Anzeige

Funke Mediengruppe

Warum die Familie Grotkamp mit der neuen Struktur den Medienwandel besser packt

Funke-Gebäude in Essen – Foto: imago images / Revierfoto

Die Familie Grotkamp verpasst der Funke Mediengruppe eine neue Unternehmens- und Führungsstruktur. Das ist ein längst überfälliger Schritt, damit das Essener Zeitungshaus im hart umkämpften Wettbewerb dauerhaft überlebt.

Anzeige

Wochenlang sorgten die Gesellschafter der Funke Mediengruppe in der Branche für reichlich Gesprächsstoff, wer die Sprecher-Rolle in der Geschäftsführung des „WAZ“-Konzerns übernehmen sollte. Am Ende einigten sich die Anteilseigner darauf, dass die wichtige Position unter den drei Geschäftsführern in zeitlichen Abständen rotiert. Mal sollte der neue Zeitungschef Christoph Rüth, mal der Digital- und Magazin-Chef Andreas Schoo, mal der Finanzchef Michael Wüller die Stimme des größten Zeitungsunternehmens in Deutschland sein. 

Die neue Unternehmens- und Führungsstruktur hilft, die Ertragslage von Funke zu verbessern, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Damit war der Ärger programmiert. Zwar hatte der jeweils amtierende Sprecher der Geschäftsführung keinen Einfluss auf den unternehmerischen Kurs seiner Kollegen. Er stand jedoch im Rampenlicht und hätte Auftritte in der Öffentlichkeit und vor der Belegschaft nutzen können, um in eigener Sache vor den Eigentümern zu glänzen. Das schmeckte aber den beiden anderen Geschäftsführern nicht, die mit ihrer Arbeit ebenfalls zum Unternehmenserfolg beitrugen.

Jetzt schafft die Familie Grotkamp mit der Übernahme der Anteile der Familien Schubries und Holthoff-Pförtner klare Verhältnisse. Zum einen beendet der Familienstamm endlich den Zoff unter den Gesellschaftern, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder um den unternehmerischen Kurs des Verlagstankers stritten. Zum anderen stellen sie die Unternehmens- und Führungsstruktur des Zeitungsriesen zeitgemäßer auf, um den rasanten Medienwandel und dem Konkurrenzdruck durch die US-Tech-Giganten, wie Google, Facebook & Co, besser zu bestehen. Statt eines einzigen Holding-Geschäftsführers mit alleinigen Machtbefugnissen verteilt Aufsichtsratschefin Julia Becker die operative Verantwortung für die drei wichtigsten Unternehmensbereiche Regionalmedien, Zeitschriften und Digitales auf mehrere Schultern. Dadurch schafft die Familie die notwendige Struktur, um die jeweiligen Bereiche wie Profit-Center rentabler zu steuern.

Doch die Neuausrichtung hat auch eine Kehrseite. Es besteht die Gefahr, dass die einzelnen Unternehmenszweige zu sehr auf ihre eigene Erfolgsgeschichte schielen und dadurch unternehmensintern Synergiepotenziale unter den Sparten auf der Strecke bleiben. Steuert hier die Familie Grotkamp aber geschickt dagegen, ist die Funke Mediengruppe für die Zukunft gut gewappnet. Das ist wichtig. Denn die Corona-Krise hat den Regionalzeitungen des Hauses stark zugesetzt. Betroffen ist vor allem die Vermarktung, da viele Geschäfte in den Regionen über Monate ihre Türen schließen mussten. Dadurch brachen große Teile des Anzeigengeschäfts weg. Jetzt hat das neugebildete Führungsteam mit dem nahenden Ende der Pandemie die Chance, die Ertragslage der Essener rasch zu verbessern. Das ist notwendig, denn die Familie Grotkamp muss in zwei Jahren in der Lage sein, den millionenschweren Erwerb der Anteile der beiden anderen Familienstämme zu stemmen.  

Anzeige