einer unliebsamen Mitarbeiterin reicht die Ärger-Liste. Wo steckt Tom Buhrow?

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Schön ist’s nicht, was Simone Standl in der „Bild am Sonntag“ gegen den WDR vom Stapel ließ. Der Sender wolle sich „krampfhaft neu aufstellen und diverser werden“, so die Moderatorin. Deshalb blieben nicht nur die treuen Stammzuschauer auf der Strecke, sondern auch die eigenen Mitarbeiter. Die Moderatorin wurde gerade nach 17 Jahren „Lokalzeit“ durch Sümeyra Kaya ersetzt. Standl sagt, sie wisse bis heute nicht, was hinter ihrer Abberufung steckt, und wirft dem WDR „unehrliches Geschwurbel“ vor. Der WDR spricht von einem „schwer gestörten Vertrauensverhältnis“. Da hilft auch kein Paartherapeut mehr.

Der Fall Standl ist nicht der einzige Vorfall, der rund um die Sendeanstalt die Gemüter erhitzt. Der WDR demontiert sich gerade selbst. Und das mit Akribie und Leidenschaft. Die Baustellen reichen von der mangelhaften Hochwasser-Berichterstattung bis Twitter, wo die Leiterin des WDR-Studios in Essen – Georgine Kellermann – den jüdischen Autor Hendryk M. Broder jüngst einen „alten, weißen Faschisten“ nannte.

MEEDIA-Redakteur Ben Krischke meint, der WDR muss prüfen, ob die richtigen Leute an den richtigen Stellen sitzen – und Konsequenzen ziehen – Illustration: Bertil Brahm

Und sie reichen bis zu einer Baustelle im Wortsinn: dem Neubau des WDR-Filmhauses in der Kölner Innenstadt. Weil die geplanten Kosten von 80 Millionen Euro laut Medienberichten auf das Dreifache zu explodieren drohen, hat die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) dem WDR erstmal den Geldhahn zugedreht*. Dass Großbauprojekte am Ende teurer werden, als kalkuliert, daran hat man sich hierzulande gewöhnt. Ein Ärgernis bleibt es trotzdem.

Alles nur blöd gelaufen? Oder zeigt sich an all den kleinen wie großen Vorfällen und Ausfällen beim WDR, dass sich das gesamte System gerade selbst überlebt? Und was macht eigentlich Tom Buhrow? Dass der WDR-Intendant und aktuelle ARD-Vorsitzende nicht willens wäre, Wogen zu glätten, wenn mal wieder Unschönes beim WDR passiert, kann man ihm nicht vorwerfen. Man denke nur an die Diskussion um das unsägliche „Umweltsau“-Video. Das allein reicht aber nicht.

Der WDR ist kein freischwebendes Unternehmen. Der WDR ist die größte ARD-Sendeanstalt. Damit verbunden ist auch eine gewisse Vorbildfunktion nach innen wie außen. Wenn der WDR nicht funktioniert, funktioniert in den Augen der Beitragszahler der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht. Ein erster Ansatz, das Tohuwabohu zu stoppen, wäre wohl eine kritische Analyse, ob die richtigen Leute an den richtigen Stellen sitzen: von der „Lokalzeit“ in Köln bis zum WDR-Studio in Essen. Herr Buhrow, übernehmen Sie!

*Update, 28. Juli, 18.10 Uhr / Der WDR teilt gegenüber MEEDIA mit:

Die Kosten für die Sanierung des Filmhauses haben sich nicht verdreifacht. Man kann diese beiden Beträge (80 / 240 Mio. Euro) schlicht nicht gegenüberstellen. Denn bei den 80 Mio. Euro handelt es sich um die reinen Bau- und Planungskosten. Mit dieser Summe sind wir damals in den Architektenwettbewerb gegangen, und es war von vornherein klar, dass zu dieser Summe weitere Kosten hinzukommen würden, die aber für die Entwürfe der Architekturbüros nicht relevant waren (Technik, Ausweichflächen…). Bei der KEF wurde dann ein Sockelbetrag von zunächst 130 Mio. Euro, später rd. 160 Mio. Euro als Projektbudget angemeldet und akzeptiert. Hierin sind u.a. Kosten für Produktionstechnik, IT, Umzüge oder die Anmietung von Ausweichquartieren enthalten. Nach den zum Teil massiven Preissteigerungen in der Baubranche musste das Budget angepasst werden. Es liegt bei 240 Mio. Euro und enthält ausreichende Puffer, um mögliche Preissteigerungen auffangen zu können.

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