Anzeige

Unbürokratisch helfen

Wer Purpose hat, macht einfach

Flut Aufmacher

Jede Hilfe zählt, auch heute noch! - Foto: Imago Future Image

Die Hochwasserkatastrophe verlangt schnelle Reaktion. Hat Ihr Unternehmen schon reagiert?

Anzeige

Meine Schwiegereltern wohnen in Erftstadt.

Nie hätte ich gedacht, dass dieser Satz jemals so bedeutungsschwanger werden könnte wie heute. Tausende von Geschichten und Schicksalen offenbaren sich in dieser vergleichsweise banalen Tatsache.

Mein Schwiegervater war 30 Jahre lang Hausarzt für Menschen aus Blessem, Köttingen, Liblar, Kierdorf oder Lechenich. Dörfer, die vor einer Woche niemand kannte und heute jeder kennt. Für ihn ist das keine abstrakte Flutkatastrophe, sondern ein trauriges Photoalbum mit Hunderten von Geschichten.

Wir hatten Glück. Die Schwiegereltern sind in Urlaub und ihr Haus liegt auf einer Anhöhe und wurde verschont. Am Samstag verbrachten meine Frau und ich den Abend dort. Keine Spur von Hochwasser. Im Garten eine fast idyllische Ruhe. Zwei Straßenzüge weiter geht die Welt unter.

Es ist diese unbeschreibliche Janusköpfigkeit der Situation, die es so schwer macht, sie mental zu greifen. Zwei Dörfer weiter sitzen die Menschen lachend in Eisdielen, während in Köttingen polnische LKW-Fahrer eine Rauchpause außerhalb ihrer Evakuierungsunterkunft machen. Sie haben keinen LKW mehr. Aber sie leben.

Ein großes Weizenfeld, das gestern noch ein See von 500 x 500 Metern war, ist heute wieder ein Weizenfeld. Die Halme richten sich der Sonne entgegen, als wäre nichts gewesen. Die Geschwindigkeit, mit der die Katastrophe kam und teilweise wieder ging, ist verstörend.

Fast so schnell wie die Flut kam die Hilfe. Atemberaubend schnell. Gänsehaut. Tränen in den Augenwinkeln. Schon am Mittwoch, als wir uns zu Fuß aufmachten, das eingeschlossene Dorf zu erreichen, begegnete uns ein junger Mann mit einem Lastenfahrrad, vollgepackt mit Hilfsgütern. Er sei von keiner Organisation, er habe das nur eben auf Facebook gesehen und gemeinsam mit seiner Freundin alles gepackt, was die Menschen in Notunterkünften brauchen könnten. Und dann ist er einfach losgeradelt. Ohne zu wissen, ob er überhaupt ans Ziel kommt.

OBI hat mit am schnellsten auf die Flut reagiert – Foto: Screenshot

Er war nur die Vorhut. Tausende von Menschen aus der ganzen Republik machten sich auf den Weg, um zu helfen. Firmen schickten ihre Mitarbeiter, Menschen sammelten Wasserpumpen bei ihren Nachbarn, verluden sie auf den Hängern und machten sich auf den Weg. Nach nur zwei Tagen meldeten die Helfer vor Ort, dass alle Lagerflächen mit Hilfsgütern voll sind. Helfer und Geldspenden brauche man, Klopapier und Shampoo nicht mehr.

Genauso schnell halfen Unternehmen. Als erstes reagierten Unternehmen aus der Region, deren Mitarbeiter direkt betroffen waren und die von Anfang an am Newsticker hingen. Toyota hat seine Deutschlandzentrale nur 16 Kilometer entfernt. Man stellte 100 Ersatzfahrzeuge für Kunden zur Verfügung. Ford und Opel zogen zeitgleich mit. Beide sind in NRW und Rheinlandpfalz beheimatet und entsprechend nah am Geschehen.

Aber auch nationale Unternehmen, die ihren Standort nicht in der Nähe einer der Krisenregionen haben, wie VW, Henkel oder Bauhaus, versprachen unkomplizierte Hilfe oder spendeten einfach. Die „Bild“-Zeitung und Saturn versorgten Betroffene mit kostenlosen Powerbanks. Der WDR bündelte Informationen und Telefonnummern für Helfer und Hilfesuchende auf einer Website.

OBI und der Schwarz Gruppe (u.a. Lidl und Kaufland) gebührt vielleicht der größte Dank. OBI hat mit am schnellsten reagiert und nicht nur Schaufeln und Schubkarren zur Verfügung gestellt, sondern auch einen Logistik-Hub eingerichtet, um Hilfsgüter von Privaten einzusammeln und an Helfer zu verteilen. Die in Heilbronn beheimatete Schwarz Gruppe spendete 10 Millionen für die Aktion Deutschland Hilft.

Einige Unternehmen, von denen man es erwarten könnte, haben sich noch nicht zu Wort gemeldet. Vielleicht, weil am Wochenende dafür keine Entscheidung getroffen werden konnte. Aber es ist nicht zu spät. Marketing- oder Medien-Verantwortliche, die diesen Text lesen, mögen sich den Werte-Kanon ihres eigenen Unternehmens noch einmal vor Augen halten – und überlegen, ob nicht genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, den Worten Taten folgen zu lassen.

Wir sprechen dieser Tage viel von Purpose im Marketing. Aber in diesen Tagen zeigt sich, welche Marke das nicht nur sagt, sondern lebt. Purpose bedeutet, dass man nicht nur Anteil nimmt, sondern handelt.

Anzeige